Pläne für Umbau der Hauptstraße sorgen für Gräben in Bechtsrieth
Angst vor fliegenden Spiegeln

Politik
Bechtsrieth
06.03.2016
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"Wir verbinden Orte und Generationen, sicher und attraktiv" heißt das Motto der Dorferneuerung. Das scheint allerdings schon bei der ersten geplanten Maßnahme zum Scheitern verurteilt zu sein.

Anlieger der Hauptstraße Ost sowie Anwohner der Nebenstraßen füllten den Unterrichtsraum im Feuerwehrhaus in der Infoversammlung zum geplanten Straßenausbau (siehe Kasten). Dabei zeigte sich, dass die Anwohner gegen die Maßnahme votieren und die anderen Bürger sie befürworten.

Schlagabtausch


Meinungen prallten geballt aufeinander. "Wir befürchten, dass die Straße zu eng wird. Zwei Meter Parkstreifen reichen nicht. Da fliegen die Spiegel weg." Im Winter komme ein halber Meter Schnee an der Seite noch dazu. Dann gehe nichts mehr. "Wir brauchen keine Parkbuchten und Bäume." Wer übernehme deren Pflege. "Wenn die Straße so eng ist, dann wird auch auf den Gehsteig gefahren." Diese Ansichten der Anlieger hagelte es gleich zu Anfang. Ein Besucher stellte fest, dass die Straße seit 40 Jahren sicher sei und man sie nun unsicher machen wolle.

Klaus Wirth meinte, dass die Straße weiter vorne noch enger sei. "Da ist bisher alles gut gegangen." Dem hielt Karl-Heinz Buchberger dagegen, dass es sich dort um 20 Meter handle und nicht um die ganze Straße. Beifall gibt es im Saal, als Christian Krug feststellt, dass es die Hauptsache sei, den Schulweg sicher zu machen. Anwohner Josef Gruber fragte, ob man den Gehweg links bauen und den Rest auf Tempo 30 reduzieren könne. "Macht doch mit dem Geld etwas anderes", lautete eine andere Anregung.

Zentrales Thema


Zentraler Aspekt einer Dorferneuerung seien Verkehrsberuhigung und gestalterische Maßnahmen, meinte VG-Geschäftsleiter Dieter Schobert. "Die Hauptstraße ist kein Traumbild. Wenn ihr die außen vor lasst, könnt ihr die Dorferneuerung vergessen."

"Ihr sprecht von Bürgerbeteiligung. Die betroffenen Bürger sind wir und wir wollen das nicht", hält eine Bürgerin Rathauschef Gerhard Scharl vor. Darauf entgegnet Cindy Krug, dass sie bis jetzt nur fadenscheinige Gründe gehört habe. "Sagt halt gleich, dass ihr im Winter den Gehsteig nicht räumen wollt."

Blick zum Nachbarn


Applaus gibt es wieder, als Dr. Reinhold Bücherl aufsteht und von einem sehr gelungenen Konzept spricht. "Ich finde es Klasse, wenn endlich einmal etwas besser wird. Wie wollt ihr junge Familien nach Bechtsrieth kriegen. So nicht. Schaut zwei Kilometer weiter, da ist eine kinderfreundliche Gemeinde", erklärte der Mediziner.

"Wir als Anlieger der Straße sind dagegen, wir wollen das alles nicht und haben alle dagegen unterschrieben", meinte Wolfgang Herrmann. "Warum seid ihr gegen die Sicherheit? Wir verstehen euch nicht", antwortet Stefan Fichtner. Von einer Unterschriftenliste habe er nichts gesehen, stellt Bürgermeister Scharl fest.

Sicherheit und Attraktivität erhöhenBevor die Fetzen flogen, hatte Bürgermeister Gerhard Scharl darauf erläutert, dass die Hauptstraße Ost mit Maßnahmen zur Sicherheit, Geschwindigkeitsreduzierung und Attraktivitätssteigerung das erstes Projekt in der Dorferneuerung sein solle. 16 Bürger hatten in fünf Workshops mit dem Planer ein Konzept erarbeitet.

Die Direktion für ländliche Entwicklung nannte das Konzept gut und förderfähig. 55 Prozent Zuschuss seien zugesagt. "Es ist die einmalige Gelegenheit, etwas zu verändern. Das Beste für die Anwohner ist, dass sie keine Straßenausbaubeträge zahlen müssen." Der Bürgermeister verlas dazu ein Schreiben des Landratsamtes. Die restlichen 45 Prozent der Kosten trage die Gemeinde.

Architekt Hubert Liebl hob heraus, dass bei der Erarbeitung des Konzeptes für die Trägergruppe die Sicherheit an erster Stelle gestanden habe. Erreicht werden soll das mit einem zwei Meter breiten Parkstreifen mit Bäumen in Richtung Ortsausfahrt auf der rechten Seite. Auf der gegenüberliegenden Seite wird ein Gehweg mit 1,20 Meter Breite gebaut. "Die Verengung der Straße trägt dann automatisch zur Geschwindigkeitsreduzierung bei."

Die Straßenbreite variiert derzeit von 8,50 bis 10 Metern. "Geht man auf sechs Meter Fahrbahnbreite, dann müsste man Tempo 30 einführen." Man könne aber auch auf 6,30 Meter gehen. Liebl zeigte Zeichnungen mit Maßen, die verdeutlichten, dass es beim Begegnungsverkehr selbst mit dem Bus keine Probleme gebe. "Man dürfe nicht die Frage stellen, was ist, wenn sich ein Schneepflug und ein Mähdrescher begegnen." (fz)
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