Unternehmer mit 19 Jahren
Trockenfrüchte helfen

Franz Purucker gründete in Indonesion das soziale Projekt Laros.
Wirtschaft BY
Bayern
02.06.2016
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Zwei Damen helfen Franz Purucker bei der Produktion seiner Trockenfrüchte. Bilder: Scherm (2)

Franz Purucker ging nach der Schule für ein Jahr nach Indonesien, wo es ihn in ein kleines Dorf auf der Insel Java verschlug. Dort gründete der heute 19-Jährige mit Einheimischen das soziale Unternehmen "Laros", das Trockenfrüchte produziert und verkauft. Im Internet sammelte er Kapital dafür.

Bayreuth. Franz Purucker entschied sich nach seinem Abitur am Gymnasium Christian-Ernestinum vor einem Jahr einen einjährigen Freiwilligendienst in Indonesien zu leisten. Wie er ausgerechnet nach Indonesien kam, ist schnell erklärt: "Ich wollte ein Land mit einer Kultur kennenlernen, die nicht westlich geprägt ist". Ihn interessierten vor allem Länder aus Südamerika und Südostasien, schließlich entschloss er sich für Indonesien. Im August 2015 ging es für ihn aus dem oberfränkischen Bayreuth nach Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens. Das Land hat rund 240 Millionen Einwohner, wovon mehr als die Hälfte auf der Hauptinsel Java lebt, der Rest ist auf mehr als 17 000 Inseln verteilt.

Purucker gab während seines Freiwilligendienstes Kindern Englischunterricht bevor ihm die Idee für Laros kam. Er war als Fan von gesunder Ernährung begeistert von den Früchten der Region und konnte nicht nachvollziehen, warum die Menschen in Jambewangi kaum davon leben können. Die Gründe sind vielschichtig, vor allem führen Schwankungen bei der Ernte und ein instabiler Absatzmarkt zu Nahrungsmittelverschwendung und Preisverfall.

Erfahrungen in diesem Sektor hatte der 19-Jährige keine, dennoch stellte er sich der Herausforderung und begann an dem sozialen Unternehmen zu arbeiten. Sein Projekt Laros verarbeitet Drachen-, Schlangen- und Jackfrüchte zu Trockenfrüchten und schafft damit eine Wertsteigerung der Ernten und gleichzeitig Arbeitsplätze in der Produktion. Verkauft werden die Früchte vor allem in Gourmetmärkten in Jakarta und im Touristenparadies Bali, eine weitere Insel Indonesiens. Der Name Laros bedeutet in der Regionalsprache des Dorfes übrigens "Jugend von Jambewangi".

Unterstützt wird Purucker nicht nur von zwei fleißigen Damen in der Produktion und zwei Teilzeitkräften, die sich unter anderem um den Einkauf kümmern, sondern auch von Anang Setiawan, geboren und aufgewachsen in Jambewangi. Er bringt die nötigen BWL-Kenntnisse in das Projekt ein, denen es Purucker "mangelt", wie er selbst zugibt. Der Deutsche ist als Geschäftsführer hauptsächlich für die Strategieentwicklung und das Marketing zuständig, während sich Anang Setiawan um rechtliche Angelegenheiten und die Verkäufe kümmert.

Er wird auch die Leitung des Unternehmens übernehmen, wenn Purucker im August nach Deutschland zurückkehrt. "Mir ist die Nachhaltigkeit sehr wichtig, da es viele soziale Unternehmen in Entwicklungsländern gibt, die von westlichen Helfern gegründet werden und nach deren Abreise wieder eingehen", erklärt Purucker.

4000 Euro Kapital sind nötig, um Laros nachhaltig zu finanzieren. Daher hat Purucker das Projekt auf der Crowdfunding-Plattform "Startnext" angemeldet. Crowdfunding ist eine innovative Finanzierungsmethode, die es angehenden Unternehmern ermöglicht, ihre Ideen im Internet zu präsentieren und Leute zu finden, die diese Ideen unterstützen wollen. Unterstützer erhalten im Gegenzug für ihren finanziellen Beitrag ein kleines Geschenk, wie zum Beispiel Produktproben. So hat Purucker es geschafft, innerhalb von nur zehn Tagen mehr als 100 Prozent des Finanzierungsziels zu erreichen. Doch damit nicht genug: Sollten bis zum 3. Juni eine Überfinanzierung von 200 Prozent oder mehr erreicht werden, wird ein weiteres Dorf in die Produktion eingebunden.

Allen, die ebenfalls über ein Auslandsjahr nachdenken, rät er: "Informiert euch. Es gibt eine Fülle an Angeboten, davon sagt euch bestimmt eines zu. Unsere Heimat ist nett, aber das ist sie nach einem Auslandsaufenthalt immer noch." Getreu diesem Motto geht es für ihn sofort weiter, zuerst mit einem Finanzpraktikum in Singapur und anschließend mit dem BWL-Studium in der Schweiz.
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