Hartes Metall statt weicher Wolle

Bestimmte historisch belegte Vorkommnisse in Bodenwöhr wurden von Darstellern des Ring der Eisenzeit nachgestellt. Bild: sir
Lokales
Bodenwöhr
30.10.2014
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Hussiten-Überfälle, Verfall und Wiederaufbau: Die Geschichte Bodenwöhrs spiegelt sich in der Führung "Hammer! Eisen, Rauch, Natur und See" wider. Vor 550 Jahren hatte ein Herr Kotz eine zündende Idee, die das Gesicht der Gemeinde prägen sollte.

"Hammer! Eisen, Rauch, Natur und See", die Spannung verheißende Bezeichnung der szenischen Führung, einer Reihe des Vereins "Ring der Eisenzeit", verfehlte seine Wirkung nicht. Schritt für Schritt erwanderten sich die Teilnehmer die Historie des geschichtsträchtigen Ortes, der seine Prägung durch das Hüttenwerk erfuhr und seitdem eine gewaltige Entwicklung durchlebte. Start war am Parkplatz Weichselbrunn. Daniela Lanzl und Katharina Lutter führten durch Stationen der bewegten Geschichte. Historische Personen, schriftlich dokumentiert, wurden auf dieser Reise in die Vergangenheit wieder lebendig. Wasser gab es in Bodenwöhr schon im elften Jahrhundert reichlich, und so wurde bereits damals eine Mühle betrieben, deren Existenz 1123 erstmals urkundlich belegt ist.

1292 gab es am Damm zum Weichselbrunner Weiher ein Hammerwerk, das 1430 von den Hussiten zerstört wurde. Gerade deshalb konnten die Gäste und die beiden Führerinnen auch das rhythmische Schlagen der Hammer nicht hören und die Holzkohlefeuer nicht riechen. Hier am "Urhammer" saß mit blutender Kopfwunde Hammermeister Bernhard (Birner) inmitten der Trümmer und fluchte, während ihm Franz (Singerer) die Wunde versorgte. Sein Sohn Matthias (Lutter) hatte die Idee, mehr Wasserkraft zu nutzen, um einen neuen Hammer zu bauen.

Tatsächlich kam dem jungen Herrn Kotz vor exakt 550 Jahren diese Idee. Die wütenden Proteste des Ensdorfer Abtes, der durch die Aufstauung des Hammerweihers sein Weideland verlor, verhallten, dem Kurfürsten lag mehr am Eisen als an Schafwolle. Weiter ging es am Ufer des Sees entlang - und durch die Jahrhunderte. Die nächste große Katastrophe, die Bodenwöhr heimsuchte, war der 30-jährige Krieg. In den Jahren um 1630/1632 verödete beinahe ganz Bodenwöhr. 1670 wurde das Hüttenwerk von Johann Schreyer von Grünberg wieder aufgebaut. Er kurbelte die Produktion wieder an, musste allerdings einige schwere Rückschläge hinnehmen. Schon nach sieben Jahren brannte das Werk ab.

1682 rissen bei einem Hochwasser die Dämme und die Hammerhütte brannte erneut nieder. Der nächste Wiederaufbau folgte.Da den Männern ein Teil des Lohns in Bier ausbezahlt wurde, wurde der Ruf nach einem Brauhaus immer lauter, so dass sie 1738 eine Petition an den Landesherrn schrieben. Der hatte Sorge, es könne zu illegalen Ausschankstätten kommen und so dauerte es 20 Jahre bis zur Genehmigung. 1758 entstand dann die Brauerei.

Tatsächlich kamen die Geschichtsinteressierten an einem dieser "Schwarzen Wirtshäuser" vorbei. Peter Still, der Onkel des berühmten Pater Barnabas, hatte das erste Bier in Bodenwöhr gebraut. Hier durfte nun auch der Durst gestillt werden. Danach machte man sich auf, die Bildtafeln im Ortskern anzusehen.
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