Neueröffnung in Bechtsrieth
Blumenladen schmückt Dorf

Im alten Kolonialwarengeschäft bietet Alexander Köhle (rechts) ab September Floristik und Deko an. Der Besitzer Josef Gruber ist froh über den frischen Wind im Laden und im Dorf. Bild: blu
Vermischtes
Bechtsrieth
05.09.2016
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Autos verringern ihr Tempo, kehren um und fahren nochmal vorbei. Passanten spitzen verstohlen durch die Schaufenster. Der Laden in der Hauptstraße in Bechtsrieth öffnet wieder, nach fast neun Jahren - gegen den Trend des Dorfsterbens.

Ein neu gebauter Supermarkt in Irchenrieth beunruhigt viele Einzelhändler im Umkreis. Immer mehr Tante-Emma-Läden in der Nordoberpfalz müssen schließen. Unbeirrt eröffnet Alexander Köhle einen Laden im Herzen von Bechtsrieth, der fast neun Jahr lang verwaist war.

Einst war das Geschäft in der Hauptstraße 34 ein florierender Dorfladen. 1938 eröffneten die Eltern von Josef Gruber ein sogenanntes Kolonialwarengeschäft, um das sie sich fast 30 Jahre kümmerten. "Bei uns gab es alles", schwärmt Gruber. 1963 heiratete er seine Frau Maria. Die gelernte Einzelhandelskauffrau führte das Geschäft knapp 40 Jahre erfolgreich weiter. Um das Jahr 2000 übernahm Familie Pausch für fünf Jahre. Bis auch sie zu machten. "Das Geschäft lief bis zuletzt sehr gut und war beliebt im Ort. Die Gründe für den Wechsel waren immer gesundheitlich bedingt, nie finanziell", betont Gruber. Nach den Pauschs übernahm die Bäckerei Götz den Lebensmittelladen. Das Konzept mit vier Halbtagskräften rechnete sich aber nicht lange. "So ein Geschäft muss in fester Familienhand sein, sonst läuft es nicht", sagt Ladenbesitzer Gruber.

Danach begann die große Flaute. Fast neun Jahre lang fand sich kein ernsthafter Interessent für die Räume, die alle immer noch den "Gruber-Laden" nennen. "Regale, Kühlregale und sogar die Kassenzeile haben wir so stehen lassen, wie sie waren", erzählt der Bauunternehmer. Ein neuer Pächter hätte quasi nur die Lebensmittel reinstellen müssen.

Händchen für Pflanzen


Dann joggte Alexander Köhle aus Irchenrieth eines Abends an den leeren Räumen vorbei. Nun macht der 33-Jährige aus dem "Gruber-Laden" einen Floristik- und Dekorationsladen. Hauptberuflich arbeitet der Handelsfachwirt in einem Marketingbüro der Porzellanbranche in Floß.

Schon seit langem verdient er als Florist hinzu. Drei Jahre hat er nebenberuflich in einem Blumengeschäft in Vohenstrauß gearbeitet. "Ich hab einfach ein Händchen dafür", erklärt Köhle. Den Job im Blumenladen hat er 2015 aufgegeben, weil das mit seinem Beruf zeitlich schwierig wurde. Seine Leidenschaft konnte der ledige Irchenriether nicht lange ruhen lassen. Im Kleingewerbe übernahm er Aufträge für Hochzeiten, Beerdigungen und Events. Unter seinem Carport verkaufte er an Allerheiligen und im Advent Blumengestecke. "Das lief richtig gut." Nun erfüllt er sich den Traum vom eigenen Laden, neben seinem Job. Dort hat er seine Stunden reduziert. "Mein Arbeitgeber und meine Kollegen stehen voll hinter mir und motivierten mich, das zu versuchen." Würde es nicht klappen, könne er wieder in die Vollzeit zurückkehren - oder Stunden weiter reduzieren, wenn der Laden brummt.

"Ich gehe einen Schritt weiter. Ich traue mich einfach", freut sich Köhle. Der Mietvertrag geht über zwei Jahre. "Ein Jahr muss man dem ganzen schon Zeit geben, bis es anläuft." Miete und Nebenkosten hat er genau durchgerechnet. "Das ist ein Test", sagt er. "Läuft es gut, will ich größer einsteigen."

Keine Konkurrenz


Dass sein Konzept ankommt, davon ist Köhle überzeugt, trotz des neu eröffneten Einkaufszentrums im Nachbarort. "Das ist keine Konkurrenz für mich. Klar gibt es in Supermärkten auch Blumen für wenig Geld. Bei mir gibt es dafür wunderschöne Sträuße. Die kaufen die Leute nicht so schnell wie einen Joghurt. Dafür fahren sie auch weiter", ist er überzeugt. Auch Josef Gruber ist froh, dass der Laden seiner Familie wiederbelebt wird. "Ein kleines Café im Blumenladen wäre schön. Es gibt ja keinen Treffpunkt mehr für die Leute im Ort", empfiehlt der gebürtige Bechtsriether und zwinkert Köhle zu. "Das überlege ich mir. Ich bin für alles offen", antwortet der neue Ladenbetreiber.

Eröffnung"Natura" nennt Alexander Köhle seinen Laden und folgt damit dem Trend zu Naturmaterialien. "Bei mir findet man keine Plastikschleifen." Auch die Räume, in denen er Floristik, Deko und Eventgestaltung anbietet, will er mit viel Holz ausgestalten. Mit einer Feier lädt er am Freitag, 9. September, ab 17 Uhr zur Eröffnung ein. Nachdem ein Pfarrer die Räume gesegnet hat, gibt es ein gemütliches Beisammensein. (blu)


Das ist keine Konkurrenz für mich.Alexander Köhle über den neuen Supermarkt in Irchenrieth
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