Der Fluch der "Hoderin"

Der Oberverweser (Hubert Süß) ist seinem Grab auf dem alten Friedhof entstiegen und zieht die Gäste der szenischen Führung mit seinen Erinnerungen an die wechselhafte Geschichte des Bodenwöhrer Hüttenwerks in seinen Bann. Bilder: sir
Lokales
Bodenwöhr
09.10.2015
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Der Mann ist seit 225 Jahren tot, aufregen kann er sich aber immer noch. Johann Georg Fuhrmann war vor seinem Ableben Oberverweser des Hüttenwerks, also Stellvertreter des Kurfürsten am Ort. Nun steigt er aus seinem Grab und erläutert bei einer szenischen Führung die 700 Jahre Geschichte der Eisenverhüttung in Bodenwöhr.

Rund 30 Teilnehmern bot sich am Einheitstag ein spannender Trip an den Ufern von Hammer- und Weichselbrunner Weiher. Der Oberverweser (Eisenzeit-Intendant Hubert Süß) begann mit einem geschichtlichen Exkurs in die Ära zwischen dem 30-jährigen Krieg, der Amtszeit des Hüttenwerks-Chefs Franz Adam Hofseß, bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Hammersee bot die passende Kulisse für weitere Ausflüge in die Zeit der Hammerherren, etwa, als die Gebrüder Arnold das Werk vergrößerten, den Weiher höher aufstauten, den Ortsteil Blechhammer gründeten und nebenbei den Bau der kurfürstlichen Brauerei überwachten.

Europäische Bedeutung

Zu dieser Zeit entwickelte sich Bodenwöhr zu einem Zentrum anspruchsvollen Eisengusses, das europaweite Bedeutung erlangen sollte. Dazu kam zwischen 1693 bis 1876 der Abbau des "eigenen" Eisenerzes in der unmittelbaren Umgebung. An der Weichselbrunner Brücke ließ der Führer den Hammersee aber plötzlich verschwinden. Statt seiner stellten sich die Gäste eine grüne Wiese mit kleinen Bachläufen und blökenden Schafen vor. Noch. Denn es sollten unruhige Zeiten kommen um das Jahr 1430. Jenseits der Brücke fanden die Gäste den alten Hammer vor, der dort seit 1292 seinen Dienst versah. Für die Anforderungen der Zeit, in der Pfalzgraf Johann gegen die Hussiten kämpfte, waren Hammer und Weichselbrunner Weiher freilich zu klein. Ein neuer Hammer würde weit größere Wasserräder und damit mehr Wasserkraft brauchen, wie die damaligen Hammerherren Gilg und Hans Kotz (Richard Stabl und Matthias Lutter), unterstützt von Fabian Schmid, im Spiel verdeutlichten.

Furchterregende Sagen

Ein Hussiten-Trupp (unter anderem Franz Singerer) zerstörte aber den Hammer. Meister Kotz überlebte den Überfall knapp und übernahm die Führung zum Verfassungs-Stein am Hammersees, den Belegschaft dem König anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der ersten bayerischen Verfassung gestiftet hatte - in ihr wurde immerhin die Leibeigenschaft offiziell abgeschafft. Die Sonne hatte sich schon ziemlich gesenkt, da wurde es Zeit für eine Gruselgeschichte. Oberverweser Fuhrmann berichtete von der sagenhaften Wasserfrau, die im See lebt.

An der Weggabel auf dem Rückweg Richtung Ludwigsheide ging es furchterregend weiter: Weil der Hammerherr Kotz gut 30 Jahre nach der Zerstörung seines Hammers an der Stelle des heutigen Fischerhauses ein Hammerwerk errichten wollte, wo daraufhin 500 Jahre Eisenverhüttung stattfinden sollten, musste der große See aufgestaut werden. Nun verschwand nicht nur die Schafweide: Ein kleiner Weiler namens Hadersdorf musste ebenfalls den Fluten weichen. Die erboste Schwarzfischerin (Ingrid Schieder) stellte auf dem Weg zur Kirche die Hammermeisterin (Mia Süß) sowie deren Tochter (Katharina Lutter), um sie mit wüsten Vorwürfen zu überschütten. Weder dies noch die Ankündigung der Schwarzfischerin, die "Hoderer" würden allesamt nach Bruck ziehen, um dort das "Hodererviertel" zu gründen, fochten die edlen Damen an. Dass die Hoderin daraufhin Bodenwöhr verfluchte, machte deutlich mehr Eindruck.

Mit der königlich-bayerischen Ostbahn (Anschluss 1861) ging es weiter am Ufer entlang bis in die Neuzeit. Plötzlich brauchte kaum jemand mehr Öfen oder Badewannen aus Bodenwöhr, die Direktoren der Bayerischen Hütten- und Salinenwerke versäumten es, in neue Produkte zu investieren. Das Ende vom Lied: Die Schließung des Hüttenwerks 1971, nach 700 Jahren Tradition. Seit 2009 erinnert die Kulturreihe "Eisenzeit" an diese Geschichte.

Gruß an Neunburg

Oberverweser Fuhrmann freilich hatte zum Abschied noch einen Gruß an die Neunburger Nachbarn parat. Dorthin soll, nach dem Abriss der alten Bodenwöhrer Kirche, ein in einem Grab gefundener, prächtiger Schachthut verschwunden sein. "Sagt denen, ich will meinen Hut wiederhaben", schimpfte Fuhrmann.
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