Zwei Duplos für den Pfarrer

Einen Jahresrückblick mit augenzwinkernden Seitenhieben gab es von der heiligen Barbara (Daniela Lanzl). Bilder: Schieder (2)
Lokales
Bodenwöhr
12.12.2014
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Ein Jahresrückblick der ganz besonderen Art mit viel Augenzwinkern und erstaunlichen Erkenntnissen: Präsentiert wurde er am Gedenktag der Kirchenpatronin. Sie ließ es sich nicht nehmen, persönlich die Leviten zu lesen.

Seit einigen Jahren lassen es die Bodenwöhrer nicht bei einem Gottesdienst zu Ehren der Schutzheiligen Barbara bewenden. Der "Ring der Eisenzeit" lässt den früher üblichen Brauch der Barbarafeier wieder aufleben. Die Traditionsbewussten zog es ins Pfarrheim zum weltlichen Teil der Feier.

Pfarrer Johann Trescher zelebrierte den Patroziniums-Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Barbara, der musikalisch durch den Männergesangsverein mitgestaltet wurde. Danach durchbrachen die Salutschüsse der Sollbacher Schützen die Stille des Abends zu Ehren der Schutzpatronin für die Bergleute. Im Pfarrheim spielten die "Kistl-Musikanten" aus Pfreimd während des Abends immer wieder zünftig auf. Der Vorsitzende der "Eisenzeit", Bürgermeister Richard Stabl, hieß die Gäste willkommen.

Heribert Braun senior schöpfte aus seinem riesigen Vorrat an unterhaltsamen Geschichten aus den Ortsgeschehen und seinen damaligen Bewohnern. Früher verfügte Bodenwöhr über eine eigene Blechblaskapelle. Besondere Erwähnung fanden Willi Wittmann (Wenz) mit Flügelhorn und Geige sowie Max Vielberth (Duser) mit seiner Trommel.

Der anonyme Brief

Zu vorgerückter Stunde habe die musische Harmonie gelitten, wobei das Freibier eine nicht unerhebliche Rolle gespielt habe. Die Tänzer kannten sich nicht mehr aus, ob es sich um einen englischen Walzer oder um eine Polka handelte. Und da rief der Wenz kurzerhand: "Ein Tango ist's!" Auch über die hiesigen Metzger und Bäcker und ihre Geschäfte gab es viel Amüsantes, das die Zuhörer zum Lachen brachte - und dem Erzählenden verdienten Applaus.

Und dann stand sie im Raum: die heilige Barbara (Daniela Lanzl). Einen Umschlag hielt sie in Händen, Absender sei ein anonymer Schreiber, dem sie auf diesem Weg die für ihn wohl ein wenig beunruhigende Mitteilung machte: "So anonym bist du nicht". Da sie dessen seltsame Wahrnehmung und Meinung in diesem "Schreiben" nicht interessierten, könne er das gleich bleiben lassen.

"Das war ein Jahr, unvergessliche Momente, bizarre Vorkommnisse", weckte die Heilige die Neugierde der Anwesenden. Das Parken in Bodenwöhr: Der damalige Gemeinderat habe die Ortskernsanierung offenbar ganz modern planen wollen, nach Feng Shui und Ayurveda, wobei Schilder natürlich nicht vorgesehen seien.

Quasi "Ausland"

Schlimm sei der Wahlkampf gewesen, "mit dem Hofmann Sepp seine Wadln in der Knickerbocker und der Stabl und der Krieger im Häuserkampf. Furchtbare Szenen". Ausgegangen sei es mit einem Erdrutschsieg für den Stabl aus Angst vor dem Stichwahlkampf. Der Ausverkauf der Ortsmitte habe schlimme Blüten getrieben, so die Rednerin. Dass auch der alte Forstmaschinenbetrieb nach Bruck verkauft und offiziell nun benachbartes Ausland sei, "ist ganz schlimm". Die Heilige warnte davor, dass nach dem Erwerb des Fischerhauses durch einen Brucker Investor vielleicht nun auch der Hammersee in Gefahr gerate.

Auf dem Trockendock

In der Folgezeit nahm die Heilige eine Reihe von Personen und Begebenheiten ins humoristische Visier, beginnend von der Plätte, die auf dem Trockendock liege, über das ausgefallene Gelöbnis der Bundeswehr bis hin zu den leidensfähigen Sechziger-Fans.

Die Anwesenden quittierten die Ansprache aus der Feder von Hubert Süß zwischendurch und am Ende mit reichlich Applaus. Für Pfarrer Johann Trescher gab es als Wegzehrung nach "Schwand" seine Lieblingssüßigkeit: zwei Duplos.
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