Sterben auf Raten

Wirtschaft BY
Bayern
29.07.2015
24
0

Einst war Weltbild das unternehmerische Flaggschiff der katholischen Kirche. Das ist lange her. Nach der Pleite des Konzerns 2014 wurde Weltbild geschrumpft und teils zerschlagen - Insolvenzmanager haben allerdings dennoch im Umfeld noch gut zu tun.

Vor einem Jahr jubelten die Weltbild-Mitarbeiter noch über das Düsseldorfer Familienunternehmen Droege, das nach der Pleite des Augsburger Kirchenkonzerns die Mehrheit übernahm. Das sieht inzwischen ganz anders aus. Mitarbeiter und die Gewerkschaft werfen Droege nun vor, den Medienhändler kaputtzusparen.

450 Mitarbeiter betroffen

Am Dienstag kam nun die nächste Hiobsbotschaft: Droeges Schweizer Dienstleistungstochter Also, die nach der Insolvenz die Weltbild-Logistik übernommen hatte, dreht den Geldhahn zu. Der Also-Konzern habe entschieden, bei der Augsburger Tochter "die weitere Finanzierung des laufenden Geschäftes einzustellen".

Im ersten Halbjahr habe die Tochter vier Millionen Euro Verlust gemacht, hieß es. Folge: Die Also Logistics Services GmbH will nun ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen und sich sanieren. Rund 450 Mitarbeiter, nahezu die Hälfte der verbliebenen ehemaligen Weltbild-Belegschaft in Augsburg, bangen nun wieder um ihre Jobs. "Wir sind in der selben Situation wie letztes Jahr", meinte Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck. "Die Mitarbeiter zahlen jetzt die Zeche für Droeges Kurs des Nicht-Umsatz-machen-Wollens." Das Problem bei dem Logistiker sei, dass es nicht gelungen sei, neben dem Paketversand für Weltbild weiteres Drittgeschäft reinzuholen.

Weltbild war einst das unternehmerische Flaggschiff der katholischen Kirche in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen als christlicher Magazin- und Buchverlag gegründet. Ab den 1970ern entstand daraus ein Katalog-Versand für Bücher. Es folgte die Eröffnung von Filialen und die Expansion. Doch im Internetzeitalter konnte sich Weltbild nie richtig behaupten. Anfang 2014 schlitterte das Mutterhaus in die Pleite. Seitdem verloren schon zahlreiche Mitarbeiter ihre Jobs, Buchhandlungen wurden geschlossen oder verkauft. Ergebnis: Weltbild schrumpfte ein ums andere Mal.

"Lesensart" ebenfalls pleite

Zuletzt verhandelte der Betriebsrat wieder mit den Chefs der jetzigen Weltbild-Gesellschaft und dem Logistiker Also über neuen Stellenabbau. Da es keine Verständigung gab, richtete das Arbeitsgericht eine sogenannte Einigungsstelle für beide Firmen ein. Dort stehen weitere 60 Jobs bei Weltbild sowie 150 bei Also im Feuer. Erst zum Jahresanfang hatte Weltbild 67 nicht lukrative Läden an einen in der Branche fast völlig unbekannten Investor verkauft, der die Weltbild-Läden als Buchhandelskette "Lesensart" weiterführen wollte. Die Bruchlandung folgte für das Unternehmen aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen vergangene Woche: Auch "Lesensart" ist pleite und nun ein Fall für das Insolvenzgericht.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.