Fast ein Reger - Museum in Brand
Neuigkeiten über Max Reger von Professor Dr. Susanne Popp

Professor Dr. Susanne Popp rief in Brand ein neues Zeitalter der Reger-Rezeption aus. Bild: ld
Kultur
Brand
27.08.2016
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Über Max Reger ist viel gesagt und geschrieben worden. Und doch gibt es immer wieder Neuigkeiten über den Komponisten. Die Leiterin des Max-Reger-Instituts in Karlsruhe (MRI), Professor Dr. Susanne Popp, hat sie zusammengefasst.

Brand.
(ld) In Max Regers Geburtsort Brand hatte die Stadt Weiden ihr Orgelkonzert mit Anna Victoria Baltrusch verlegt (wir berichteten). Für die Organisation war die Gemeinde verantwortlich.
Professor Popp ergriff im Mehrzwecksaal das Wort.


Deutschlandweit werde zum 100. Todestag an Max Reger erinnert, bei dem die biographisch nahen Orte im Vordergrund stünden. Die Homepage des MRI weise über 1000 ihm gewidmete Kulturereignisse auf, die Weidener Reger-Tage als größte Konstante der Reger-Pflege werde in diesem Jahr sogar vom Freistaat Bayern gefördert. Mit dem Hinweis, dass nicht nur seine bekannten Werke, sondern auch selten aufgeführte in den Programmen stehen, sprach Popp die Vermutung aus, dass durchaus ein neues Zeitalter der Reger-Rezeption beginnen könnte.

Lehrer und Kritiker


"Selbstverständlich gesellt sich auch sein Geburtsort zu den Gratulanten", stellte die Referentin fest, obwohl die Verbindung der Familie Reger mit einem nur dreijährigen Gastspiel vor Ort keine sehr enge sei. Nach der Tätigkeit als Hilfslehrer und der Heirat mit Philomena Reichenberger sei die Familie mit Sohn Max, einer Ziege und einem Kanarienvogel nach Weiden aufgebrochen.


Näheres zum Lehrer Josef Reger hatte Popp dem Büchlein "Max Reger im Elternhaus" der "zum leichten Kitsch neigenden Schriftstellerin Erna Brand" entnommen, die von einem strengen Lehrer berichtet, bei dem es auch Hiebe gab, dessen spitze Zunge aber vor allem gefürchtet gewesen sei. "Er blieb ein strenger Kritiker, auch in seinem Urteil über den Sohn und dessen nicht regelkonforme musikalische Ideen", bemerkte Popp. Das ehemals öfter ausgesprochene Gerücht, Reger sei in Grötschenreuth, widerlegte sie mit der in Ebnath ausgestellten Taufurkunde, die auch die Hebamme Bauer und den Pfarrer benennt.
Und dann erzählte die Leiterin des MRI auch die Geschichte der ersten in Bronze gegossenen Gedenktafel am Geburtshaus; ein Geschenk seines Hamburger Freundes Hans Freiherr von Ohlendorff. Dazu musste sich Ohlendorff zuerst an den Bürgermeister von Brand und an die Schulabteilung in Regensburg wenden. Da auch die Zustimmung der Staatsregierung eingeholt werden musste, vergingen noch zwei Jahre bis zur Anbringung, gerade noch rechtzeitig zu dessen 40. Geburtstag. Dann wurde Max Reger mit einer Ansichtskarte des Hauses samt Tafel überrascht. Leipzig habe erst 2016 mit der feierlichen Enthüllung einer Plakette am Sterbeort gleichzuziehen versucht. "Brand ist Leipzig 103 Jahre voraus und hätte überdies damals fast ein Reger-Museum erhalten", erklärte die Expertin. Lehrer Hanns Schellein hatte Ohlendorf von der Absicht der Gemeinde, das Haus aufgrund eines Neubaus eines Schulhauses zu verkaufen unterrichtet und geäußert, dass das Haus sicher für einen geringen Preis für ein späteres Reger-Museum gesichert werden könnte. Bekannt sei Regers Schwäche für Orden - egal ob "zum Halse heraus" oder auf der Brust zu tragen.

"Lassen wir es, wie es ist"


Er hätte sich über ein solches Museum nicht gefreut, es fand nicht seinen Beifall. "Ein Reger-Museum da hin zu legen, wäre ja der größte Unsinn. Also: lassen wir die Sache so wie sie bis jetzt gewesen ist", schrieb er an Ohlendorff. Zur Vorbereitung auf das Orgelkonzert ging Popp auf Regers Schaffen ein. Heute habe man eine andere Einschätzung als vor 50 Jahren. 1966 seien Regers Orgelwerke als "nicht orgelmäßig" bestimmt worden, weil sie dem damals hofierten, am barocken Klangideal orientierten Instrumententyp nicht angepasst war.

Passende Orgel in Brand


Das habe sich grundlegend geändert, und Brand habe mit einem am Ideal der spätromantischen Orgeln orientierten Instrument eine Orgel, die mit Crescendo-Walze und Generalschweller die klangliche Vielfalt und die dynamischen Möglichkeiten auch für Reger-Werke biete. Professor Dr. Popp lobte das von Anna Victoria Baltrusch für diesen Tag zusammengestellte Programm aus Bach- und Reger-Werken.

Die erst 26-jährige Künstlerin zähle zur Spitze heutiger Orgel-Virtuosen, die sich Regers Werk auf ihre Banner geschrieben hätten. Regers Kompositionsziel war, "neue, ungeahnte seelische Stimmungen" in Musik zu bringen und erklärte 1907: "Wer wissen will, wer ich bin - der soll sich das ansehen, was ich bis jetzt geschrieben habe".
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