Unfallursache Ablenkung

Bordcomputer, Navi und Musikanlage: Moderne Autos bieten oft eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten. Doch für die Fahrer bedeutet dies auch eine Ablenkung - und damit auch eine Gefahr für den Straßenverkehr. Archivbild: dpa
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Bayern
10.01.2015
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Autos kommen auch tagsüber bei guter Sicht von der Straße ab oder krachen in das Ende von Staus. Als Unfallursache steht oft überhöhte Geschwindigkeit im Bericht. Experten sehen aber ein ganz anderes Risiko.

Der Stolz vieler Autobesitzer gilt nicht nur Motor, Lack oder Öko-Bilanz. In der Mitte des Armaturenbretts schillert selbst bei Mittelklassewagen das auffällige Multifunktions-Display des Bordcomputers - für manche Fahrer ein neues Statussymbol. Die mitunter ebenso eindrucksvolle Stereoanlage prangt darunter. Die moderne Technik ist jedoch nicht ungefährlich.

Zu groß sind die Ablenkungspotenziale von Bordcomputer samt Navi und Musikanlage auch während der Fahrt. Ergänzt wird alles durch die Verlockungen des Smartphones. Autofahrer können sich aber wie andere Menschen auch aber nur auf einige Wahrnehmungen und Handlungen gleichzeitig konzentrieren. "Mit Sicherheit ist der Mensch nicht geschaffen, so viele Dinge gleichzeitig zu bewältigen", sagt der Leiter der ADAC-Unfallforschung, Thomas Unger. "Dafür sind wir nicht gemacht." Die Ablenkung der Autofahrer sei in den vergangenen Jahren immer vielfältiger geworden. "Viele Autofahrer sehen das Fahren nur noch als Nebensache an", beschreibt Unger das Problem.

Dabei gehe es nicht um die Handys. "In Wirklichkeit ist das ein viel größeres Feld mit weiteren Faktoren." Einerseits verhindern moderne Technologien wie Abstandsradar, Spurhalte-Assistenzen, ESP und computergesteuerte Airbags Unfälle oder mindern deren Folgen. Gleichzeitig bereitet die Weiterentwicklung der Informationselektronik den Experten Kummer.

Blick auf das Display

Früher stellte nur man Radio und Heizung ein. Nun werben die Autohersteller mit zahllosen Funktionen. Moderne Bordcomputer bieten neben der farbigen 3-D-Ansicht der Strecke auch Durchschnittsgeschwindigkeit, Reichweite, Fahrtzeit, Ankunftszeit, Benzinverbrauch, Tankfüllung, Reifendruck, Batteriestand, Außentemperatur, Eiswarnungen, Tempolimits, die Einstellung des Tempomaten und Warnsignale, wenn der Fahrer die Spur verlässt.

Bedient werden die Computer über Lenkradtasten oder einen Multifunktions-Drehknopf. Zur Auswahl der Funktion muss der Fahrer immer wieder das Display in den Blick nehmen. Der ADAC schrieb zu den Navigationssystemen und Musikanlagen mehrerer Autokonzerne, nötig sei eine intensive Eingewöhnung. "Bis das gewünschte Ziel eingeben ist, kann unter Umständen viel Zeit vergehen." Tatsächlich brauchten Teilnehmer eines ADAC-Tests 4 Sekunden, um den Tempomat einzustellen, 6 Sekunden, um im Bordcomputer die verbleibende Reichweite zu finden und 15 Sekunden für die Suche nach einer Radiofrequenz.

Wer bei 50 Stundenkilometern nur zwei Sekunden auf ein Display sieht, fährt währenddessen knapp 30 Meter weit. Auf der Autobahn bei Tempo 130 sind es fast 75 Meter ohne direkte Sicht auf die Straße. Bremst der Vordermann scharf, ist es oft zu spät.

Telefonieren, SMS-Lesen

Auch nach einer Studie der Allianz Versicherung vor einigen Jahren nahm die Ablenkung während der Fahrt immer weiter zu. Fast die Hälfte der Autofahrer telefonierte ab und zu, auch SMS werden häufig gelesen. Und 54 Prozent der Befragten gaben zu, das Ziel im Navigationssystem auch während des Fahrens einzustellen. Taxifahrer sehen beim Warten gerne Fernsehen auf Notebooks oder Tablets. Nicht jeder schaltet den Bildschirm beim Losfahren ab. Und Lkw-Fahrer sind inzwischen berüchtigt für das Multimediaspektakel in den Kabinen. Fahrer telefonieren oder chatten, nebenbei laufen Filme auf dem Laptop und die Kaffeemaschine gluckert.

Häufig werde die Ablenkung gar nicht als Unfallursache erkannt, sagt der ADAC-Experte Unger. "Die Fahrer geben das nicht zu und die Polizei trägt überhöhte Geschwindigkeit in den Bericht ein." Das Problem werde durch die hohe Dunkelziffer unterschätzt.

Entwicklung steuern

Unger sieht Fahrer und Hersteller in der Pflicht. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit könnten das Navigationssystem oder der Bordcomputer die Bedienfunktionen einschränken, schlägt er vor. Für die Zukunft erwartet Unger eine noch weitere Verbreitung der Bordcomputer. "Wir sind da noch am Anfang. Aber jetzt müssen wir schauen, dass wir in den Sicherheitsfragen auf den richtigen Weg kommen und die Entwicklung nicht in die falsche Richtung geht."
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