Johann Flierl war der erste Missionar in Papua Neuguinea
Der große Sohn des Birglands

Gerda Stollner (links) und Anni Weber beim Gedenkstein, der für den Missionar Johann Flierl in Buchhof aufgestellt worden ist. Außer einer Gedenktafel in Fürnried gibt es bislang weit und breit kein weiteres sichtbares Zeugnis seines Wirkens. Bilder: Sichelstiel (3)
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Birgland
22.04.2016
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Johann Flierl. Bild: tat
 
Der Missionar Johann Flierl (Mitte, mit Bart) mit einer Gruppe Ureinwohner.

Wo liegt eigentlich Papua-Neuguinea? Darüber konnte sich Johann Flierl aus dem Birgland, Jahrgang 1858, nicht einfach mit einem Mausklick informieren. Trotzdem zog es ihn ans andere Ende der Welt, um den Menschen dort das Evangelium zu bringen. Und er konnte wahrlich kleine Wunder bewirken. Nun soll ein Museum an den großen Sohn des Birglands erinnern.

Fürnried. Gerda Stollner hat glänzende Augen, wenn sie von Johann Flierl berichtet. "In Papua-Neuguinea wird er fast verehrt wie ein Heiliger und bei uns gerät er beinahe in Vergessenheit." Die Kirchenpflegerin der Gemeinde Fürnried hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, dem Missionar und Begründer der ersten evangelisch-lutherischen Tochterkirche in Papua-Neuguinea ein Denkmal zu setzen, das seiner Bedeutung gerecht wird.

Der erste Missionar


Bisher erinnert nur wenig an den Mann, der 1858 in Buchhof, einem kleinen Weiler in der Gemeinde Birgland, geboren wurde und auf der Insel in der Salomonensee als Erster missionarisch tätig war. Ein Gedenkstein steht in der Nähe seines Geburtshauses, und an der Kirche in Fürnried, in der er getauft wurde, ist eine Tafel zu seinem Andenken angebracht. Für Gerda Stollner ist das einfach zu wenig. "Er ist für die Papuas so wichtig, wie für uns Martin Luther. Und es kommen immer wieder Gruppen aus Papua-Neuguinea hierher und singen mit Tränen in den Augen an seinem Gedenkstein. Das ist schon sehr ergreifend", erzählt die 52-Jährige. Sie möchte nun ein Museum mit Dauerausstellung ins Leben rufen, um auch den Menschen hier Johann Flierl wieder ins Gedächtnis zu rufen. Eine Multi-Visionsschau soll es geben, Kleidung zum Anfassen, Texte aus seinen Tagebüchern und interaktive Landkarten, die seinen Weg nachzeichnen.

So ein großes Projekt ist natürlich nicht alleine zu stemmen. Doch die Kirchenpflegerin hat einige helfende Hände. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Birgland, Brigitte Bachmann, steht dem Projekt sehr positiv gegenüber. "Wer kann schon auf einen Missionar aus seinen Reihen verweisen? Wir sind stolz darauf und möchten wieder zum Leben erwecken, was lange Zeit einen "Dornröschenschlaf" gehalten hat." Sie bemüht sich daher, das Thema auf politischer Ebene anzugehen.

Auch Anni Weber, die Vorsitzende des Frauenkreises, ist mit von der Partie. Sie bietet schon jetzt Wanderungen rund um Flierls Wohnhaus in Buchhof an. Für sie ist der Missionar eine unglaubliche Persönlichkeit. "Ich finde es faszinierend, dass man, wenn man aus Buchhof mit den drei Familien stammt, das Bedürfnis kriegen kann: ,Ich will hinaus in die weite Welt.'" Mittlerweile hat sich das Team vergrößert. Weitere Frauen aus dem Birgland haben ebenfalls Hilfe angeboten. Und ein geeigneter Ort für das Museum ist auch schon vorhanden. Da, wo Johann Flierl die Schulbank gedrückt hat, ist heute das Gemeindehaus in Fürnried. Im ersten Stock wäre genug Platz für die Ausstellungsstücke.

Doch es gibt auch mahnende Worte. Der Fürnrieder Pfarrer Andreas Utzat ist zwar sehr angetan von dem Engagement seiner Gemeindemitglieder, sieht es dennoch etwas kritisch, da es bis jetzt nur wenig Material zum Zeigen gebe. Außerdem sei es generell schwierig, das Thema "Mission" in einem Museum so darzustellen, dass man es sich auch gerne anschaut.

