Reifendrucksensoren machen Winterräder teuer - Abschalten nicht mehr erlaubt und möglich
Pflicht mit teurer Nebenwirkung

Wer für die Winterräder seines Autos Reifendrucksensoren benötigt, muss dafür inklusive Montage mindestens um die 300 Euro extra einplanen. Bild: Continental
Wirtschaft BY
Bayern
27.09.2014
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Auf viele Neuwagenbesitzer kommen im Herbst Kosten zu, mit denen sie womöglich nicht gerechnet haben. Wer sich in den vergangenen Monaten ein neues Auto gegönnt hat und dafür noch einen Satz Winterräder braucht, muss bedenken: Ist das Fahrzeug mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet, das mittels Sensoren in den Reifen den Luftdruck überwacht, brauchen auch die Winterpneus diese Messtechnik. Und die ist nicht billig. Ab November ist ein direkt oder indirekt messendes RDKS für die Zulassung von Neuwagen Pflicht. Der Hintergrund: Die automatische Überwachung des Reifendrucks soll dem Umwelt- und Unfallschutz dienen.

Risiken für Autofahrer

Fahrzeuge mit schlaffen Schlappen verbrauchen wegen des erhöhten Rollwiderstands mehr Kraftstoff als mit korrekt aufgepumpten Reifen - bei 0,5 bar Minderdruck laut ADAC bis zu 0,4 Liter auf 100 Kilometer. Zudem verschleißen die Gummis schneller, der Bremsweg wird länger und zudem hat der Reifen weniger Grip bei Nässe. Außerdem leidet die Fahrstabilität, und es sind Reifenschäden möglich. Bei hohem Tempo auf der Autobahn kann das dramatische Folgen haben. Diese Risiken für Autofahrer und Nebenwirkungen für die Umwelt sollen die Reifenwächter minimieren. Denn die regelmäßige Druckkontrolle an der Tankstelle wird von Fahrzeughaltern häufig vernachlässigt.

Beim Kauf der ersten Winter-Kompletträder für den Neuwagen wundern sich viele Fahrzeughalter über die Kosten. Haben sie ein direkt arbeitendes RDKS, das fortlaufend Messwerte aus allen vier Reifen ans Fahrzeug übermittelt, fallen neben den üblichen Kosten für Felgen und Reifen noch jene für die Anschaffung und Montage der zusätzlichen Sensoren an. Organisationen wie ADAC und TÜV Süd gehen bei einem Radsatz von 250 bis 300 Euro für die Sensoren plus etwa 50 Euro für Einbau und Programmierung in einer Fachwerkstatt aus. Davor bleiben diejenigen verschont, deren Wagen über ein indirekt arbeitendes RDKS verfügt. "Aber das sind die wenigsten. Fast alle Autobauer setzen bei ihren Modellen auf direkt messende Systeme", sagt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV).

Indirekt arbeitende RDKS vergleichen die Raddrehzahlen über die Sensoren des Antiblockiersystems (ABS) und andere ohnehin schon im Fahrzeug steckenden Messgeräte. Sie sind allerdings ungenauer und unzuverlässiger als Systeme mit eigenen Sensoren, die im Reifeninneren im Bereich des Ventils angebracht sind.

Die Sensoren weglassen, können Besitzer von Autos mit direkt messendem RDKS nicht. "Als das RDKS noch nicht Bestandteil der Kfz-Typzulassung war, konnte man es zum Beispiel für den Betrieb mit Winterrädern noch abschalten. Das ist jetzt nicht mehr erlaubt und nicht mehr möglich", sagt Ruprecht Müller vom ADAC Technik Zentrum. Kommen keine Messdaten in der Bordelektronik des Autos an, hat der Fahrer eine Fehlermeldung im Cockpit vor der Nase. Auch die Reifen von Saison zu Saison auf einem Felgensatz hin- und herwechseln zu lassen, ist auf Dauer teurer als ein zusätzlicher Satz RDKS-Sensoren. "Außerdem leiden Felgen und Reifen sehr darunter", gibt Müller zu bedenken.

Preise vergleichen

Prinzipiell sei es aber möglich, die mit dem Neuwagen mitgelieferten Sensoren in andere Reifen einzupflanzen. Und so lautet die einzige Lösung zur Vermeidung von Extrakosten durch das RDKS: Ganzjahresreifen fahren. "Die sind aber immer nur ein Kompromiss", betont ADAC-Experte Müller. Gerade im Winterbetrieb kämen sie nicht an die Leistung guter Saisonreifen heran. Anstatt auf Kosten der Sicherheit zu sparen, rät Müller bei der Anschaffung von Winterrädern und RDKS-Sensoren zum intensiven Preisvergleich. Bei den Sensoren seien Autobesitzer in der Regel nicht auf teure Originalteile der Fahrzeughersteller angewiesen.
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