Reger hätte sich gefreut

Auch Max Reger hätte applaudiert: Marie-Therese und Dr. Stephan Daubner, ein gebürtiger Fichtelberger, rissen die Zuhörer in der Brander Pfarrkirche zu Beifallsstürmen hin. Bild: ld
Kultur
Brand
09.08.2016
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Bombastisch, fulminant, grandios, ausdrucksstark. Himmlische Musik. Das ist aber nur eine unvollständige Aufzählung von Attributen, die ein derart großartiges Konzert beschreiben.

Das Ehepaar Marie-Therese und Dr. Stephan Daubner, ein gebürtiger Fichtelberger, gastierte im Rahmen des Reger-Jahre 2016 in Brand und riss die Zuhörer der gut besetzten Pfarrkirche zu wahren Beifallsstürmen hin.

Mit der Phantasie für Orgel über den Choral "Wie schön leucht' uns der Morgenstern" opus 40/1, stieg Stephan Daubner ins Programm ein und ließ schon nach wenigen Takten erkennen, dass er sich in den Tagen vorher die Orgel vertraut gemacht hatte, um alle die Spielhilfen zu benützen, die das Instrument bietet, um ihm den wirklichen Reger-Klang mit seiner bis ins letzte Detail ausgefeilten Dynamik zu entlocken. Präzise Schweller-Stellungen, vermerkt in den Noten, machten sehr fein dosierte Lautstärkeveränderungen möglich. Die Walze fand immer wieder ihren Einsatz und spürbar Freude hatte er am Einsatz des Generalschwellers, eine Einrichtung, die man nur äußerst selten an Orgeln findet.

All das hatte sich Stephan Daubner in den Tagen vor dem Konzert angeeignet, wohlüberlegt eingesetzt und mehrfach ausprobiert. Sein Gastspiel bleibt den Zuhörern lange in Erinnerung. Eindrucksvoll, Kopf und Seele ansprechend, wurde das Werk zu einem Erlebnis, schuf es Spannung, wenn über nur wenige Takten das Instrument von einem vierfachen Fortissimo auf ein vierfaches Pianissimo "heruntergebremst" werden musste, ließ es die Besucher den Atem anhalten, wenn wieder einmal das 16-füßige, angenehm schnarrende Fagott-Register zum Einsatz kam. Gefordert, sich auf den widersprüchlichen und doch auch ausgeglichenen Reger einzulassen, endete das Stück mit mächtigem Applaus. Dabei hatte es der Organist seinen Zuhörern mit der Auswahl des Stückes nicht zu schwer gemacht. Der in vielen Facetten durchgängig hörbare Choral faszinierte doch immer wieder, nahm die Zuhörer einer von spannungsreichen Dissonanzen und befreiend klar wirkenden Phasen geprägten Vielfalt entlang mit zu einem Freude versprühenden, harmonischen Schluss. In Erbendorf hat Reger dieses Stück komponiert, als er sich 1914 anlässlich eines Besuchs seines Paten Theodor Roll dort aufhielt.

"Ich weiß gar nicht, warum diese Solo-Suiten so selten aufgeführt werden?", fragte die Cellistin Marie-Therese Daubner nach dem Konzert. Die Antwort ist einfach: Man wagt es nicht, sie ins Programm aufzunehmen, weil man glaubt, die Zuhörer zu überfordern. Die virtuose Darbietung der Solo-Suite opus 131c, wischte all diese Bedenken beiseite. Die diesem Stück sehr dienliche Akustik, die der Klangvielfalt und dem Klangvolumen des Instruments sehr entgegenkam, unterstützte noch einmal den ohnehin starken Ausdruck des Stücks und half der Solistin, ihre musikalische Botschaft tief in den Herzen der Zuhörer zu verankern.

Marie-Therese Daubner überzeugte mit unglaublichem Können und mit unvorstellbarer Sicherheit und entführte die begeisterten Besucher über drei lange Sätze hinweg, von denen keiner eine Sekunde spannungslos war, in Max Regers Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Den Applaus dufte die Künstlerin als tiefe Verneigung vor ihrem Können interpretieren. Zurücklehnen und vergleichsweise leichte Kost genießen durften die Zuhörer bei dem gemeinsamen Stück, bei dem Bachs Suiten für Violoncello solo Paten standen; die Aria opus 103 A/3 für Violoncello und Orgel.

"Was würde Max Reger sagen, hätte er heute Abend bei diesem wunderbaren Konzert zugehört, zumal Künstler aus den Region um das gottverlassene kleine Nestchen, wie er seinen Geburtsort einmal genannt hat, seine Werke so grandios zu Gehör bringen?", fragte Bürgermeister Ludwig König in seinem Schlusswort, und war sich sicher: "Er hätte sich gefreut." Das Konzert endete mit zwei Zugaben, unter anderem "Mariä Wiegenlied" mit Orgel und Cello.
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