Vorsicht beim Vergleich

Das Landgericht München nimmt Vergleichsportale wie "Check24" nun genauer unter die Lupe. Bild: dpa
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Bayern
23.09.2015
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Millionen Verbraucher vertrauen bei der Suche nach dem billigsten Anbieter von Versicherungen oder Strom auf Vergleichsportale im Internet. Verbraucherschützer warnen vor zu viel Gutgläubigkeit: Gemeinnützige Einrichtungen sind die Portale nicht.

Welche Versicherung ist am günstigsten? Wer liefert den preiswertesten Strom? Wo gibt es die billigste Reise nach Mallorca? Vergleichsportale im Internet wie Check24, Verivox oder Toptarif liefern auf diese Fragen innerhalb von Sekunden eine Antwort und spucken eine Liste der Anbieter aus - der Billigste macht das Rennen. Millionen Verbraucher verlassen sich auf die Empfehlungen, um Geld zu sparen. Verbraucherschützer warnen jedoch - denn viele Portale kassieren bei Vertragsabschluss mit. Das Landgericht München nimmt diese Praxis unter die Lupe.

Warum beschäftigen sich Richter mit Vergleichsportalen?

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskauflaute hat eine Klage gegen Check24 eingereicht, weil er dem Internetportal Irreführung vorwirft: Check24 tarne sich zwar als Preisvergleichsportal - kassiere aber genau wie ein Makler Provisionen, wenn ein Kunde einen Vertrag abschließt. Auf den ersten Blick könnten Kunden dies jedoch nicht erkennen. Mit der Klage strebt der Verband einen Musterprozess an, der auch Auswirkungen auf andere Portale haben könnte. Nun hat Check24 die Gelegenheit für eine schriftliche Stellungnahme - danach kommt es zum Prozess. Ein Termin steht noch nicht fest. Check24 wollte sich nicht dazu äußern.

Von wem kassieren die Vergleichsportale Geld?

Viele Kunden machen sich gar keine Gedanken darüber, wie die Vergleichsportale funktionieren. "Viele denken sogar, die Portale würden von Verbraucherschützern betrieben, die den Kunden einfach nur das Beste bieten wollen", sagt Bianca Boss vom Bundesverband der Versicherten. "Aber das sind Wirtschaftsunternehmen, die Geld verdienen wollen." Normalerweise haben die Portale Verträge mit den Versicherern oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. "Sie bekommen teilweise erhebliche Provisionen", sagt Askan Deutsch, Experte für Wettbewerbsrecht der Kanzlei FPS. Ob die Auswahl der angebotenen Produkte von Provisionen abhängig ist, sei kaum nachvollziehbar.

Welche Regeln gelten für Anbieter?

Der rechtliche Rahmen für die Anbieter wird immer wieder präzisiert, um die neuen, digitalen Geschäftsmodelle zu erfassen. "Das ist ein Fass ohne Boden", sagt Deutsch. Strittig ist dabei immer, welche Informationen die Anbieter dem Verbraucher liefern müssen, wie die Endpreise ausgewiesen werden müssen oder ob für Versicherungen ein Beratungsgespräch oder Chat notwendig ist. Verbrauchern rät er deshalb, sich nie auf einen Anbieter zu verlassen, sondern mehrere Portale zu nutzen. Das empfiehlt auch der Bund der Versicherten. "Vergleichen Sie die Vergleichsportale", sagt Boss. Grundsätzlich könnten Kunden davon profitieren.

Welche Rolle spielen die Online-Portale für die Verbraucher?

Die Bedeutung nimmt stetig zu. Vor allem in der Auto-Versicherung machen sie den klassischen Versicherungsvermittlern Konkurrenz: Allein Check24 hat nach eigenen Angaben bei der letzten Wechselrunde rund 750 000 Kfz-Verträge vermittelt. Die Portale hätten den Markt erst transparent gemacht, meint Verivox-Finanzchef Ingo Weber.
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