Senata-Gruppe übernimmt angeschlagenen Sparte Antriebstechnik
Investor kauft ABM Greiffenberger

"Unser Ziel ist es, dass wir keine Banken mehr fragen müssen, wenn wir bei ABM etwas tun möchten." Zitat: Dr. Werner Folger, geschäftsführender Gesellschafter der Senata-Gruppe
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Bayern
13.08.2016
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Die Senata-Gruppe übernimmt die angeschlagene Sparte Antriebstechnik der Greiffenberger AG in Marktredwitz. Sie sucht ein langfristiges Engagement. Auch ein weiterer Teilbereich steht zum Verkauf.

Marktredwitz. Der seit einiger Zeit in Schieflage geratene Greiffenberger-Konzern verkauft seine auf Antriebstechnik spezialisierte Tochtergesellschaft ABM in Marktredwitz (Kreis Wunsiedel). Das kündigte das Unternehmen am Freitag in einer Mitteilung an. Mit dem Verkauf ihrer größten Sparte - ABM hat bisher zu über 60 Prozent zum Konzernumsatz beigetragen - möchte Greiffenberger demzufolge die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit aller Gruppengesellschaften legen.

Käufer ist die in Freising ansässige Senata-Gruppe, die bereits im Bereich Automotive sowie in der Metall- und Kunststoffverarbeitung mit dreizehn Tochtergesellschaften engagiert ist. "Wir haben mit mehreren Investoren gesprochen und Senata hat am Ende den Zuschlag erhalten", erklärt der Vorstandsvorsitzende der Greiffenberger AG, Marco Freiherr von Maltzan auf Nachfrage unserer Zeitung. "Es war uns wichtig, ein Unternehmen zu gewinnen, das einen strategischen Bezug zu ABM hat."

Senata-Tochter in Weiden


Diese Auffassung teilt auch die Senata-Gruppe. "ABM ist von uns für Interesse, weil es sich gut in unser Unternehmen einfügt", sagt Katja Hedtke, Unternehmensbevollmächtige Senatas. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet die 1989 gegründete Senata-Gruppe mit etwa 1500 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 300 Millionen Euro. Werke der Tochtergesellschaften gibt es unter anderem in Weiden und im sächsischen Oelsnitz.

"Wir wollen Synergieeffekte mit unseren anderen Betrieben nutzen", sagt Dr. Werner Folger, geschäftsführender Gesellschafter der Senata-Gruppe. Unter anderem könne er sich eine Zusammenarbeit von ABM mit den Werken in Oberstaufen und Landshut vorstellen. "Diese arbeiten ebenfalls im zerspanenden Metallbereich", sagt Folger.

Folger: Guter Eindruck


Einen ersten Überblick über die ABM-Werke in Lublin in Polen sowie in Marktredwitz hat der Senata-Chef bereits bekommen. "Wir waren zwei Tage vor Ort und haben einen sehr guten Eindruck erhalten", schildert Folger. "Die Firma hat sehr viel Know-how und das möchten wir auch Nutzen." Auch die Produktion in Marktredwitz habe bei ihm einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

"Die Übernahme von ABM Greiffenberger ist kein temporäreres Investment, sondern langfristig angelegt", sagt Folger. Als Gegenleistung übernimmt Senata die Verbindlichkeiten von ABM sowie die Restrukturierungskosten. "Wir werden die Kredite mit Mitteln der Senata ablösen", stellt der Allein-Gesellschafter der Senata GmbH in Aussicht. "Unser Ziel ist es, dass wir keine Banken mehr fragen müssen, wenn wir bei ABM etwas tun möchten."

Mit der Übernahme der Antriebstechnik-Sparte ist im Greiffenberger-Konzern noch nicht das Ende der Umstrukturierung erreicht. ABM scheidet vollständig aus dem Konzern aus, heißt es in der Mitteilung. Kurzum: Greiffenberger hat von den Gewinnen, die ABM in Zukunft wieder erwirtschaften soll, nichts.

Schon Ende September soll die Übernahme in trockenen Tüchern sein, schreibt Greiffenberger. Damit kann "die für die laufende Sanierung der Greiffenberger-Gruppe benötigte zusätzliche Liquidität aufgebracht und die mittelfristige Finanzierung ... abgesichert werden." Der Konzern war 2015 tief in die roten Zahlen gerutscht. Vor allem der Teilbereich Antriebstechnik fuhr große Verluste ein. Hier musste der Mutterkonzern in seiner letztjährigen Bilanz Wertberichtigungen über 14,5 Millionen Euro ausweisen. Insgesamt lag das Minus 2015 bei 25,7 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote verringerte sich binnen eines Jahres von 24 Prozent auf gerade einmal 6,7 Prozent. Schon im Frühsommer hatte von Maltzan deshalb angekündigt, einen Investor für ABM zu suchen. Laut "SZ" hatte er von den Gläubigerbanken eine Frist eingeräumt bekommen, um seinen Sanierungsplan umzusetzen. Dieses Szenario scheint nun abgewendet worden zu sein. "Bis Ende Oktober hatten die Banken uns die Tilgung gestundet", erklärt er. "Deshalb hat schon ein gewisser Zeitdruck geherrscht." Mit der Übernahme durch Senata stehe die Finanzierung nun auf einer gesicherten Basis. "Wir sind heute einen Schritt weiter", sagt von Maltzan.

Nach dem Verkauf wird Greiffenberger nur noch aus zwei Tochtergesellschaften bestehen: der Firma Eberle in Augsburg, die auf die Fertigung von Metallbandsägeblättern und Präzisionsbandstahl spezialisiert ist, und der BKP Berolina Polyestergesellschaft (Technologien für Kanalsanierungen) in Velten. Mittelfristig soll laut Konzernmitteilung jedoch auch BKP den Eigentümer wechseln.

Stellenabbau offen


Bei der Restrukturierung hatte von Maltzan auch angekündigt, 120 Mitarbeiter am Standort Marktredwitz zu entlassen. "Dazu kann ich derzeit noch nichts sagen", bittet der zukünftige Eigentümer von ABM Greiffenberger, Werner Folger, um Geduld. "Ich treffe mich erst in der kommenden Woche mit dem Betriebsratsvorsitzenden."

Unser Ziel ist es, dass wir keine Banken mehr fragen müssen, wenn wir bei ABM etwas tun möchten.Dr. Werner Folger, geschäftsführender Gesellschafter der Senata-Gruppe
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