Silberhochzeit der Partner
Verbindung der zwei Landkreise Schwandorf und Görlitz besteht seit 25 Jahren

Im Gewölbekeller der Brauerei Jacob in Bodenwöhr wurde am Samstag die Partnerschaftsfeier der Landkreise Schwandorf und Görlitz gefeiert.
Politik
Bodenwöhr
28.02.2016
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Ein besonderes Schmankerl war der Auftritt von früheren Domspatzen um den Oberviechtacher Kaplan Martin Popp (Zweiter von links).

Es ist eine ruhige Partnerschaft, man streitet nicht, hat sich aneinander gewöhnt und hin und wieder taucht die Frage auf, ob man weiterhin zusammen bleiben will. Antworten versuchte ein Festabend im Gewölbekeller der Brauerei Jacob in Bodenwöhr zu skizzieren.

Es durfte gefeiert werden: 25 Jahre ist die Verbindung der zwei Landkreise Schwandorf und Görlitz (früher: Niederschlesischer Oberlausitzkreis) nämlich schon alt. Wäre es eine Ehe, würde man von Silberhochzeit sprechen. 1990, als die Verbindung geschmiedet wurde, brauchte der Osten noch dringend Amtshilfe.

Der damalige Ost-Landrat Dieter Liebig, der am Wochenende aus gesundheitlichen Gründen die 400-Kilometer-Fahrt von der deutsch-polnischen Grenze ins Herz der Oberpfalz nicht mitmachen konnte, klopfte zu jener Zeit bei seinem Schwandorfer Amtskollegen Hans Schuierer an, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erfragen. Der Rest ist Geschichte.

"Man hat nach der Wende nach Gemeinsamkeiten gesucht", beschrieb West-Landrat Thomas Ebeling bei seinen begrüßenden Worten die erste Triebfeder der Partnerschaft. Schnell kamen die Verantwortlichen darauf, dass es hier wie dort Braunkohle-Tagebau gibt oder gab. Von dieser Verbindung ausgehend kamen die Vereine ins Spiel, die Knappen-Vereinigungen beispielsweise. Besonders nachhaltig erwies sich eine Zeitlang der sportliche Sektor. Auch ein kulturelles Hinundher entstand im Laufe der Zeit. Eines aber hatte die Landkreis-Partnerschaft nie, wie Ebeling versicherte: "Parteipolitische Hintergründe."

Verbindender Sport


Dass West-Importe beim Aufbau der Ostverwaltung eine Rolle gespielt haben, das konnte Ost-Landrat Bernd Lange bei seiner Festansprache am Fall Dr. Peter Heinrich belegen. Der ist ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Landratsamt Schwandorf und leitet seit Anfang an den Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, der von den zwei Landkreisen Bautzen und Görlitz getragen wird. "Er hat uns viel geholfen", lobte Landrat Lange.

Hervorgehoben hat Lange besonders den Sport. "Das war einer der hauptsächlichen Träger der Partnerschaft", versicherte er und nannte zwei Namen: den des verstorbenen Fritz Haag und den von Arnim Christgen, die mit dem Behindertensportfest verbunden sind. Wichtig hier auch der BLSV-Kreisvorsitzende Roger Anders und sein Ost-Pendant Karl-Heinz Bruntsch. Für Anders, Christgen und Bruntsch gab es im folgenden Geschenke aus der Hand des Landrats.

Neben dem Sport fand Lange Positives für die Partnerschaft in den Bereichen Bildung, Kunst und Kultur, etwa gegenseitige Ausstellungen. Weniger fruchtbar wurde hingegen das Feld der Wirtschaft beackert. Denn Hoffnungen der Sachsen, oberpfälzische Firmen für ihre Region begeistern zu können, erfüllten sich in den letzten Jahren nicht.

Sorgen um die Zukunft


Was die aktuelle Situation anbelangt, so malte Landrat Lange nicht in rosa. "Die Zukunft der Partnerschaft darf nicht nur an der Verwaltung liegen, sondern dass Menschen zusammen kommen - denn das hat ein bisschen nachgelassen", konstatierte er. Er gestand, dass er sich Sorgen mache, dass die Partnerschaft mehr und mehr einschläft. "Wir müssen junge Leute ermuntern, aufeinander zuzugehen", wünschte er sich und hatte gleich einen Vorschlag parat: Ein großes Sportfest im Jahr 2018, wenn der Landkreis Görlitz sein "Zehnjähriges" feiert. Und zwar mit allen Partnerlandkreisen aus den letzten 25 Jahren. Da würden sich dann Bayern, Baden-Württemberger und Polen in dem sächsischen Landkreis treffen.

Weil Geschenke bei so einem Fest dazugehören, hatte Lange auch für Amtskollegen Ebeling etwas dabei - ein Gemälde des Künstlers Horst Jurtz aus Weißwasser, das eine Flusslandschaft an der Neiße zeigt. Umgekehrt wurden die Sachsen mit einem breitformatigen Foto beschenkt, dass die Landschaft bei Wackersdorf zeigt.

Einen Auftritt hatten auch der Bodenwöhrer Bürgermeister Richard Stabl, der eine Barbara-Figur, die Schutzpatronin der Bergleute, an Landrat Lange überreichte, sowie Gastwirt und Bräu Markus Jacob. Er versicherte der Festgemeinschaft, sie würde gerade das "wahrscheinlich beste Weißbier der Welt" trinken. Es ist vielfach prämiert und stammt natürlich aus seinen Sudkesseln.

Im Blickpunkt
Landrat Thomas Ebeling attestierte bei der Partnerschaftsfeier der Landkreise Schwandorf und Görlitz den Sachsen derzeit ein Imageproblem. „Wir haben Sachsen immer als friedlich, freundlich und weltoffen kennengelernt“, versicherte er aber den Gästen aus dem Osten beim Empfang in Bodenwöhr. Landrat Bernd Lange nahm den Ball später auf. „Es ist wichtiger denn je, dass sich West und Ost austauschen, dass Fehlinformationen und Gerüchte keinen Platz bekommen und man weiß, was vorgeht“, betonte er in seiner Ansprache. Für ihn sind daher Partnerschaften wie zwischen Schwandorf und Görlitz „wichtiger denn je“.
Der Landkreis Görlitz liegt in Sachsen und ist der östlichste Landkreis Deutschlands. Er hat 260 000 Einwohner und damit fast doppelt so viele wie der Landkreis Schwandorf. Große Städte sind neben dem Kreissitz Görlitz die Orte Weißwasser, Niesky, Löbau und Zittau. Die Kreisstadt Görlitz wiederum ist die östlichste Stadt Deutschlands und liegt an der Lausitzer Neiße, die dort seit 1945 die Grenze zu Polen bildet.
Wer sich für den Beginn der Partnerschaft der Landkreise interessiert, wird im O-Netz fündig. Eine schöne Zusammenfassung beinhaltet der Artikel, der mit dem Titel „Mehr gemeinsam als Tagebau: Kreise Schwandorf und Görlitz seit 25 Jahren Partner“ seit Freitag im O-Netz steht.
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