Feuerwehr für Kinder ab 6 Jahren:
Lizenz zum Löschen

Vermischtes
Bechtsrieth
24.09.2016
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Um Nachwuchs zu gewinnen, sollen schon Sechsjährige in Kinderfeuerwehren zulässig sein. Das ist für Ralf Reinold von der Feuerwehr nichts Neues.

Seit zehn Jahren leitet Reinold mit Martin Knorr, Susanne Wirth und Karin Argauer die "Löschis" in Bechtsrieth. Im Landkreis ist die Kinderfeuerwehr einzigartig. Der Vorreiter erklärt, wie Kinderfeuerwehren funktionieren und erzählt von seinen Erfahrungen:

Was hat es mit den "Löschis" auf sich?

Ralf Reinold: Am Anfang stand der Gedanke, den Nachwuchs früher für die Feuerwehr zu begeistern. Matthias Wirth, unser ehemaliger Kommandant, brachte den Stein ins Rollen. Unsere Kinderfeuerwehr, die "Löschis", gibt es jetzt schon seit zehn Jahren.

Wie liefen die Vorbereitungen?

Zunächst haben wir mit Feuerwehr und Eltern besprochen, ob die Gruppe überhaupt ankommt. Es gab großes Interesse. Wir haben die Satzung geändert, damit wir bezüglich der Kinder rechtlich abgesichert sind. Als Betreuer machten wir eine Fortbildung zum Brandschutzerzieher, damit unsere Arbeit kindgerecht ist.

Welche Kinder können mitmachen?

Die Löschis sind zwischen 6 und 10 Jahre alt. Mittlerweile limitierten wir die Gruppe auf 15 Mädchen und Jungen und haben lange Wartelisten. Einige Interessenten melden ihre Kleinen noch vorm Entbindungstermin an. Wir können nur ortsansässige Kinder aufnehmen. Insgesamt müssen wir vier Betreuer sein, um die Gruppe zu bändigen. Wir haben gerade starke Jahrgänge.

Sie kümmern sich nicht allein um die Löschis?

Martin Knorr und ich sind als Brandschutzerzieher ausgebildet, Susanne Wirth und Karin Argauer sind ebenfalls in der Wehr und kümmern sich um erzieherische Dinge. Alles funktioniert nur durch ehrenamtliches Engagement. Für eine zweite Gruppe bräuchte man mehr Ehrenamtliche.

Wie laufen die Gruppenstunden ab?

Einmal im Monat treffen wir uns. Teils nehmen wir theoretisches Wissen durch: Wie verhalte ich mich im Brandfall? Wir lehren Grundregeln zu Erster Hilfe, Notrufnummern oder Verkehrserziehung. Außerdem unternehmen wir Ausflüge etwa zum BRK oder machen eine "Funkparty". Die Löschis haben ein eigenes Löschfahrzeug LF 8/6 mit Elektromotor, mit dem sie Parcours fahren und das Löschen mit Wasser vom Hydranten üben. Spiel und Spaß stehen im Vordergrund. Theorie gehört aber dazu. Und wir merken die Altersunterschiede in der Gruppe wirklich sehr.

Erst ab 12 Jahren können die Kinder in die Jugendfeuerwehr. Wie schließen Sie die Lücke?

Wir haben noch keine Lösung zur Überbrückung von Kinder- zur Jugendfeuerwehr gefunden. Aber von den Löschis sind uns fast keine abhanden gekommen. Fast alle machen nach zweijähriger Pause in der Jugendfeuerwehr weiter. Das Alter für die Gruppe auf 12 Jahre zu erweitern ist schwierig. In den Übungen würden sich die Älteren langweilen.

Lohnt sich der Aufwand?

Für uns hat sich die Kinderfeuerwehr mit Sicherheit rentiert. Gerade für die Kleinen ist die Feuerwehr ein Vorbild. Mitmachen begeistert. Die ersten Kinderfeuerwehrler sind mittlerweile in der aktiven Wehr. Kinderfeuerwehren sind also eine gute Methode, um Nachwuchs zu gewinnen.

KinderfeuerwehrenKreisjugendfeuerwehrwart Bernd Hutzler sieht Kinderfeuerwehren grundsätzlich als gute Möglichkeit für die Nachwuchsgewinnung. Kinder sollen früh für die Feuerwehr begeistert werden, um sie ins aktive Vereinsleben zu integrieren. Allerdings verweist er auch auf den damit verbundenen Aufwand: Die Feuerwehren arbeiten dann nicht mehr mit Jugendlichen, sondern mit Kindern, was sich auf Aufsichtspflicht, Gruppenstunden und Übungen auswirkt. Für Betreuer seien Fortbildungen zum "Brandschutzerzieher" nötig, um speziell mit Kindern arbeiten zu können. Schon beim gesenkten Eintrittsalter für die Jugendfeuerwehr von 14 auf 12 Jahren gab es gravierende Umstellungen, erinnert Hutzler.

"Eine beispielhafte Jugendarbeit. Das Konzept hat sich sehr bewährt", verdeutlicht der Kreisjugendfeuerwehrwart die Jugendarbeit der Bechtsriether Feuerwehr. Viele Kinder und Jugendliche sind so hellauf begeistert und engagieren sich in der aktiven Wehr. (szl)


Einige Interessenten melden ihre Kleinen noch vorm Entbindungstermin an.Ralf Reinold über den Zuspruch zur Kinderfeuerwehr
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