Volksschauspiel von Theatergruppe Brand
Schwank im urbayerischen Stil

Kultur
Brand
10.01.2016
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Das Volksschauspiel hat Hochkonjunktur im Winter. Dabei ist das Angebot der Theatergruppe Brand immer ein besonderer Höhepunkt. Bereits vor Weihnachten waren alle sechs Vorstellungen des Stückes "Eine fast sündige Nacht" ausverkauft. Auch nach 30-jährigem Bestehen bewies die Gruppe ein gutes Händchen bei der Auswahl ihres Stücks.

Doch nicht nur die passt - auch das Bühnenbild, die Maske und das Licht sind perfekt aufeinander abgestimmt. Der Inhalt des Stücks folgt zwar dem Muster des üblichen Schauspiels - drei Akte, Chaos in den Liebes-Beziehungen, das schließlich im dritten Akt zur Zufriedenheit aller aufgelöst wird - dennoch fiebert das Publikum während der Aufführung mit den Darstellern mit.

Bereits die Vorfreude war groß: Man kennt die Schauspieler, weiß von deren Fähigkeiten, freut sich auf aufwendig erstellte Masken und Kostüme und ist ganz einfach gespannt, wie der Regisseur das Geschehen auf die Bühne bringt. Zweien gebühren die Lorbeeren dafür in diesem Jahr: Vroni Söllner arbeitete mit dem Vorsitzenden der Theatergruppe Jochen Erhardt zusammen - und beide brachten einen Schwank im urbayerischen, deftigen Stil auf die Bühne. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden öffnete sich der Vorhang und die Zuschauer fanden sich in einer Wirtsstube wieder - wie aus den 70er Jahren mit Spielautomat und Musikbox. Gleich zu Beginn sorgte Rosis Freund Stefan (Hannes Scherm) dort für einen fetzigen Auftakt.

Neue und alte Liebestolle


Ob das Firmenschild des Schönbrunner Erotikbier-Brauers nur zufällig den Tresen beleuchtete oder ob er gar die Aufführungen sponsert? Man weiß es nicht. Gepasst hatte es allemal, denn an eindeutigen Ausdrücken von jungen und am Ende auch älteren Liebestollen fehlte es in diesem Stück nicht. Dem Publikum gefiel es, und nicht nur das. Auch die schlauen Sprüche des Hochzeitsladers (Torsten Erhardt), die ungehaltenen Ausbrüche des Wirts (Markus Philipp) und die Szenen einer weinerlichen Wirtin (Veronika Kraus) riefen immer wieder Lachsalven hervor und lösten donnernden Applaus aus.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Bei den Steinbergers hat die Ehe ihren Tiefpunkt erreicht. Sie haben sich nichts mehr zu sagen und jedes Wort reizt den Anderen. Im Grunde geht es ihnen aber sehr gut - zu gut vielleicht? In solchen Situationen ist guter Rat teuer. Das frostige Klima greift auf die Dienstboten über - es entsteht ein "Reizklima". Da kommt der Kraxer Koni (Torsten Erhardt), der Hochzeitslader und Heiratsvermittler, auf eine gefährliche Idee. Er bringt Eifersucht ins Spiel und prüft damit die Liebe - ganz nach seinem alten Sprichwort: "Eifersucht ist Liebespflicht, wer nicht eifert, liebt auch nicht." Die Verwechslungen und Verwirrungen in einer von ihm inszenierten Nacht scheinen nicht mehr auflösbar.

Küchenhilfe (Maria König) und der Hausl (Tobias König) tragen mächtig zum Verwirrspiel bei, schließlich haben sie die "fast sündige Nacht" verbracht ohne zu wissen, wer der andere war. Köstlich, die Langsamkeit des Hausl und die nur nach außen getragene Biederkeit der Magd. Sie hat es faustdick hinter den Ohren. Zwischendurch haben Rosi (Leonie Reiß) und Stefan, beide jung, frisch und spontan, parallel zu den anderen Paaren ihre Beziehung gepflegt.

Ende gut, alles gut. Ehekrise beendet, alle, die sich finden mussten, haben sich gefunden. Es herrscht Friede in der Wirtsstube und sie liegen sich in den Armen, der Wirt und die Wirtin, die schon von Scheidung gesprochen und das getrennte Leben bereits eingeleitet hatten. Da wird jede nur kleine, unwichtige Äußerung mit einer entsprechenden Handbewegung und dem genau passenden Gesichtausdruck ergänzt. Jede Ausruf, jedes Wort, jede noch so unbedeutende Äußerung wirkt so echt und spontan, als wären sie den beiden eben grad eingefallen. Resolut und forsch kann Veronika Kraus auch sein, und auch das nimmt man ihr ohne Abstriche ab. Nicht weniger Markus Philipp, wenn er konsequent und herrisch seine Meinung vertreten muss und dabei auch schon einmal in Rage gerät. Hier passiert offenbar eine Identifikation mit der Rolle, die im Laienschauspiel ihresgleichen sucht.

Ausverkauftes Haus


Die Quote hat gepasst, sechsmal ausverkauftes Haus - kein Grund also, sein Profil zu ändern. Dennoch wäre es überaus interessant, die Brander Laienschauspieler einmal in einem Stück eines anderen Genres zu erleben. Sicher würden sie auch diese Aufgaben hervorragend meistern.

Der Gründer der Theatergruppe, der ehemalige Brander Pfarrer Richard Bauer, ist im November verstorben. Bei der 30. Theater-Saison erinnert man sich unweigerlich mit einem Lächeln an ihn - und da taucht jenes Bild von ihm auf, das auch sein Trauerbild trägt: einen herzhaft lachenden Richard Bauer. Auch an diesem Abend hätte er seine große Freude gehabt, ebenso wie das Premierenpublikum und jenes, das die noch fünf ausstehenden Aufführungen besuchen wird.
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