Spendenmarsch für Missio-Projekt
Schrittweise Hilfe

Pfarrer Johann Trescher verteilte an die Wanderer Süßigkeiten. Bilder: sir (2)
Vermischtes
Bodenwöhr
15.09.2016
16
0
 
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Franz Singerer schöpfte fleißig Wasser von der Rechenquelle für die durstigen Marschierer.

Die Rechenquelle war das Ziel der Teilnehmer am Hammersee-Spendenmarsch. Um den Hals baumelten Anhänger, die auf den guten Zweck dieser Aktion hinwiesen: "Missio-Projekt Burkina Faso". Der Solidaritätsgedanke trieb die Wanderer an.

Es war wohl die Scheu vor den heißen Temperaturen, die so manchen Interessierten von der Teilnahme zurückschrecken ließ. Zählte die im vergangenen Jahr erstmals angelaufene Aktion etwa 50 Leute, waren es heuer 32 Erwachsene und vier Kinder, die sich beteiligten. Dafür verblüffte das finanzielle Ergebnis umso mehr, denn in der Relation wurde es zu einem vollen Erfolg: 1045 Euro erzielten Läufer und Sponsoren, im Jahr zuvor 1064 Euro.

Hilfe zur Selbsthilfe


Start war am Kirchplatz in der Ortsmitte, wo Pfarrer Johann Trescher die Teilnehmer willkommen hieß. Das ideelle Ziel lautete die Förderung des Missio-Projekts, der "Katechistenausbildung in Burkina Faso". Neben der seelsorglichen Betreuung bringen die bereits ausgebildeten Katechisten der Bevölkerung verbesserte Anbaumethoden bei, informieren über Hygienemaßnahmen und ausgewogene Ernährung und bieten Alphabetisierungskurse an. Somit helfen sie den Menschen zur Selbsthilfe. 1983 ist in Tougouri in der Diözese Kaya in Burkina Faso das Ausbildungszentrum St. Lukas für Katechisten, die als Entwicklungshelfer und Wegbereiter des Glaubens tätig sind, gegründet worden.

Katechisten-Ehepaare werden ausgebildet. Das sind junge Paare, die in ihren Dörfern unter anderem das Leben mit der Bevölkerung teilen und ihnen effektivere Anbaumethoden beibringen. Sie leben ihren Glauben und bilden mit ihrer Arbeit das "Rückgrat der Kirche". Die Ehefrauen der Katechisten erhalten ebenfalls eine Ausbildung, schwerpunktmäßig auf die Förderung der Frau ausgerichtet. Die Ausbildung dauert vier Jahre.

Der Bildungsweg, den sie im Zentrum von Tougouri antreten, ist mehrspurig. Lesen und schreiben lernen bilden die Grundlagen. Zudem erhalten sie Unterricht in der französischen Sprache für das Studium der Hauptfächer Katechese und Liturgie. Noch längst sind nicht alle Dörfer versorgt. Deshalb ist es der Diözese Kaya ein großes Anliegen, fortwährend junge Paare für diesen Dienst auszubilden.

Welche Einzelschicksale sich hinter der Lage in Burkina Faso verbergen, verdeutlichte Pfarrer Johann Trescher am Beispiel von Landwirt Parfait Sawadogo und seiner Frau Pascaline ihrer zwei Kinder. Ausbleibender oder spät einsetzender Regen seien Ursache für eine schlechte Ernte, das daraus resultierende geringe Einkommen reiche kaum aus, die Familie ausreichend zu versorgen. Von September bis Mai lebt die Familie von Parfait in einem Ausbildungszentrum für Katechisten in Tougouri und kommt in dieser kritischen Zeit gut über die Runden, da das Zentrum neben der Ausbildung auch für deren Versorgung aufkommt. Pascaline Sawadogo kann eine schulische Grundausbildung nachholen und lernt noch Handarbeiten und die Herstellung lokaler Produkte, die sie dann verkaufen kann.

Immer noch Zwangsheirat


Problematisch ist laut Pfarrer Trescher auch die Rolle der Mädchen, die einer nach wie vor üblichen Zwangsverheiratung ausgesetzt sind. Im Mädchenwohnheim in Téma-Bokin finden sie Schutz, werden von den Schwestern der Unbefleckten Empfängnis, einer burkinischen Schwesternkongregation, die sich landesweit für Mädchen und Frauen einsetzt, betreut. Viele Einrichtungen der katholischen Kirche nehmen Mädchen auf, egal welcher Religion sie angehören.

Kurz vor der Weichselbrunner Brücke, an der Weggabelung, machten die Spendenmarschierer eine kurze Rast. Der stellvertretende Vorsitzenden des Ring der Eisenzeit und Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Franz Singerer sprach über die historische Bedeutung dieser Stätte. Das Hammerwerk sollte vergrößert werden. Dazu musste der Weiher aufgestaut werden. An gleicher Stelle grasten früher, um 1430, blökende Schafe. Ein alter Hammer jenseits der Brücke wurde von den Hussiten im Kampf zerstört. Wegen der Steigerung der Produktion wurde ein neuer größerer Hammer errichtet, der mehr Wasserkraft brauchte. Der Hammersee wurde aufgestaut. Das "Hadersdorf", auf Höhe des heutigen Anglerheimes gelegen, musste weichen und ging buchstäblich unter. Seine Bewohner verschlug es nach Bruck, wo sie das "Hodererviertel" gründeten. Noch heute gibt es in der Marktgemeinde eine "Hadergasse", die wohl auf diese Historie hinweist.

An der Rechenquelle erfrischten sich die Wanderer am Wasser. Pfarrer Johann Trescher verteilte Süßigkeiten aus dem Eine-Welt-Laden. Am Ausgangspunkt wieder angekommen, gab es Kaffee und Kuchen. Insgesamt kamen so 1045 Euro an Spenden zusammen. Pfarrer Johann Trescher dankte allen für ihr Engagement.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.