Grandiose Künstlerin bei der Konzert-Reihe zum Reger-Jahr
Orgelmusik in Perfektion

Anna Victoria Baltrusch begeisterte das Publikum mit ihrem außergewöhnlichen Talent. Auch Organist Hans Dotzler aus Weiden war als "Assistent" vor allem bei Reger mächtig gefordert. Bilder: ld (2)
Kultur
Brand
23.08.2016
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So sieht eine Seite eines Reger-Werkes aus, nachdem sie Anna Victoria Baltrusch akribisch exakt der jeweiligen Orgel angepasst hat.

Mit Anna Victoria Baltrusch gastierte eine mehrfach national und international ausgezeichnete Künstlerin. Zum Thema "Wachet auf, spielte sie vor einem begeisterten Publikum Werke von Johann Sebastian Bach und Max Reger.

(ld) Welch ein Glück für die Gemeinde Brand, eine neue Orgel zu haben. Welch eine Freude, große Organisten im Rahmen des Jubiläumsjahres nun bei atemberaubenden Konzerten hören zu können. Ein solch grandioses Konzert erlebten 100 Besucher beim Gastspiel der vielfach ausgezeichneten Künstlerin Anna Victoria Baltrusch, die in Leipzig einen Lehrauftrag für Künstlerisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik und Theater hat und dazu noch an der Tonhalle-Orgel des Neumünsters Zürich als Organistin tätig ist.

Unermüdlicher Fleiß


"In so jungen Jahren eine so lange Liste an Auszeichnungen vorweisen zu können, kann nur eine große Karriere bedeuten", wird Bürgermeister Ludwig König und Vorsitzender des Kulturellen Förderkreises der Gemeinde Brand unter dem Eindruck des Konzerts am Ende zusammenfassen. Viele Besucher wollten der jungen Künstlerin zu ihrem wahnsinnigen Talent und dem großartigen Konzert beglückwünschen, und Anna Victoria Baltrusch musste noch lange viele Hände als Ausdruck der Hochachtung und des Dankes schütteln.
Was die Besucher erlebt hatten, entstand in den beiden Tagen ihrer Anwesenheit in Brand, wo sie sofort nach Eintreffen auf die Orgelbank stieg und in nicht weniger als sieben Stunden am Stück das große Reger-Werk "Wachet auf, ruft uns die Stimme" Opus 52/2 einzurichten. Und das tat sie mit faszinierender Geduld und Akribie, probierte immer wieder neue Registrierungen aus, um auch die beiden Schweller wohlüberlegt und sehr differenziert einzusetzen. Selbst Schwellerstellungen wurden im Notenbild festgehalten.

Zum breiten Forte


Wie schafft man es, über nur zwei Takte vom zarten Pianissimo zum breiten Forte zu kommen? Das geht nur über das Verbinden der Manuale, auf denen die Reihenfolge der Register genauestens überlegt werden muss und das Weiterschalten der entsprechenden Sequenzer, wobei nun noch das Öffnen des Schwellers geschehen muss. Zu viele Tätigkeiten in der kurzen Zeit, die sie allein gar nicht schaffen kann.


Da bedurfte es der Hilfe eines versierten Organisten aus Weiden, Hans Dotzler, der mächtig gefordert war, was ihm ungeheure Kraft kostete, er seine Sache aber doch mit Bravour meisterte. Auch er hat während des Konzertes eine großartige Leistung vollbracht.
Mit leichterer Kost begann das Konzert zum Thema "Wachet auf", bei dem die Organistin mittels Beamer auf der Wand neben dem Altarraum zu sehen war. Eine Bearbeitung von Johann Sebastian Bach des Liedes mit dem gleichen Titel vermittelte einen Eindruck vom großen Können von Anna Victoria Baltrusch, machte gespannt auf mehr. Der Wunsch wurde erfüllt.

Vielfältige Dynamik


Aus "Zwölf Stücke für Orgel", Opus 59, hatte die Musikerin das "Präludium" und "Melodia" ausgesucht. Dem Zuschauer führte sie dabei sehr deutlich vor Augen, dass nun nach dem Sprung in die Romantik Vielfalt in der Dynamik gefordert ist, wobei Reger-Werke diesbezüglich noch einmal ein Extrem darstellen. Häufiges Umregistrieren, Wechsel in den Manualen, Bedienen der Pistons mit den Füßen und Schließen und Öffnen der Schweller.

All das hatte die Organistin in insgesamt zehn Stunden, in denen sie sich an der Weimbs-Orgel auf das Konzert vorbereitete, exakt festgelegt. Entsprechend groß war der Erfolg bei der Aufführung. Harmonische Phasen, sehr dezent und weich registriert, wechselten mit plötzlich auftretenden dissonanten Phasen, heftig und scharf im Ausdruck. Max Reger, wie ihn die Fan-Gemeinde kennt. Erholung bei "Präludium und Fuge Es-Dur" von Johann Sebastian Bach.

Angenehm und wohltuend registriert ließ sie die Transparenz barocker Musik strahlen, achtete auf durchgängig klare Linie beim Herausarbeiten des in den Manualen und im Pedal gut in Erscheinung tretenden Motivs und bewies dabei, dass die romantisch ausgerichtete Orgel auch zu barocken Klängen fähig ist.

Noch einmal waren die Zuhörer mächtig gefordert, mussten sich gefasst machen auf große Unterschiede in Lautstärken, konnten sich den stets widersprüchlichen Max Reger vorstellen, um in längeren dissonanten Phasen auch immer wieder einmal den Atem anhalten, um sich in der schließlich erlösenden Harmonie wieder zurücklehnen zu können. Der "Meister des Kontrapunkts" hat mit diesem Stück in derart schöner und präzise ausgefeilter Gestaltung einen klaren Beweis dafür geliefert.

Schlussakkord


Schließlich das Ende. Aneinandergereihte, verminderte Akkorde, sich verdichtend und steigernd in der Lautstärke bis zum großen Dur-Schlussakkord konnten nur die Besucher nach der Fermate nur von den Sitzen reißen. Mit einem nicht enden wollenden Applaus dankte das Publikum der zierlichen jungen Frau, die mit umso kräftigerem musikalischen Ausdruck den begeisterten Besuchern ein großes Geschenk überbracht hatte.

Ohne Zugabe geht ein derart grandioses Konzert nicht zu Ende. "Wachet auf, ruft uns die Stimme" wurde nach einer kurzen Improvisation gerne und engagiert mitgesungen.
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