Passionssingen in der Pfarrkirche Nagel
Musikalische Sternstunde

Kultur
Brand
24.03.2016
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Freude und Leid sind am Palmsonntag nah beieinander. Beim Passionssingen in der Pfarrkirche in Nagel rückte das Leiden Christi in dramatische Nähe, war aber auch eine Brücke zwischen Tod und Leben.

Brand/Nagel. Das schlug sich vor allem in Text und Musik nieder. Interpretation, Stimmsicherheit und -volumen und wohlüberlegte Dynamik zeichnete den veranstaltenden MGV "Max Reger" aus Brand unter der Leitung von Bertram Nold aus. Nicht nur eine musikalische Sternstunde, sondern auch eine Stunde für notleidende Kinder in Südafrika, denen der gesamte Erlös des Konzerts zugute kommt. Das Konzert mit den Gästen Annemarie Küstner, Querflöte, Cornelia Kratz, Sopran, Walter Reischer an der Orgel, dem MGV und den Sprechern (Cornelia Kratz und Bertram Nold, Gesamtleitung, Gestaltung) wurde zu einem berührenden Erlebnis.

Dem Alltag entfliehen


Eine Sonate für Querflöte, unbegleitet und deshalb die Stimmung der Passionszeit unterstreichend, lud ein, sich dem Alltag zu entziehen. Auch die weiteren Stücke, die Annemarie Küstner mit Walter Reischer vortrug, erfüllten diesen Anspruch. Mit "Blick auf, mein Geist, der Herr ist da, der für mich starb auf Golgotha" - Benedictus aus der "Faist-Messe" - forderte der Männerchor dazu auf, sich dem Geschehen der Passionszeit zu widmen. "Mein Heiland, Herr und Meister", Agnus Dei aus der Schubert-Messe und das "Lamm Gottes, o erbarme dich" von Anton Faist galt als Vorgriff auf das Geschehen der Karwoche.

Das "Gebet" von Georg Friedrich Händel gestalteten die Männer sensibel und ausdrucksstark. Es ging zurück in die Realität, wo "Millionen Menschen hungern." Der klare Sopran von Cornelia Kratz zog die Zuhörer beim "Ave verum corpus" von Wolfgang Amadeus Mozart in seinen Bann, ebenso das "Gebet" von Ferdinand Hiller "Herr, den ich tief im Herzen trage, sei du mit mir", das die Sopranistin mit Walter Reischer zu einer Bitte werden ließ.

Der Alltag braucht solche Bitten; die "Friedenskonferenz am Tisch der Großmutter" etwa, wo der gute Wille und das gegenseitige Reichen der Hände genügen, um zu einer Lösung zu kommen. Da wird der "Finnischen Bittgesang", eine einfache Melodie mit Ostinati zu einem dynamisch eindrucksvoll gestalteten musikalischen Gebilde geformt und der Übergang zu den beiden Gospels "Were you there" und "Go down, Moses" gelingt nahtlos, sind sie doch nichts anderes als Ausdruck der Unterdrückung einer schwarzen Minderheit: "Let my people go!" Rudi Ernstberger hatte dabei die Soloparts übernommen.

Nach weiterem Liedgut, folgte verbal die Bitte an Gott, auch die schwarzen Schafe, die schrägen Vögel, die Obdachlosen zu segnen und die bunten Hunde, die Verliebten "und uns alle - dass alles neu werde. Ganz neu." Nach den Segensworten von Pater Joy waren die Besucher beim Klang der Glocken eingeladen, über jene Menschen nachzudenken, die zurzeit nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Für Schuluniformen


Dazu gehören auch die Kinder von Kokstad, für die der Erlös des Benefizkonzertes gedacht war: 1050 Euro sind für die Anschaffung von Schuluniformen gedacht. Der Zugang zur Bildung ermöglicht den Buben und Mädchen eventuell eine realistische Perspektive.
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