Volks- und Raiffeisenbanken stellen Filialnetz auf Pprüfstand
Internet und Besuche von Beratern

Jürgen Gros. Bild: hfz
Wirtschaft BY
Bayern
17.12.2015
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Wie bei anderen Banken auch, steht bei den Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat das Filialnetz auf dem Prüfstand. Grund ist der Kostendruck, unter dem die Institute stehen, sowie das geänderte Kundenverhalten.

München. Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken (VR) wollen ihre Filial-Struktur den geänderten Kundenbedürfnissen anpassen. Das kündigte der neue Vorstand des Genossenschaftsverbandes, Jürgen Gros, im Gespräch mit dieser Zeitung an. "Kundennähe ist heute anders als früher, sie drückt sich nicht mehr nur in vielen ortsnahen Filialen aus", sagte Gros. Als wichtigste Kriterien für Kundennähe nannte er Qualität, Kompetenz und Erreichbarkeit. Deshalb wolle man Dienstleistungen und Angebote ausbauen, den Internet-Auftritt der VR-Banken weiter stärken und die Beratung unabhängiger von festen Geschäftsstellen machen. Der Kunde müsse nicht immer in die Filiale kommen, häufig besuchten Berater auch die Kunden.

Derzeit 2922 Filialen


"Unser Geschäftsmodell ist und bleibt regional", betonte Gros. Im Klartext bedeute dies, dass die VR-Banken weiter flächendeckend im Land vertreten seien, aber nicht alle der momentan 2922 Filialen erhalten würden. Ziel sei es, die Kompetenzen an weniger Standorten zu bündeln, erklärte Gros. Die konkreten Entscheidungen würden von den Instituten vor Ort getroffen. Um die Bargeldversorgung überall in Bayern zu gewährleisten, wolle man die Geldautomaten auch im Falle der Schließung einer Filiale am Ort lassen. Möglicherweise werde aber der Standort geändert. Örtliche Analysen sollen ergeben, an welchen Standorten mit dem größten Kundenverkehr zu rechnen sei. Als Beispiele nannte Gros Dorfläden und Einkaufszentren.

Trotz der Niedrigzinsphase zeigte sich Gros mit der Entwicklung bei den Banken zufrieden. "Wir schaffen es zu wachsen", sagte er. Sowohl bei den Spareinlagen wie bei der Kreditvergabe würden die Institute heuer mit einem leichten Plus abschließen. Gros führte dies auf die Kundennähe und das Vertrauen in die genossenschaftlichen Strukturen zurück. Mit dem Wachstum gelinge es, die aus dem niedrigen Zinsniveau resultierenden rückläufigen Margen zum Teil auszugleichen. Vor diesem Hintergrund wollten die VR-Banken bestehende Wachstumspotenziale bei Firmenkunden und als "Rundum-Anbieter" für Finanzdienstleistungen ausnutzen. Allerdings werde man weiter auf die Kosten achten müssen.

Kritik an EU-Plänen


Heftige Kritik übte Gros an den Plänen der EU-Kommission zur Einführung eines europäischen Einlagensicherungsfonds. Dieser hätte zur Folge, dass auch bayerische Sparer für die Einlagen in südeuropäischen Krisenbanken haften müssten. "Letztlich bedeutet das einen gigantischen Finanztransfer von Banken, die ordentlich vorgesorgt haben, zu denen, die Probleme haben", warnte Gros. Dies komme einer Enteignung deutscher Banken gleich. Deren Kosten würden steigen, was letztlich auch die Kunden zu spüren bekämen.

Zur PersonJürgen Gros (46) rückte am 1. August in den Vorstand des Genossenschaftsverbandes nach, nachdem sein Vorgänger, der aus Kemnath stammende Stephan Götzl, wegen Untreuevorwürfen den Posten geräumt hatte. Gros war seit 2005 als Bereichsdirektor Vorstandsstab und Kommunikation sowie seit 2014 als Generalbevollmächtigter für den Verband tätig. Seine berufliche Laufbahn begann der in Bingen am Rhein geborene promovierte Politologe am Centrum für angewandte Politikforschung der Universität München. Später war er im Pressestab der CSU und des Verbandes der bayerischen Metall- und Elektroindustrie tätig. (jum)
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