Umbauarbeiten im Wald

Der Ortstermin mit Erläuterungen zum Naturschutzkonzept stieß auf breites Interesse. Bilder: sir (2)
Lokales
Bodenwöhr
26.10.2015
4
0

Der Lebensraum Wald ist im Vergleich zu anderen Formen der Bodennutzung noch sehr naturnah. Er ist Rückzugsfläche für viele seltene Tier- und Pflanzenarten und für deren Erhalt zunehmend von Bedeutung. Die Bayerischen Staatsforsten haben ein regionales Naturschutzkonzept entwickelt, das den Wald zukunftssicher macht.

Zum Treffen mit Forstamtsdirektor Hubert Meier vom Betrieb Roding kamen neben Vertretern der Forstbetriebe, der Naturschutzbehörden, des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Naturparks auch stellvertretender Landrat Joachim Hanisch sowie die Bürgermeister aus Nittenau, Neukirchen-Balbini, Bruck und Bodenwöhr in den Einsiedler Forst. Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten, stellte die Grundsätze für den Naturschutz im Staatswald vor.

Regionale Besonderheiten

Das regionale Naturschutzkonzept sei für jeden Forstbetrieb ausgearbeitet worden. Es stelle sowohl bedeutsame naturschutzfachliche Gegebenheiten als auch Maßnahmen für deren Erhalt und Verbesserung dar. Das allgemeine Naturschutzkonzept enthalte bereits detaillierte Aussagen zum Natur- und Artenschutz in den Wäldern des Freistaats. Im regionalen seien diese Vorgaben in konkrete Handlungsanweisungen gefasst und Besonderheiten herausgearbeitet.

Die Waldgeschichte habe zu einem tiefgreifenden Bestockungswandel geführt: Im "Bayerischen" und "Oberpfälzer Wald" hin zu fichtendominierten Beständen und noch stärker im "Oberpfälzer Becken- und Hügelland" mit teilweise großflächigen Kiefern-Reinbeständen. Der Umbau zu Mischwäldern sei eines der wichtigsten waldbaulichen Ziele. Durch einen integrierten Schutzansatz seien mit dem Erhalt von alten naturnahen Waldbeständen - Biotopbaum- und Totholzkonzept - sowie mit der Bewahrung und Förderung von Sonderstandorten die Ansprüche zur Sicherung der Biodiversität abgedeckt worden.

Moorwälder, Weißmoos-Kiefernfelder auf trockenen Standorten, Offenlandflächen, wie auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Bodenwöhr, würden weiterhin gepflegt und von Wald frei gehalten. Stehende Gewässer, sonstige nässebeeinflusste Standorte, Extensivgrünland, potentielle Sukzessionsflächen und Gebüsche wären in dem Konzept ebenfalls enthalten. Vorrangiges Ziel sei neben dem Artenschutz die Erhaltung und Weiterentwicklung derartiger Flächen. 186 Hektar Naturschutzgebiete und 246 Hektar Naturwaldreservate seien im Staatswald des Forstbetriebes ebenfalls ausgewiesen.

In zahlreichen Programmen, Projekten und Untersuchungen werde am Artenschutzmanagement (Auerhuhn, Heidelerche, Ziegenmelker) gearbeitet. "Ziel ist hierbei, durch eine naturnahe und die natürlichen Gegebenheiten berücksichtigende, bestands- und bodenschonende Waldbewirtschaftung den Ansprüchen der einzelnen Arten Rechnung zu tragen", betonte Meier. Die dynamischen Entwicklungen im Ökosystem Wald würden stets im Auge behalten und genießen Vorrang vor einem konservierenden Ansatz. Zu regionalen Gruppen der Naturschutzverbände, dem amtlichen Naturschutz, der Forstverwaltung und der Wissenschaft bestünden gute Verbindungen. Die projektbezogene Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden.

"Die Forstwirtschaft ist die naturnaheste und schonendste Form der Bodennutzung", betonte Meier. Von enormer Bedeutung sei die Verjüngung des Waldes. Diese erfolge über einen langen Zeitraum, so dass möglichst lange viele alte Bäume stehen bleiben können. Integrative Forstwirtschaft (Waldwirtschaft) bedeute, den Wald auf ganzer Fläche so zu bewirtschaften, dass alle Funktionen (Holzproduktion und -ernte, Schutz-, Erholungsfunktion, Naturschutzaufgaben) erfüllt werden.

In Bayern favorisieren sowohl der Staat als auch die privaten Besitzer den integrativen Ansatz mit dem Ziel, Nutzung und Naturschutz bestmöglich in Einklang zu bringen. Die Staatsforsten berücksichtigten bei ihrer integrativen Waldbewirtschaftung die Belange des Naturschutzes auf der gesamten Staatswaldfläche. Zentrales Ziel sei, die natürlichen Lebensräume, vor allem der an den Wald gebundenen Tiere und Pflanzen, zu erhalten und zu verbessern. Stellvertretender Landrat Hanisch sprach von einer guten Symbiose. Er erachte es als sinnvoll, die Hege und Pflege in ein Konzept zu kleiden, infolge dessen überprüft werden könne, was davon erreicht werde. Nittenaus Bürgermeister Karl Bley wies darauf hin, dass der Naturschutz nicht vor den Gemeinden Halt mache. Jedes Jahr werde den Kindern die Natur mit den Waldjugendspielen vermittelt. Norbert Dirscherl, leitender Regierungsdirektor der Regierung der Oberpfalz, erinnerte sich an sein Studium. Eine Exkursion habe ihn hierher geführt. Dabei habe er lernen können, wie die Vergangenheit sich bis heute auswirke, etwa durch die Eisenverhüttung.

Vorbildcharakter

Neumeyer sprach vom Vorbildcharakter des Staatswaldes, der alle Funktionen erfülle. Hier nannte er die nachhaltige Holznutzung, wo der Grundsatz "immer weniger nutzen als nachwächst" gelte. Der Wald erfülle auch eine soziale kulturelle Funktion, als Erholungs- und Lehrort. Von enormer Bedeutung sei die Waldfunktion für sauberes Trinkwasser und saubere Luft. In die Naturschutzkonzepte sollen neben Fachleuten auch die Bevölkerung, insbesondere die Kinder, eingebunden werden. Das regionale Konzept solle mit neuen Projekten weiterentwickelt werden. "Es soll ein dynamischer Prozess sein."
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.