Sanierungsstau am Wild-Highway

Die Straße von Brand und Mehlmeisel hat nicht überall einen guten Belag. Mitunter wähnen sich Autofahrer auf einem mittelalterlichen Karrenweg. Was konkret in Sachen Ausbau passiert, steht noch in den Sternen. Bild: gis
Lokales
Brand
03.08.2015
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Seit Jahren hakt der Ausbau der Straße zwischen Brand und Mehlmeisel. Inzwischen hoffen die Beteiligten, dass der Weg über eine ganz spezielle Brücke führt.

(wüw) Die Straße nach Mehlmeisel führt nicht nur in einen anderen Regierungsbezirk, die Fahrt nach Oberfranken ist immer auch eine Zeitreise: Kurz vor der Landkreisgrenze im Tal des Fuhrbachs wähnt sich der Autofahrer plötzlich auf einem mittelalterlichen Karrenweg, ganz sicher aber nicht mehr auf der Staatsstraße, die ihn komfortabel aus Brand herausgeführt hat und auf der er wenige Kilometer später Mehlmeisel erreichen wird. Auf rund zwei Kilometern ist die sonst gut ausgebaute Staatsstraße 2181 plötzlich kraterig wie der Mond, eine Ansammlung vieler Schlaglöcher.

Die Forst Ebnath AG steht dem Ausbau im Weg - dieses Gerücht macht in der Region schon länger die Runde. Dem Unternehmen gehört der Wald links und rechts der Straße, für den Ausbau müsste es etwas Grund abgeben, weigere sich aber, heißt es. Vorstand Norbert Wagner versucht erst gar nicht, dies abzustreiten. Tatsächlich habe die Forst AG dem Ausbau bislang nicht zugestimmt, dafür gebe es aber gute Gründe - und eine Einigung mit dem seit einem Jahr alleine für den Ausbau zuständigen Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach sei in Sicht.

"Es kann gut sein, dass wir die verbleibenden Details noch in diesem Jahr klären, dann geht es nur darum, das nötige Geld für den Ausbau vom Freistaat zu bekommen. Aber auch damit soll es nicht schlecht ausstehen", erklärt Wagner. Der Chef der Aktiengesellschaft lobt den Leiter des Bauamts, Henner Wasmuth. Seit der sich in die Diskussion einbringt, sieht Wagner seine Bedenken gegen einen einfachen Ausbau ernst genommen.

Denn für Wagner ist das Fuhrbachtal nicht einfach ein Stück Wald, es ist eine der wichtigsten Wanderrouten für die Wildtiere des Fichtelgebirges. Im Herbst nutzen sie das Tal um von den Höhen des Schneebergs und Ochsenkopfs in die Niederungen bei Weidenberg zu ziehen. Im Frühjahr wandern die Tiere den umgekehrten Weg. Auf diesem Weg kreuzen sie die Staatsstraße. Deren schlechter Zustand sorge dafür, dass Wildunfälle trotz des tierischen Verkehrs selten sind.

"Die Geschwindigkeit ist auf 60 Stundenkilometer beschränkt", sagt Wagner. Wenn die Autos nach einem Ausbau 100 Stundenkilometer fahren, werden die Unfälle zunehmen, ist Wagner sicher. Er glaubt sogar, dass eine ausgebaute Staatsstraße den Tieren ihren Wanderweg dauerhaft versperren könnte, mit kaum absehbaren Folgen für den Bestand. Wagner möchte dem Ausbau nur zustimmen, wenn die Tiere eine Querungshilfe erhalten. Der Forstmann fordert eine Wildbrücke über oder einen -durchlass unter der Straße. So sollen die Routen des Wilds erhalten bleiben, ohne Tiere und Verkehr zu gefährden. Inzwischen sei er sich mit dem Staatlichen Bauamt grundsätzlich einig. "Es geht noch um die Details", sagt Wagner.

Bei der Einigung hat sich auch Tobias Reiß eingebracht. Seit zwei Jahren führe er mit der Forst AG Gespräche auch im Auftrag von Landrat Wolfgang Lippert. Auch Staatssekretär Gerhard Eck aus dem Bayerischen Verkehrsministerium habe mit Norbert Wagner gesprochen und Unterstützung signalisiert. Gut möglich also, dass für die Staatsstraße 2181 der Weg in die Zukunft bald offen steht.
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