"Wir sind streikbereit"

Städtische Mitarbeiter aus Arzberg, Bischofsgrün, Waldershof und Marktredwitz traten am Donnerstag in den Warnstreik. Bild: fph
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Bayern
07.04.2016
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Sechs Prozent mehr Lohn und sichere Renten. Das fordert die Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten in Städten und Gemeinden. Zahlreiche Angestellte in Rathäusern und Bauhöfen beteiligten sich am Donnerstag an einem Warnstreik und legten vier Stunden lang die Arbeit nieder.

Marktredwitz/Waldershof. Im Innenhof des Streiklokals in Marktredwitz zeigten sich rund 50 kommunale Angestellte aus Arzberg, Bischofsgrün, Waldershof und Marktredwitz für einen Arbeitskampf gerüstet. Sie standen beisammen, schwenkten Fahnen und manche von ihnen trugen rote Buttons. "Ich bin streikbereit", stand darauf. Verdi hatte die Mitarbeiter städtischer Einrichtungen und Verwaltungen am Donnerstag zu einem Warnstreik aufgerufen. "Unsere Mitglieder sind heiß und wollen zeigen, dass sie bereit für den Arbeitskampf sind", sagte Roland Sommer, Mitglied der Tarifkommission Öffentlicher Dienst Bayern zu Streikbeginn. Grund für den Warnstreik waren die laufenden Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft Verdi fordert laut Pressemitteilung sechs Prozent mehr Lohn, 100 Euro mehr für Auszubildende und eine Übernahmegarantie sowie ein Ende der von Arbeitgeberseite geforderten Eingriffe in die Altersvorsorge der Beschäftigten.

Entschlossen


"Für unsere Forderungen", schreibt Christine Kelpin, die stellvertretende Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Oberfranken-Ost, in ihrem Streikaufruf, "sind wir bereit und gewillt, gemeinsam unsere Entschlossenheit zu zeigen und zu streiken". Mit kleinen "Nadelstichen", wie Roland Sommer den ersten Warnstreik bezeichnete, wollten die Streikenden ein Zeichen nach Potsdam senden. Dort verhandeln die Tarifpartner am kommenden Montag und Dienstag in der zweiten Tarifrunde über die Forderungen beider Seiten. "Sechs Prozent mehr Lohn klingt anfangs nach sehr viel", erklärte Robert Sommer. "Man muss aber auch bedenken, dass es derzeit im Öffentlichen Dienst einen Personalnotstand gibt. Es muss ein Angleich an die freie Wirtschaft her." Dabei haben die Gewerkschafter durchaus Verständnis für ihre Arbeitgeber in den Rathäusern. "Am meisten stört uns, dass die Kommunen in einer Zwickmühle stecken", sagte Josef Schwemmer, der Vorsitzende des DGB-Ortskartells Marktredwitz. "Der Finanzausgleich klappt einfach nicht." Vielleicht, so Schwemmer, ist der Streik auch ein Wink an die große Politik, Kommunen endlich finanziell besser auszustatten. Denn gegen ihre Bürgermeister und Kommunen solle sich der Streit der kommunalen Angestellten keinesfalls richten. "Doch Qualität hat ihren Preis", schlussfolgerte Roland Sommer.

Neben den Forderungen nach mehr Gehalt liegt den Streikführern vor allem der Nachwuchs am Herzen. "Unsere Kommunen sind darauf angewiesen, qualifiziertes Personal zu bekommen", hob Sommer hervor. "Deshalb brauchen wir gut geschulte und qualifizierte Beschäftigte, die auch gerecht bezahlt werden." Nun müssen die Gewerkschafter nach dem ersten Warnstreik die nächste Tarifrunde am Montag abwarten. Sollte die scheitern, haben die Gewerkschafts-Vertreter bereits weitere Ausstände angekündigt. "Dann wird es aber kein Vier-Stunden-Streik mehr sein", warnte Roland Sommer.
Am meisten stört uns, dass die Kommunen in einer Zwickmühle stecken.Josef Schwemmer
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