Bayerischer Rundfunk beendet den Orgelsommer 2016 in Brand
Grandioses Orgelkonzert mit Bernhard Buttmann

Moderne Technik in historischen Mauern. In der Brander Pfarrkirche ging ein besonderes Konzert vonstatten, dass die Hörer von "B 5 Klassik" in Kürze auch genießen dürfen.
Vermischtes
Brand
07.10.2016
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Mit einem grandiosen Konzert mit dem Nürnberger Organisten Bernhard Buttmann schloss der Bayerische Rundfunk in Brand seinen Orgelsommer. Der Künstler hat übrigens auf Orgeln in ganz Deutschland das gesamte Werk Regers auf 16 CDs eingespielt. Bilder: ld (2)

Das Max-Reger-Jahr neigt sich dem Ende zu. Beim letzten Konzert des Orgelsommers des Bayerischen Rundfunks spielte Bernhard Buttmann in der Brander Pfarrkirche Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms, Josef Rheinberger und natürlich Reger. Der BR zeichnete das große Ereignis auf.

(ld) Es war ein Glanzpunkt des Reger-Jahres für alle anspruchsvollen Musikfreunde. Schon am Tag vor dem Konzert war der Künstler im Ort eingetroffen, um sich mehrere Stunden an der Orgel aufzuhalten. Fotos von der Anordnung der Register-Züge und der Lage der Spielhilfen waren ihm schon mehrere Wochen vorher zugesandt worden. Das Orgelkonzert war nach München, Ingolstadt und Pfaffenhofen das letzte der Reihe "Bayerischer Orgelsommer 2016" des Bayerischen Rundfunks.

Sendung auf "BR Klassik"


Schließlich traf ein Übertragungswagen ein und die Mitarbeiter begannen, die notwendigen Gerätschaften in der Kirche zu installieren, so dass bald der Soundcheck gemacht werden konnte. Das Konzert wird eines Tages auf "BR Klassik" gesendet. Der Termin steht nicht fest.

Bei der Zusammenstellung des Programms durften auch Wünsche geäußert werden. Dem Wunsch nach eher kürzeren Stücken kam Buttmann gerne nach, und so hatte er für den Geburtsort Max Regers ein Programm zusammengestellt, das Bürgermeister Ludwig König als Vorsitzender des Kulturellen Förderkreises als "sehr ausgewogen, sehr ab-wechslungsreich und vor allem sehr logisch" bezeichnete.

Ausgewogenes Programm


Zu Brahms und Rheinberger hatte Max Reger eine gute Beziehung. Der Einfluss der beiden Komponisten auf ihn ist unbestritten, und auch die Tochter von Felix Mendelssohn-Bartholdy kannte Reger noch persönlich. Mit einem Werk von ihm begann Bernhard Buttmann sein Konzert, um in den nächsten 70 Minuten die Entwicklung der Orgelmusik des 19. Jahrhunderts zu verdeutlichen - und dies derart beeindruckend, dass Stück für Stück die Intensivierung durch verstärkten Einsatz von Chromatik und immer detaillierter werdender Dynamik deutlich hörbar wurde. Das verlangt wohlüberlegten Einsatz der Möglichkeiten der Orgel in äußerst diffiziler Vorarbeit, wofür auch die Zahl der gespeicherten Registrierungen eindrucksvolles Indiz ist. Die letzte Einstellung trug die Nummer 79.

Weich und fließend


Choralähnlich mit einem weich fließenden "Andante" begann das Konzert mit der 5. Sonate D-Dur von Mendelssohn-Bartholdy, mündete ein in sehr harmonisches "Andante con moto" mit einem sanft registrierten Bass, der die Melodielinie fein, hüpfend und bestechend genau rhythmisierend begleitet. In einem frischen Tempo, schärfer und volumiger, endete der Teil mit einem "Andante maestoso".

Leicht und flüssig begannen "Präludium und Fuge a-moll" von Johannes Brahms, nun deutlich romantisch, komplexer und dynamisch differenzierter. Die vielfältigen Möglichkeiten der Orgel beeindruckten bei der abschließenden Fuge. Ganz unterschiedliche Lautstärken verwendet der Organist bei den drei Vorspielen aus opus 122. Sonate Nummer 4 a-Moll, opus 98, "Tonus Peregrinus" von Josef Gabriel Rheinberger stand anschließend auf dem Programm, sehr abwechslungsreich gestaltet durch den Einsatz der zahlreichen Spielhilfen. Es wurde kompakter und etwas dickflüssiger, bestens vorbereitet auf Max Reger, der einmal sagte: "Man macht mir oft den Vorwurf, dass ich absichtlich so schwer schreibe; gegen diesen Vorwurf habe ich nur eine Antwort: Dass keine Note zu viel darin steht."

Schließlich der Höhepunkt des Konzerts. Dass beim Aufschlagen der Noten von "Introduction und Passacaglia in d-moll" die Kamera den Zuhörern einen Blick auf die Seite gönnte, mochte noch einmal zur Verstärkung der Spannung beigetragen haben. Dann greift Buttmann bei einem Tutti in die Tasten, macht die Dissonanzen der schwierigen Akkorde dadurch fast spürbar, wählt immer wieder neue Sequenzen, um der Dynamik des Stücks gerecht zu werden.

Gewaltiger Applaus


Man muss ihn kennen, diesen Max Reger, um diese starken plötzlichen Veränderungen nachvollziehen zu können. Der Meister des Kontrapunkts steigert die Spannung, um gegen Ende des Stücks noch einmal zu verdichten und schließlich die gebündelten Dissonanzen in einem befreienden Schluss zu aufzulösen. Der Applaus ist gewaltig, und der Bürgermeister dankt dem Künstler für ein grandioses Konzert: "Ein Meilenstein in der Reger-Pflege in Brand".
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