Siemens präsentiert sich als Baustelle

Siemens muss auf Vordermann gebracht werden: Das Energiegeschäft schwächelt, ebenso die Sparte Medizintechnik. Vorstandschef Joe Kaeser will den Konzern mit einem radikalen Umbau wieder auf Trab bringen. Bild: dpa
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Bayern
28.01.2015
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Nach einem schlechten Start ins Geschäftsjahr hat Siemens-Chef Kaeser viel Arbeit vor sich. Vor allem das Energiegeschäft muss wieder auf Kurs gebracht werden. Und wann sich die Milliarden-Übernahme in den USA für Siemens auszahlt, bleibt abzuwarten.

Ein Gewinneinbruch zum Start ins Geschäftsjahr hat die Siemens-Aktionäre zur Hauptversammlung aufgeschreckt. Konzernchef Joe Kaeser musste den Anlegern am Dienstag über anhaltende Probleme im Energiegeschäft und nun auch in der Medizintechnik berichten. Auch die Milliarden-Übernahme des US-Industriezulieferers Dresser-Rand gilt wegen des Ölpreisverfalls derzeit nicht als Glücksgriff.

Medizintechnik-Chef geht

Unterm Strich verdiente Siemens im Quartal Oktober, November und Dezember knapp 1,1 Milliarden Euro und damit ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Siemens begründete den Einbruch unter anderem mit Zinseffekten. Der Auftragseingang blieb um 13 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück, der einen milliardenschweren Auftrag aus Saudi-Arabien enthalten hatte. Der Umsatz legte im ersten Quartal um drei Prozent auf 17,4 Milliarden Euro zu.

In den einzelnen Geschäftsfeldern lief es sehr unterschiedlich: Während die Sparten Digitale Fabrik, Energiemanagement und Mobilität zulegen konnten, blieb das Geschäft mit Stromerzeugung und Gasturbinen sowie die Medizintechnik hinter dem Vorjahr zurück. Sowohl Medizintechnik-Chef Hermann Requardt, als auch Power-&-Gas-Chef Roland Fischer räumen ihre Posten. Künftig stehe Requardt dem Unternehmen beratend zur Verfügung, wurde weiter mitgeteilt. Geführt wird das Geschäft künftig von Bernd Montag.

Neu in den Vorstand rückt die bisher für Personalstrategie zuständige Janina Kugel auf. Sie übernimmt das Personal-Ressort von Siegfried Russwurm und wird neue Arbeitsdirektorin von Siemens. Russwurm behält im Vorstand die Regionalzuständigkeit für den Nahen und Mittleren Osten und die GUS-Staaten und bleibt auch Chief Technology Officer. Zusätzlich sei er Partner auf Vorstandsebene für das Management des eigenständig geführten Healthcare-Geschäfts, hieß es.

Gespräche nächste Woche

Die Ziele für das laufende Jahr bekräftigte Kaeser. Der Gewinn soll um mindestens 15 Prozent zulegen - auch weil der Verkauf der Sparten für Haushaltsgeräte und Hörgeräte rund drei Milliarden Euro einbringen soll. Kaeser will Siemens mit einem Umbau wieder auf Trab bringen. Über die Folgen für die Jobs würden Siemens-Führung und Arbeitnehmervertreter am 4. und 5. Februar beraten, teilte Kaeser mit. Danach würden die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit informiert. Der Konzernumbau geht aber vielen Anlegern zu langsam. Siemens sei hinter die Wettbewerber zurückgefallen und habe auch die Technologie- und Innovationsführerschaft in weiten Teilen verloren, kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment.
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