Blick in Regers Seele

Die beiden Geiger Jonas und Jakob Johannes Schröder, Schirmherrin Dr. Sissy Thammer, Schauspieler Claus J. Frankl und Bürgermeister Ludwig König (von links) gestalteten die stimmungsvolle Eröffnungsfeier des Reger-Jahres in Brand. Bild: ld
Kultur
Brand
17.05.2016
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"Das ist doch nett von den Leuten in dem kleinen gottverlassenen Nestchen!" Mit diesem Satz hatte Max Reger 1913 gegenüber seinem damaligen Arbeitgeber, dem Herzog Georg II von Meiningen, die Ernennung zum Ehrenbürger durch seinen Geburtsort kommentiert.

Dieses kleine, gottverlassene Nestchen unternimmt derzeit große Anstrengungen, um wenigstens ein bisschen Reger-Bewusstsein und etwas mehr Anerkennung in seinem Geburtsort zu erreichen. Hätte er die wunderbare Eröffnungsfeier erlebt, er hätte sicher seine Freude, vielleicht sogar ein Lob für die Leute in dem gottverlassenen Nestchen gehabt.

Ganz bewusst ging der Kulturelle Förderkreis (KFK) heraus aus Kirche, Konzertsaal und Gedächtniszimmer, um den "Max Reger" dorthin zu bringen, wo sich das Leben abspielt, wo sich die Leute treffen und auch die Gelegenheit nutzen können, sich an sechs Ausstellungsflächen über ein paar Fakten zu informieren. Sehr ansprechend haben Christian Drehobel und Tochter Juliane diese Wände der bei der Eröffnungsfeier gezeigten Ausstellung gestaltet, haben vor allem Bilder und Dokumente ausgewählt, die über die Beziehung vom Max Reger zu seinem Geburtsort und der Region etwas aussagen. Denn sehr oft muss er über seinen Geburtsort gesprochen haben. Zeugnisse darüber findet man in Biografien und auch in dem Buch seiner Ehefrau Elsa von Bagensky, die an mehreren Stellen von Gesprächen über eine Reise nach Brand berichtet.

Perfekter Rahmen


Auch der Vorgang des Anbringens der ersten Tafel an seinem Geburtshaus durch den Kreis um seinen Freund Hans von Ohlendorf ist beschrieben. Bürgermeister Ludwig König berichtete davon in seinem Begrüßungsworten, in denen er auch die Freude über das nun beginnende Reger-Jahr zum Ausdruck brachte. Nicht nur das Foyer der Sparkasse war für die Eröffnungsfeier vorbereitet worden. Dankenswerterweise hatte das Geldinstitut den gesamten Schalterraum zur Verfügung gestellt, wo auch genügend Sitzplätze vorbereitet waren, von denen keiner frei blieb. Genauso wie von KFKler erwartet, lief diese Feier ab: Guter Besuch, gute Stimmung.

Ein großer Dank stand deshalb auch im Mittelpunkt der Worte des Bürgermeisters. Sie galten vor allem der Schirmherrin, Dr. h.c. Sissy Thammer. Viele Ideen und vor allem der Slogan gehen auf ihre Initiative zurück: "Brand im Fichtelgebirge - eine Gemeinde lebt Max Reger". Dr. Thammer ihrerseits stellte in ihrem Beitrag die Tatsache, für Reger aktiv zu werden, gerade als Verpflichtung einer gebürtigen Oberpfälzerin heraus.

Ein Jubiläum würde aber nicht nur Erinnerung, sondern auch Forderungen für die Zukunft in sich bergen. Durch die Feiern in Brand werde Identität geschaffen, insbesondere für die Jugend. Jeder werde ermuntert, seinem Genie - auch welchem Gebiet auch immer - zu leben. Ein ganzer Ort würde sich einem oft sperrigen Musikgenie verschreiben. "Das ist mutig und hat Qualität!"

Gelegenheit, Max Reger in all seinen Widersprüchen, musikalisch und menschlich, seine Vorlieben und Schwächen, seine Eigenheit und seine Größe, kennenzulernen, bot der Schauspieler, Sänger und Regisseur Claus J. Frankl in einem außergewöhnlichen Festvortrag. Rhetorisch perfekt und humorvoll streifte er alle Facetten des Musikers und Komponisten.

Dem deftigen Oberpfälzer kamen die Zuhörer durch diesen glänzenden Vortrag ebenso ein Stück näher wie dem hochsensiblen und schwierigen Schöpfer einer Musik, mit der auch Musikliebhaber heute noch schwertun. Diesen Max Reger entdeckten die Besucher der Eröffnungsveranstaltung auch in den virtuos vorgetragenen Musikstücken wieder, die die Brüder Jakob Johannes und Jonas Schröder auf zwei Geigen zum Vortrag brachten.

Sekt und Gebäck


Drei Duette aus Opus 132 hatten die beiden Profimusiker ausgewählt, Stücke, die technisch und dynamisch - wie alle Reger-Werke - an die Instrumentalisten erhöhte Anforderungen stellen; die aber letztlich nicht anderes sind als ein Spiegelbild dieses widersprüchlichen und in großen Teilen immer noch rätselhaften Komponisten. Ein Sektausschank, bei dem es auch Laugengebäck in Notenschlüsselform gab, beendete diese sehr stimmungsvolle Eröffnungsfeier des Reger-Jahres 2016, das an seinem 143. Geburtstag am 19. März 2017 endet. Die Ausstellung kann bis dahin besucht werden.
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