Wirtschaftsminister Gabriel spricht sich für Bleiberecht aus - Rechtslage verunsichert Betriebe
Flüchtlinge als Handwerker von morgen

Rund 1000 Firmen zeigen bis 17. März auf der Handwerksmesse in München ihre Produkte. Koffer und Taschen aus Holz präsentiert die Südtiroler Firma Embawo. Bild: dpa
Wirtschaft BY
Bayern
12.03.2015
18
0
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich für ein Bleiberecht für Flüchtlinge ausgesprochen, die eine Ausbildung in einem deutschen Handwerksbetrieb abschließen. Es mache keinen Sinn, die jungen Leute gut auszubilden und dann nach Hause zu schicken, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch bei der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München und stellte sich damit hinter eine Forderung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Viele Betriebe würden nach Angaben des Handwerksverbandes (ZDH) gerne Flüchtlinge als Lehrlinge einstellen, schreckten mangels Planungssicherheit aber davor zurück. Die derzeitige Rechtslage ist vielen Firmen zu ungewiss, da sie nicht wissen, ob und wie lange die Flüchtlinge im Land bleiben dürfen. Die Suche nach Auszubildenden gehört zu den größten Problemen des Handwerks.

Im vergangenen Jahr konnten 20 000 Lehrstellen nicht besetzt werden. Ein Grund dafür ist neben einer geringeren Zahl der Schulabgänger auch der Trend zur Akademisierung: Erstmals entschieden sich nach Angaben des ZDH in diesem Ausbildungsjahr mehr Schulabgänger für ein Studium als für eine Ausbildung. Das duale Ausbildungssystem sei existenziell für Deutschland und ein Aushängeschild, um das die Welt das Land beneide, sagte Gabriel. "Wir müssen alles dafür tun, dass das wieder in den Blick der jungen Leute kommt."

Häuptlinge und Indianer

Rund die Hälfte der Auszubildenden im Handwerk hat einen Hauptschulabschluss, ein Drittel einen Realschulabschluss. Chancen gibt es nach Worten von ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer aber auch für Abiturienten. "Wir brauchen die Häuptlinge und die Indianer."

Von der Vielseitigkeit der Ausbildungsberufe im Handwerk können sich die Besucher auf der Handwerksmesse überzeugen, die mit rund 1000 Ausstellern die wichtigste Leistungsschau der Branche ist. Die Auftragslage der Handwerksbetriebe bleibt günstig, weil viele Verbraucher ihr Geld wegen der Mini-Zinsen lieber in ihr Zuhause investieren als es zur Bank zu bringen. Nach einem Umsatzplus von zwei Prozent 2014 erwartet die Branche dieses Jahr 1,5 Prozent mehr Umsatz.
Weitere Beiträge zu den Themen: München (6406)März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.