Tschechen und Sachsen setzen Metallbetriebe in Bayern unter Druck
Klage über Lohngefälle

Alfred Gaffal, Präsident der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände. Bild: dpa
Wirtschaft BY
Bayern
17.08.2015
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Die bayerische Metall- und Elektroindustrie steht wegen der deutlich geringeren Löhne in Tschechien und Sachsen unter Druck. Eine selbst in Auftrag gegebene Studie habe ergeben, dass die Arbeitskosten in Tschechien nur bei 20 Prozent des bayerischen Niveaus lägen, das sächsische Lohnniveau werde in Bayern um mehr als 50 Prozent überschritten, sagte der Präsident der Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände, Alfred Gaffal in München. "Die Kostennachteile müssen die heimischen Unternehmen durch eine höhere Produktivität ausgleichen." In den vergangenen Jahre sei hier ein Wachstum jedoch nahezu ausgeblieben. Der Umsatz je Beschäftigtem lag in Bayern 2012 nur um zwei Prozent über dem Niveau von 2007, in Tschechien wuchs er im selben Zeitraum um 32 Prozent.

Die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sinke, eine solche Entwicklung könne auf Dauer nicht gut gehen, betonte Gaffal. Er forderte eine moderate Lohnpolitik, akzeptable Tarifverträge und passende Weichenstellungen in der Politik. Auch dürften flexible Elemente wie Zeitarbeit oder Werk- und Dienstverträge, anders als geplant, nicht weiter eingeschränkt werden.

Mit mehr als 800 000 Beschäftigten ist die Metall- und Elektroindustrie, zu der auch der Maschinenbau und die Automobilindustrie gehören, der wichtigste Industriezweig in Bayern. Nach Angaben der Arbeitgeber verdienen die Beschäftigten im Freistaat im Jahr durchschnittlich gut 51 000 Euro, in Sachsen etwa 33 334 Euro, in Tschechien 12 695 Euro.

Bürokratie belastet

Auch der Mindestlohn macht der Branche zu schaffen. Nach einer Umfrage habe er für 70 Prozent der Betriebe zu Mehraufwand geführt. Verbands-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt sagte: "Der Mindestlohn hat eine Bürokratie-Lawine ausgelöst", seine Einführung "war falsch". Wegen des gesetzlichen Mindestlohns böten 16 Prozent der Unternehmen keine freiwilligen Praktika für junge Menschen mehr an.
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