Große Musiker, große Musik

Lokales
Brand
03.12.2015
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Wer über Orgelmusik spricht, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Johann Sebastian Bach und Max Reger. Professor Kunibert Schäfer entlockte der nagelneuen Brander Orgel erstaunliche Klänge.

Barockzeit und Romantik verbinden sich zuletzt in Regers Ausspruch "Bach ist Anfang und Ende aller Musik". Dass Reger auch ein Werk mit dem Thema "B-A-C-H" geschrieben hat, mag diese Haltung noch einmal toppen. Welche Werke eignen sich also für eine Orgelweihe besser als jene dieser beiden Komponisten, ganz abgesehen von der Tatsache, dass der Brander Ehrenbürger Reger schon pflichtgemäß im Programm stehen muss.

Professor Kunibert Schäfer, der Sachverständige, der die Brander Weimbs-Orgel mit konzipiert hat, hat wohl bei der Erstellung seines Konzerts zur Orgelweihe Ähnliches gedacht, und so begann sein wunderschönes, knapp einstündiges Konzert mit Regers "Toccata in d-moll" (opus 59). Schwere, komplexe Akkorde, geprägt von reicher Chromatik, durchsetzt von Dissonanzen, spiegeln einen Reger wider, wie man ihn kennt: ein großer Komponist, widersprüchlich und schwierig in seiner Persönlichkeit.

Starke Gefühle

Dann wieder ein lockerer, eher humorvoller Mensch, der sich in hell registrierten Läufen wiederfindet. "Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'" (op. 67) wirkt da erst einmal als krasser Gegensatz. Im zarten Piano beginnend, über weite Strecken melodisch bleibend, ist er zunächst nicht zu erkennen. Die Gegensätze bleiben nicht; der Meister des Kontrapunkts setzt auf Spannung, und da ist er auch wieder, der aufgewühlte Reger, als der Organist die großen dynamischen Möglichkeiten des Instrumentes nützt, in "Lobet den Herrn, den König der Welt" (op. 67) den Fuß auf die beiden Schweller setzt, die gemeinsam den Generalschweller ergeben, sie langsam öffnet, um die Spannung gewaltig zu steigern, die sich schnell auf die Zuhörer überträgt, ihnen den Atem stocken lässt. Gleich dürfen sie sich erholen.

"O Lamm Gottes unschuldig" aus dem gleichen Opus präsentiert die bekannte Melodie mit feinen Registern. Ihr nähern sich zunehmend breitere, schwerere Klänge, die sie nicht weiter beeinflussen, sondern nur sanft umspielen. Der breite Sub-Bass dabei umhüllt auch die Zuhörer mit einem wunderbaren, dicken Mantel harmonischer Akkorde. Dann wirkt alles erst einmal wie aufgelöst, alle Widersprüche beseitigt, alle Dissonanzen verschwunden. Die musikalische Reise dieses herrlichen Konzerts ist im Barock angekommen. Rhythmisch akzentuiert, hüpfend fast, schafft Schäfer die Transparenz dieser 150 Jahre jüngeren Musik der Barockzeit, die sie so eingänglich und frisch macht.

Auch mit Schärfe

"Nun danket alle Gott"! Ein spieluhrartiges Gepräge verleiht er diesem großen Instrument durch schnell ansprechende Töne. Helle Register, auch mit etwas Schärfe gewürzt, bringt die von Bach vorgegebene Freude zum Ausdruck: "Nun freut euch, lieben Christen gmein". Die Vielfalt der Orgel sollte dieses Konzert auch zeigen und so musste sie sich auch als Begleitinstrument beweisen. Prüfung bestanden! Die Trompete, die René-Pascal Bauer bei "Jesu bleibet meine Freude" spielte, erwies sich als sehr kompatibel und anpassungsfähig und der Musiklehrer meisterte seinen Part exzellent. Das Spiel mit den beiden Schwellern, das nur wenige Orgeln ermöglichen, wird wohl bei Organisten auf großen Gefallen stoßen, eröffnen sie ganz neue dynamische Möglichkeiten.

Ein "gemäßigter Reger" - "Melodia" überschrieben - lässt ein solches Spiel mit den Einrichtungen zu und gab dem Stück einen ungeheuren Reiz. Nun hatte der 16-füßige Fagott seinen großen Part. "Jauchz, Erd und Himmel juble" heißt das Werk von Reger, hell und strahlend, in dem das großvolumige Register auftritt im Duktus eines alten, weisen Mannes, leicht schnarrend, keineswegs unsympathisch, auch einmal entschiedener und grimmiger werdend, doch nie andere übertönend. So schafft er die tragende Basis. Das Pedal des Schwellers des Hauptwerks drückt Schäfer langsam nach vorne, verleiht "dem alten Herrn" dadurch immer mehr Gewicht, bis alles so endet, wie es das Lob Gottes verlangt: Einigkeit in großer Harmonie. In einer warmen, wohlig weichen Hülle schön klingender Akkorde finden sich die Zuhörer wieder.

Feine Dynamik

Die Bratsche, gespielt von Jakob Schröder, Lehrer an der Kreismusikschule, bildet mit der romantisch ausgerichteten Orgel eine wunderbare Einheit. Schröder spielt hingebungsvoll, stimmt die Dynamik fein ab, lässt sich von der Orgel führen und verleiht so dem Titel Nachdruck: "Romanze"! Reizvolles Umspielen der Melodie, die der gefühlvoll und weich ansprechenden Trompete phrasenweise zugeordnet ist, bestimmen das gemeinsame Stück vor dem Finale: "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

Große Einheit trotz der verschiedenen Lautstärken von Streich- und Blasinstrument. Was anders sollte am Ende stehen als ein eindrucksvolles, kräftiges, ausdrucksvolles Lob Gottes: "Te Deum". Mit Reger fing das Konzert an, und mit ihm hörte es auf. Noch einmal alle Register gezogen, die ganze Breite der Orgel genutzt und Stück um Stück gesteigert. Nur im großen, strahlenden Tutti konnte dieses Konzert enden.

Dankbares Publikum

Pater Joy dankte den Musikern herzlich für dieses Geschenk am Nachmittag nach der Einweihung der neuen Orgel. Große Musiker hatten ein großes Konzert gestaltet und erhielten dafür den mit kräftigem Applaus zum Ausdruck gebrachten Dank des Publikums.
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