Paradies mit dunklen Flecken

Lokales
Bodenwöhr
22.08.2015
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Das erste Mal war Pfarrer Pascal Olivier Angue im Jahr 2013 als Urlaubsvertretung in Bodenwöhr. Der sympathische, aufgeschlossene Geistliche weckte schon damals die Neugier seiner "Schäfchen auf Zeit". Am Donnerstag berichtete er im Pfarrheim über seine Heimat Kamerun.

"Ich bin für Sie da." Mit diesem Satz, der zum ersten Mal im Jahr 2013 nach dem Gottesdienst fiel und seitdem immer wieder zu hören war, schöpften die Pfarreiangehörigen sofort Vertrauen in Pfarrer Pascal Olivier Angue.

"Ich komme aus Kamerun", beantwortete er die ihm am meisten gestellte Frage. "Kamerun - Afrika im Kleinformat", präsentierte Pfarrer Angue nun am Donnerstag seine Heimat. Er stammt aus dem Zentrum des Landes mit der Hauptstadt Yaoundé. Deutsch hat er bereits in der Schule gelernt. Wenn er nicht gerade für drei Wochen in Bodenwöhr ist, ist er Gastpfarrer in der Pfarrei St. Michael in Neutraubling. Pfarrer Angue studiert.

42 Prozent Katholiken

Der Saal im Pfarrheim war voll, als er seine Heimat Kamerun sprach. Den Zuhörern tat sich die ungeahnte Vielfalt dieses Landes auf, das geprägt ist von seiner wechselhaften Historie. "Zur Zeit ist es ein bisschen gefährlich", streifte der Pfarrer die jüngsten Ereignisse um die Bombenanschläge im Juli. Im nordwestlichen Nachbarstaat Nigeria sorgt die Terrorgruppe "Boko Haram" für Unruhen, die auch über die Grenzen schwappen. Kamerun ist eine Republik. Präsident Paul Biya regiert seit 1982. Der Anteil an Katholiken betrage 42 Prozent. Evangelische Christen machen 23 Prozent aus, Muslime 15 Prozent. Das Zusammenleben der Religionen funktioniere meist reibungslos, schilderte Pfarrer Angue. Er zeigte herrliche Bilder der vielfältigen Landschaften Kameruns. Während es in den Wüsten des Nordens schon einmal 55 Grad heiß sein könne, wird das Land gen Südwesten immer fruchtbarer. Die Savanne geht allmählich in Regenwald über. Die Bauern säen jetzt im August, die Ernte falle in den Dezember. Im März wird ein zweites Mal gesät, geerntet wird dann im Juni.

Pfarrer Angue ging auch auf die sozialen Verhältnisse ein. Polygamie ist im Norden und Westen weit verbreitet. Der "Chef" eines Ortes müsse viele Frauen haben, um seinen Status zu zeigen. Dieser "Chef" erfülle auch die Funktion eines Richters, schlichte Streit im Ort. Im Zentrum Kameruns dagegen sei die Vielehe nicht erlaubt. Die Familie sei das Zentrum des Zusammenlebens. Der Referent zeigte Bilder von farbenfroh gekleideten Menschen und ihren Festen. Auf dem Speiseplan steht dann eine reichen Vielfalt an Obst und Gemüse, Fisch und Meeresfrüchten. Die Ureinwohner leben im Westen, vorwiegend im Wald in kleinen Hütten. Die Lebenserwartung in Kamerun liege bei etwa 50 Jahren.

Pfarrer Angue berichtete auch von seiner Arbeit in der Diözese Bafia, 120 Kilometer von Yaoundé entfernt. Dort organisierte er mit einem Helferteam "Diözesan-Krankentage", bei dem es um die Vorbeugung ging. Ein großes Problem sei das Bildungswesen in Kamerun. Für die Schule müssen die Eltern Geld bezahlen, was sich nicht alle leisten können. Deshalb unterstütze er Kinder mit Unterrichtsmaterial.

"Dahoam is dahoam"

Kamerun sei zwar ein an Bodenschätzen reiches Land - allerdings lasse Korruption in seiner Heimat kaum eine gerechte Verteilung zu. Deshalb sei es so wichtig, den Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Deshalb möchte Pfarrer Angue auch wieder nach Kamerun zurückkehren, denn: "dahoam is dahoam", wie er auf gut bayrisch sagte.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Franz Singerer dankte Pfarrer Pascal Olivier Angue für sein Engagement und schenkte ihm einen Bildband über Bodenwöhr. Die Spenden der Zuhörer kommen Kindern in Kamerun zugute. Am Freitag kehrte Pfarrer Angue nach Neutraubling zurück.
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