"Schuldneratlas 2015"
Mehr verschuldete Menschen in der Oberpfalz

Das Konto im Minus - und trotzdem bekommen viele Konsumenten verlockende Ratenzahlungen für teure Neuanschaffungen angeboten. Damit wird der Weg aus der Schuldenfalle immer schwerer. Archivbild: dpa
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Bayern
09.12.2015
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Knallige Werbung für scheinbar attraktive Ratenangebote verleitet zum hemmungslosen Weihnachtseinkauf - eine gefährliche Verlockung für verschuldete Menschen. Das Resultat: Die Schuldnerquote in der Oberpfalz ist überaus besorgniserregend.

Regensburg. Bundesweit hat sich die Überschuldung von Privatpersonen 2015 im zweiten Jahr in Folge leicht erhöht. Die Schuldnerquote lag zum 1. Oktober bei 9,92 Prozent (2014: 9,90 Prozent). Das geht aus dem neuen "Schuldneratlas" hervor, für den der Inkasso-Dienstleister Creditreform die Lage in 402 Landkreisen und kreisfreien Städten ausgewertet hat. Eine Überschuldung liegt demnach vor, wenn jemand seine Zahlungsverpflichtungen "in absehbarer Zeit" nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Am höchsten ist der Anteil der Schuldner in der Oberpfalz demnach in den kreisfreien Städten Weiden (11,08 Prozent), Regensburg (9,91) und Amberg (9,43). Besser stehen die Landkreise da: Der Kreis Neumarkt hat mit 5,23 Prozent die niedrigste Schuldnerquote, gefolgt von Tirschenreuth (5,69 Prozent), Regensburg (5,79), Amberg-Sulzbach (5,86), Cham (5,89), Neustadt/WN (5,98) und Schwandorf (6,93). Bis auf den Kreis Cham ist die Quote in allen Städten und Kreisen angestiegen. "Betroffen macht mich, dass so viele Familien mit Kindern darunter sind", sagt Alfred Damberger, Referent für Schuldnerberatung beim Caritas-Diözesanverband. In 58 Prozent der überschuldeten Haushalte in der Diözese leben Kinder. Die Schulden dominieren als Angstthema oft den Familienalltag, und Weihnachten ist für die Betroffenen eine besonders heikle Zeit. "Wer will seinen Kindern schon nichts schenken?" Viele seiner Klienten können sich aber noch nicht einmal einen Christbaum leisten, sagt Damberger.

"Es wird schnell eng"


Als große Verlockung stuft er die vielen Ratenzahlungs-Angebote, die in der Werbung angepriesen werden. "Eine Waschmaschine zahlen heute viele auf Kredit. Wenn dann noch ein Handyvertrag auf Raten dazu kommt und vielleicht noch ein Fernsehkredit, wird es schnell sehr eng." Er sei oft überrascht, wie leicht selbst seine überschuldeten Klienten noch ein Darlehen bekommen.

Immer mehr Alte betroffen


2189 Menschen wandten sich im Jahr 2014 an die Schuldnerberatungsstellen der Caritas in der Diözese. Im Jahr davor waren es 1554. Den Anstieg erklärt Damberger sich vor allem durch eine Personalerhöhung bei den Beratern. Die Hälfte der Ratsuchenden sind Hartz-IV-Empfänger oder Rentner, die Grundsicherung beziehen.

Während die Zahl der jungen Schuldner deutschlandweit rückgängig war, stieg die Zahl der älteren Betroffenen laut "Schuldneratlas" in diesem Jahr an. "Im Alter haben die Leute weniger Geld. Das ist ein Problem, das auf uns zukommt", bestätigt Damberger den Trend. Das habe damit zu tun, dass Erwerbsbiografien oft nicht mehr durchgängig sind. Wer sich von Minijob zu Minijob hangelt, könne keine üppige Rente erwarten.

Insgesamt weniger PleitenDank stabiler Konjunktur sind in diesem Jahr weniger Privatleute und Unternehmen in die Pleite gerutscht. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank um 8,6 Prozent auf 79 030, wie der Dienstleister Creditreform am Dienstag berichtete. Mit dem fünften Rückgang in Folge sei die Zahl der Verbraucherinsolvenzen vor allem dank des robusten Arbeitsmarktes auf den niedrigsten Stand seit 2005 gefallen. Gleichzeitig mussten auch weniger Firmen den Gang zum Amtsgericht antreten: Mit 23 230 Unternehmen rutschten so wenige in die Pleite wie noch nie seit 1999. Und: Gegenüber dem bisherigen Höchststand (2003/39 470 Fälle) habe sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um rund 41 Prozent verringert. Mit 225 000 Arbeitnehmern waren auch deutlich weniger Menschen (minus 14,8 Prozent) von der Insolvenz des Arbeitgebers betroffen als 2014. (dpa)
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