Mit dem Stock übern Stein

Obwohl Gerda Scholz (links) eigentlich an der Spitze der TV-Nordic Walker steht, geht sie gerne auch am Ende der Gruppe, um auf die richtige Technik der Sportler zu achten und sie beim Anstieg zu motivieren. Bild: fz
Lokales
Bechtsrieth
17.01.2015
1
0

Nordic Walking beim Turnverein Bechtsrieth ist kein Sonntagsspaziergang. Schönwetter-Geher hat Gerda Scholz umgepolt. Pseudostöckeschwingern möchte sie diese am liebsten wegnehmen.

Spontan war Gerda Scholz, die Ehefrau des mittlerweile verstorbenen TV-Sportmotors Uli Scholz, 2002 für vier Tage an die Saarschleife gefahren. Dort absolvierte sie an der Internationalen Nordic Walking Association den Lehrgang mit Prüfung zum Nordic-Walking-Instructor. "Jetzt stehe ich damit in Bechtsrieth da. Also packen wir's an", sagte sie danach.

Als erster Verein der nördlichen Oberpfalz bot auf ihre Initiative der TV Nordic Walking an. Als Vorlauf hat sich Gerda eine Reihe Bekannte als Versuchskaninchen ausgewählt. Mit ihnen ging sie im Bayerischen Wald eine Tour. "Ich wollte wissen, wie ich ankomme", stellte sie zwölf Jahre danach fest. Sie ist angekommen und kommt heute noch jede Woche an.

Im November 2002 startete sie den ersten Kurs in Bechtsrieth. Es sind nur Frauen. Stöcke stellt der TV. Akribisch ist Gerda immer noch darauf erpicht, den Teilnehmern die richtige Technik einzubleuen. Es ist eine Bewegungsführung wie beim Skilanglauf. Bei manchen sieht Scholz, wie sie mit ihren Stöcken einfach dahin stapfen. "Denen möchte ich sie am liebsten abnehmen", lacht die Übungsleiterin.

Doch so weit kommt es natürlich nicht. Dafür sorgt sie schon. "Die kriegen ihren Anpfiff, wenn sie schlampig gehen." Es wird zügig marschiert, und man motiviert sich innerhalb der Gruppe bei jedem der beiden Termine. Dienstags und donnerstags sind die Damen zwischen 7 und 9 Kilometer unterwegs.

Anfangs waren es nur Frauen, aber jetzt sind auch Männer dabei. Der älteste ist Josef Gruber mit 76 Jahren. "Ein ganz G'scheiter ist der 'Pichl Horst'", lacht Scholz. Der habe einmal einen Weg vorgegeben, der schön flach sei. Tatsächlich sei man den Fischerberg von unten nach oben angegangen. "Alle waren fertig. Den lass ich nimmer an die Streckenplanung ran. Das ist Chefsache."

Höhepunkte sind die Tagestouren. Ob um den Fichtelsee, die Seenplatte in Schwandorf, den Glasschleiferweg, den Goldsteig oder auch Strecken auf der Silberhütte, die Instructorin ist erfindungsreich für die rund 20 Kilometer langen Routen. Die bisherigen hat sie noch zu Lebzeiten von Ehemann Uli mit ihm per Mountainbike erkundet.

Das Spitzenerlebnis in den zwölf Jahren war das Treffen mit Weltmeister und Olympiasieger Eric Frenzel in Flossenbürg. "Wir haben immer Spaß und reden über Themen - vom Papst bis zum Kochen. Aber über Leute wird nicht getratscht", ist Gerda wichtig. Daraus entstehen dann auch Ideen und Aktionen. So hatte Pichl eine leere Grotte und Rita Meier aus Kaimling eine Madonna, die genau hineinpasst. Eine Scheibe, damit die Madonna nicht gestohlen wird, war schnell besorgt, und so entstand die Mariengrotte an der Lohstraße (wir berichteten).
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.