Unternehmenskultur
Die Feelgood-Managerin kümmert sich um Mitarbeiter

Eva Muhr hält im Büro der Firma Adnymics in München den Wohlfühlfaktor hoch. Die 54-jährige Feelgood-Managerin kümmert sich um frisches Obst, erzählt Münchener Geschichten und steht den Mitarbeitern als ständige Ansprechpartnerin zur Verfügung. Bild: dpa
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Bayern
28.12.2015
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Sie dekoriert, sie kocht, sie hört zu: Als Feelgood-Managerin sorgt Eva Muhr in einem Münchener Start-up-Unternehmen dafür, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Für Experten hat das Konzept Zukunft.

München. Kürzlich erst hat Eva Muhr Quiche für alle zubereitet, mit Birnen und Kürbis. Dieses Mal riecht es nach Hühnchen und Kartoffeln, auf einem Beistelltisch liegen frische Tomaten. Die einst kargen Bürowände zieren geschmückte Äste.

"Ab sofort suchen wir auf Minijobbasis eine/n Feelgood-Manager (m/w)", hieß es in einer Stellenanzeige des Münchener Start-ups Adnymics vor einem Monat. "Wir wollen die Wohlfühlatmosphäre in unserem Unternehmen ausbauen und unseren Horizont erweitern", sagt die Firmensprecherin Cathrin Grolig (28).

Farbe in die grauen Räume


Das junge Unternehmen ist spezialisiert auf die Erstellung von personalisierten, individualisierten Paketbeilagen. Mit Kaffeeecke, Sofas und Tischkicker sorgte die Firma schon früher für ein angenehmes Arbeiten. Nun ging sie einen Schritt weiter. Unter 25 Bewerbern fiel die Wahl auf Eva Muhr (54). Zweimal pro Woche kauft sie seither ein, kocht für die gesamte Belegschaft, bringt Farbe in die grauen Räume der Firma - oder hört ihren Kollegen einfach nur zu.

"Das ist genau das, was ich gerne mache: Ich tobe mich gerne in der Küche aus - und ich tobe mich gerne kreativ aus, mit Basteleien und Verschönerungen", sagt Muhr, die zwei Söhne (22 und 25) hat. "Und ich mag es, mich um Leute zu kümmern." Die studierte Landschaftsplanerin arbeitete in einem Obst- und Gemüsegeschäft, dann suchte sie eine neue Herausforderung.

In ihrem Team kam die Wohlfühlbeauftragte sofort gut an. Benjamin Gosse aus dem Vertrieb bezeichnet sie als wichtigen Baustein. "Weil du dich nicht mehr kümmern musst: Muss die Küche saubergemacht werden? Oder: Geht die Milch wieder aus?" Auch andere Firmen haben längst erkannt, wie wichtig zufriedene Beschäftigte sind. Der Internet-Dienstleister Jimdo begründet seinen Einsatz von Feelgood-Managern damit, dass man keine ausgelaugten Mitarbeiter wolle, sondern solche, die Lust auf ihre Aufgaben haben. Monika Kraus-Wildegger vom Online-Portal Goodplace nennt den Feelgood-Manager sogar eine "betriebswirtschaftliche Notwendigkeit".

Wohlfühlen ist echte Arbeit


Die Spezialisten für Unternehmenskultur sollen für "beste Rahmenbedingungen" sorgen. Davon profitiert die Firma. "Das ist echte Arbeit", sagt Kraus-Wildegger. Der Feelgood-Manager sei eine "urdeutsche Eigenentwicklung" - auch wenn es in den USA eine ähnliche Idee gibt: "In immer mehr großen Unternehmen sorgen Chief Happiness Officer für das Wohl der Mitarbeiter." Während hierzulande der Fokus darauf liege, dass sich die Beschäftigten in ihrer Arbeitszeit wohlfühlen, gehe es in den USA darum, dass die Mitarbeiter Überstunden machen und freiwillig auf Privatleben verzichten.

Deutschlandweit gebe es bis zu 100 Menschen mit dem ungewöhnlichen Berufsprofil, zwei Drittel davon Frauen. Bei Adnymics macht sich der Einsatz der Wohlfühlmanagerin schon bemerkbar. "Ich habe kein Problem damit, viele Stunden hier zu sein", sagt Gosse. "Das ist sicherlich auch ein Verdienst von der Evi."
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