Präzise Stück für Stück

Lokales
Brand
03.09.2015
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Wer am Wochenende einen der beiden Gottesdienste besucht hat, konnte - bei aller Andacht natürlich - die neue Orgel in ihrer vollen Größe bestaunen. Aber nur mit den Augen, die Ohren müssen warten.

Weiter nach vorne geschoben und das Hauptregister über die Brüstung gebaut, soll die Königin der Instrumente auch den hinteren Teil der Kirche, die sogenannte "alte Kirche", optimal beschallen. Dieser Vorschlag war bei Auftragserteilung einer der Gründe, die Firma Weimbs aus Hellenthal zu beauftragen. Wer den Aufbau Zug um Zug verfolgt hat - einige Brander waren wirklich täglich vor Ort der konnte beobachten, dass hier wirkliche Fachleute am Werk sind.

Reich an Erfahrung

Äußerst beeindruckend, wie das Team aus einem Orgelbaumeister, einem Schreinermeister und zwei angehenden Orgelbauern perfekt zusammenarbeitet, Teil für Teil ineinanderfügt und das Instrument in rund drei Wochen Arbeit zum Klingen bringen wird. Es muss ein reicher Erfahrungsschatz sein, aus dem Orgelbaumeister Harry Dix schöpfen kann, wenn man bedenkt, dass sich Technik seit dem 16. Jahrhundert immer weiterentwickelt hat, auch wenn die Basis die gleiche blieb.

Dass die digitale Technik auch beim Orgelbau Einzug gehalten hat, sieht man auf den ersten Blick: am Spieltisch mit LED-Einstellungen und am Steuerzentrum, in dem die Impulse zum Registrieren, zum Verändern der Lautstärken und auch zum Speichern der 999 Möglichkeiten zusammengeführt werden. Auch das beherrscht Orgelbaumeister Dix. Der Blick in den unteren Bereich des Gehäuses macht eindrucksvoll deutlich, dass bei der diffizilen Arbeit äußerste Genauigkeit und Fingerspitzengefühl gefragt sind, um all die feinen Holzstreifen, verbunden mit Metallstäben und Leder, zu installieren, die eine komplizierte Mechanik ergeben, die schließlich die Luftzufuhr öffnet und die Pfeifen zum Klingen bringt.

Ruhe und Gelassenheit

Schreinermeister Christoph Goffart hat seine Erfüllung gefunden, wenn er von der Vielfalt der Tätigkeiten und von täglichen neuen Anforderungen spricht. Sehr anspruchsvoll ist seine Arbeit. Präzise muss Stück für Stück zusammengefügt werden. Alles passiert in beeindruckender Ruhe.

Azubi Markus Moutschen kommt aus Belgien und ist bereits im zweiten Lehrjahr. Keine langen Erklärungen sind mehr nötig, wenn er neue Aufträge übertragen bekommt und sich etwa an das schwierige Einhängen der Tasten macht. In Ludwigsburg werden die Orgelbauer ausgebildet. "Und was kann man nach dreieinhalb Jahren Lehrzeit?" Bescheidene Antwort: "Dann hat man eine Ahnung vom Orgelbau." Für den Laien, der zum ersten Mal den Aufbau einer Orgel miterlebt, ist das alles unverständlich. Erst Stück für Stück lernt man die Zusammenhänge zu verstehen. Jede Orgel muss dem Raum angepasst werden, und das macht die Arbeit so schwierig.

Pfeifen richtig einstellen

Sebastian Schmidke ist erst seit einem halben Jahr dabei. Nach dem Abitur hat er erst einmal Musik für Lehramt studiert und sich nach zwei Semestern für den Orgelbau entschieden. Bereut hat er seine Entscheidung nicht, denn zur Orgelmusik hat er schon lange eine Beziehung. Wie alle Kollegen spielt auch er Orgel, und er bereitet sich neben der Ausbildung auf die kirchenmusikalische C-Prüfung vor, die zu Organisten- oder Chorleitertätigkeit berechtigt. Noch in dieser Woche wird die Orgel fertig aufgebaut sein. Wenn das vierköpfige Team sich dann nach fast drei Wochen aus Brand verabschiedet, ist das gute Stück noch lange nicht fertig. Ihnen folgt für mehrere Wochen der Intonateur, jener Fachmann unter den Orgelbauern, der sich darauf spezialisiert hat, den Klang einzurichten, die Lautstärken der Pfeifen einzustellen - in Brand sind es rund 1150. Sie müssen gestimmt und abgestimmt werden, so dass am Ende ein optimales Klangbild entsteht. Das Gerüst vor der Empore wird deshalb noch einige Wochen stehenbleiben.
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