Zerbrechlicher Markt

Ein Mitarbeiter von Rosenthal in der Porzellanproduktion in Selb (Oberfranken). Das Unternehmen gehört mit Seltmann und BHS Tabletop (inklusive Bauscher) zu den verbliebenen deutschen Marktgrößen. Bild: Rosenthal/dpa
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Bayern
20.04.2015
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Die Porzellanindustrie hat auch in der Oberpfalz Jahrzehnte eines heftigen Strukturwandels hinter sich gebracht. Den verbliebenen großen Spielern am Markt geht es nach dem Aderlass wieder recht gut. Kleinere Manufakturen aber haben derzeit große Probleme.

Die traditionsreiche Porzellanindustrie in Deutschland zeigt sich nach schmerzhaften Jahren gut erholt. Sorgen bereitet jedoch der russische Markt. Der Umsatz mit Geschirr und Zierporzellan stieg dem Verband der Keramischen Industrie zufolge im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 340 Millionen Euro. Manufakturen, die hochwertige und hochpreisige Waren fertigen, mussten allerdings einen Rückgang hinnehmen. Der Handel mit Russland sei eingebrochen: "Hier sehen wir auch in diesem Jahr kein Licht", sagte Verbandshauptgeschäftsführer Christoph René Holler in Selb.

Hoffen auf Freihandel

Man müsse hoffen, dass die politische Lage sich bessere, denn für opulentes Porzellan aus Deutschland sei der komplette eurasische Wirtschaftsraum wichtig. Der Verband befürwortet auch das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA. Wenn die Zollbarrieren fielen, sei das positiv für die heimische Porzellanindustrie und deren Exporte in die USA.

Jahrzehntelang dauerte der Niedergang der Branche, die vor allem im Nordosten Bayerns heimisch ist, an. Überkapazitäten, Billigkonkurrenz aus Fernost und veränderte Ess- und Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher kosteten zahlreiche Arbeitsplätze. Aber die Unternehmen, die überlebt hätten, seien heute stabil und gut aufgestellt, heißt es auch bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Heute gehören in Bayern zu den großen Porzellanherstellern neben den Traditionsunternehmen Seltmann in Weiden und Rosenthal in Selb auch der auf Großgastronomie, Catering und Hotellerie spezialiserte Hersteller BHS Tabletop mit Betriebsstätten in Selb, Schönwald und Weiden (Bauscher).

Sorgen in Tettau

Er beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1100 Mitarbeiter. Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Umsatz 2014 von 91 auf 99 Millionen und seinen Betriebsgewinn (EBIT) von 3,7 auf 4,7 Millionen Euro gesteigert. Aktuell betroffen von den eingebrochenen Märkten in Russland und Südeuropa ist die älteste Porzellanfabrik Bayerns in Tettau im Frankenwald. Die Marke "Königlich Tettau", die vorwiegend Premiumware produziert, gehört zur Seltmann-Gruppe. Dem Standort Tettau steht ein Personalabbau bevor. Details sind noch nicht bekannt.
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