Feilen am Konzept


Gerda Stollner ist trotzdem davon überzeugt, dass das Projekt Erfolg haben wird. Bloß ist es noch ein sehr weiter Weg. "Wir brauchen nun ein richtiges Konzept. Wenn das genehmigt ist, können wir auch Fördertöpfe anzapfen." In dem Entwurf muss das Team aus dem Birgland vorstellen, was auf welche Art gezeigt werden soll, welche Kosten zu erwarten sind und wie die Ausstellung nachhaltig und regional eingebunden werden kann. Viel Arbeit, die man ohne Fachwissen kaum bewältigen kann. Doch Gerda Stollner und ihre Mitstreiter kann das nicht schrecken. "Johann Flierl, das ist ein ganzes Leben. Und er lebt noch. In Papua-Neuguinea und hoffentlich auch bald wieder bei uns!"

Johann FlierlJohann Flierl wurde am 16. April 1858 in Buchhof (Gemeinde Birgland) als siebtes Kind einer armen Kleinbauernfamilie geboren. Schon im Alter von neun Jahren wusste er, dass er Missionar werden wollte. Mit 13 versuchte Flierl erstmals, an die Missionsanstalt in Neuendettelsau zu gelangen, doch er war zu jung. Bei seinem erneuten Versuch vier Jahre später wurde er aufgenommen. Er schloss die Schule nach drei Jahren ab. 1878 wanderte der frisch gebackene Missionar dann nach Cooper's Creek in Südaustralien aus und begann seine missionarische Tätigkeit. Dort heiratete er auch die deutschstämmige Pfarrerstochter Beate Louise Auricht.

Als Flierl erfuhr, dass Deutschland eine neue Kolonie gegründet hatte (das sogenannte Kaiser-Wilhelms-Land, heute Papua-Neuguinea) fasste er den Entschluss, dort als erster lutherischer Missionar zu wirken. Und so landete er am 12. Juli 1886 in Finschhafen, dem damaligen Hauptort. Die Umstände waren schwierig - sowohl klimatisch als auch zwischenmenschlich. Flierl konnte zunächst kein einziges Wort mit den Bewohnern wechseln. Trotzdem baute er eine Missionsstation mit Schule und Krankenversorgung auf. Seine Ehefrau holte er später nach. Das Paar bekam insgesamt vier Kinder. Die Flierl-Familie und ihre Mitarbeiter lebten den Einwohnern ihr religiöses Leben vor und endlich, nach 13 Jahren, ließen sich die ersten beiden Männer taufen.

Johann Flierl errichtete 18 Stationen und durch sein unermüdliches Wirken wuchs die Christenschar auf 25 000 Gläubige an. 1930 verließ der nun 72-jährige Missionar mit seiner Frau die Insel und hielt sich noch kurze Zeit in Australien auf. Seine Frau starb dort. Flierl selbst kam 1937 zurück nach Neuendettelsau. Dort verstarb er am 30. September 1947 im Alter von 89 Jahren. Heute umfasst die Evangelisch-Lutherische Kirche von Papua-Neuguinea über eine Million Mitglieder und ist somit die größte evangelische Kirche im pazifischen Raum. (tat)
In Papua-Neuguinea wird er fast verehrt wie ein Heiliger und bei uns gerät er beinahe in Vergessenheit.Gerda Stollner über Johann Flierl


Unterstützer gesuchtDas Team um Gerda Stollner braucht unbedingt Hilfe. Für die Ausstellung sucht es noch "Handfestes aus Flierls Zeit", etwa Hüte, Brillen oder Gebetbücher. Vielleicht hat jemand solche Schätze, möglicherweise sogar Fotos oder Schriften von Flierl selbst, auf dem Dachboden.

Auch praktische Hilfe ist willkommen. Im Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg lagern viele Schriften von Johann Flierl, die gesichtet werden müssten. Ein Urenkel des Missionars aus Buchhof, Professor Peter Pilhofer von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, besitzt noch Schriften, derer sich vielleicht eine studentische Hilfskraft annehmen könnte. Auch eine Doktorarbeit hierzu erscheint möglich.

Gerda Stollner hält ebenso eine Verfilmung von Flierls Leben für denkbar. "Es gibt noch keinen Film über diesen großen Missionar. Vielleicht wäre das auch ein Projekt für den Medienbereich der Hochschule in Amberg?", fragt sie. Kontakt: Gerda Stollner, Tel.: 09186/907906, E-Mail: gerda-stollner@web.de (tat)
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