Pan-Flötist Roman Kazak und Wladimir Stebe am Flügel verzaubern die Zuhörer im Brander ...
Reise durch die großen Gefühle

Roman Kazak entzückte mit den Panflöte das Publikum. Bild: ld
Lokales
Brand
22.04.2015
1
0
Da werden Bambusrohre abgeschnitten, zusammengefügt zu einer Reihe, auf verschiedene Längen geschnitten und schon ist ein wunderbarer Konzertabend vorprogrammiert, vorausgesetzt, ein Künstler kann diese Panflöte so virtuos spielen wie der Moldawier Roman Kazak im Mehrzwecksaal in Brand.

Und wenn ein Musiker, der in Brand gastiert, sich auch noch dem Werk Max Regers widmet und sein Konzert mit den "Zwei Königskindern" beginnt, dann verdient er ein ganz großes Extra-Lob; nur ganz wenige haben bisher ihr Programm so zugeschnitten, dass es der Tatsache gerecht wurde, dass Max Reger nur wenige Meter entfernt, geboren ist.

Maria am Rosenhag

Im zweiten Teil dürfen die Zuhörer drei weitere Stücke von ihm - zumindest Bearbeitungen - erleben, darunter auch sein bekanntestes Lied "Maria sitzt am Rosenhag". Roman Kazak zelebriert das Stück mit großer Hingabe, schließt dazu die Augen und genießt selbst das sanfte Anblasen jedes einzelnen Tones. Gefühlvoller kann man es sich kaum vorstellen.

Im Laufe des Abends streift er alle Musikepochen, stellt gleich nach Max Reger ein "Menuett" und ein sehr reizvolles "Scherzo" von Bach ins Programm, Stücke von Mozart kommen dazu und er beschließt nach einem Abstecher in die moldawische Folklore den ersten Teil mit einer "Rhapsodie" von Franz Liszt. Bis dahin haben ihm die Stücke alles abverlangt, hat Roman Kazak viele Beweise seines großen Könnens geben, hat die Vielfalt seines Instruments gezeigt, wie man es sich nicht besser wünschen kann.

Dankbares Publikum

Atemberaubende Tempi in den Stücken, dazu fein abgestimmte Dynamik. Einer der Großen der Panflöte hat hier 50 Zuhörer in den Saal gelockt, die mit starken Ausdrücken der Begeisterung den Saal nach eineinhalb Stunden verließen. Für acht Euro hatten sie abwechslungsreiche und beste Unterhaltung erlebt und dafür zeigten sie sich dankbar.

Wohlverdient wird Roman Kazak in der Fachwelt "Prince of Pan" genannt. Allein allerdings würde ihm das nicht gelingen. Sein Begleiter am Flügel unterstützt dieses Können ebenso virtuos und das Zusammenspiel der beiden Künstler. Das Konzert wurde in Brand nicht nur zum Ohrenschmaus sondern auch zur Augenweide. So perfekt können nur zwei Musiker zusammenspielen, die das schon seit vielen Jahren gemeinsam tun. Nicht einmal Blickkontakt zwischen den beiden gibt es, wenn Wladimir Stebe den Klavierhocker verlässt und sich ans Keyboard setzt. Er braucht dieses, um spezielle Effekte ins Konzert einzubauen. Er steigt bei den barocken Stücken auf ein Cembalo-Register um, das der Aufführungspraxis der Bach-Zeit sehr nahe kommt. Ein "Strings-Register" unterstreicht die Panflöten-Stücke immer wieder sehr vorteilhaft und gibt ihnen eine besondere musikalische Aura.

Reiche Gestik und Mimik begleiten das perfekte Zusammenspiel und da ist vor allem die große Bescheidenheit der beiden Künstler, die sie überaus sympathisch macht und es den Zuhörern ganz leicht macht, ihnen ihre musikalische Botschaft abzunehmen: Freude an der Musik und am Musizieren, die gerade in den folkloristischen Teilen des Programms spürbar wird. Melancholisch versinkt Kazak immer wieder in die Welt des moldawischen Molls, das ebenso Schwermut wie auch große Heimatverbundenheit spüren lässt.

Kuckuck ruft

Die beiden Künstler nehmen ihre Zuhörer mit auf diese Reise in die Welt der großen Gefühle. Um Zugaben lassen sich die Musiker erst gar nicht bitten, der langanhaltende Applaus sagt ihnen, dass die Musikfreunde sie noch nicht entlassen wollen. Und da erleben sie noch einmal die große Vielfalt der Panflöten, von denen Roman Kazak zwei in verschiedenen Stimmlagen dabei hat. Der Kuckuck ruft, und der Pianist lässt das Echo dazu erklingen, als wäre man im Wald, und schließlich erwacht ein ganzer Vogelschwarm und löst noch einmal begeistertes Klatschen der Zuhörer aus. Für einen wunderbaren Abend mit zwei ganz großen Künstlern dankte Bürgermeister Ludwig König am Ende in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kulturellen Förderkreises.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.