Begegnungsnachmittag in Brand
Spannungen abbauen

Einheimische und Asylbewerber nutzen den Nachmittag zum entspannten Knüpfen von hoffentlich nachhaltigen Kontakten. Bilder: rgb (3)
Vermischtes
Brand
02.06.2016
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Zu Essen gab es landestypisches Gebäck.

Rund 40 Flüchtlinge haben augenblicklich in Brand eine Bleibe gefunden. Sie alle stammen aus Syrien und sind schmerzliche Wege gegangen. Einige entspannte Stunden zu genießen, hilft den Menschen weiter.

Um Spannungen und Vorurteile zwischen Bürgern und Asylsuchenden abzubauen und um eine schnellere Integration zu fördern, hatte der Ausschuss Jugend, Familie und Soziales der Gemeinde zu einem Begegnungsnachmittag eingeladen. Der Mehrzwecksaal war gut gefüllt als Bürgermeister Ludwig König die Gäste begrüßte, unter ihnen Bürgermeister Theo Bauer aus Nagel, Marianne Fütterer, Mitarbeiterin des KoKi-Netzwerks beim Landratsamt Tirschenreuth, und als Vertreter beider Konfessionen Pater Joy und Pfarrer Kraft. Ein besonderer Gruß galt dem Helferkreis Nagel.

Ein syrischer Gast stellte "sein" Land vor: Was veranlasst Menschen, diesen weiten Fluchtweg in Kauf zu nehmen? Muslime, Juden und Christen lebten über Jahrhunderte friedlich nebeneinander. Als das Land von Frankreich im Jahre 1946 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, war bereits eine politische Instabilität erkennbar. Die Differenzen waren noch überbrückbar bis zur Revolution 2011, dem Ausbruch des Bürgerkriegs.

Massive Übergriffe


Die Maßnahmen des Regimes gegenüber der Bevölkerung wurden immer massiver, Demonstrationen wurden brutal niedergeschlagen, die Armee wurde eingesetzt. Übergriffe auf die Nachbarländer Jordanien und Israel folgten. Die Folge davon ist, dass der Krieg nun schon vier Jahre dauert. Die Bevölkerung hatte immer mehr unter dem Regime von Präsident Baschar al-Assad zu leiden. Folter, Vergewaltigung und weitere Gräuel sind an der Tagesordnung. Auch die Armut stieg rapide an, es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit.

Viele Menschen sehen für sich keine Zukunft in ihrem Heimatland. Heute leben in Syrien 23 Millionen Menschen, 40 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Die Haupterwerbsquellen sind Landwirtschaft und Dienstleistungen. Die Industrie hat nur untergeordnete Bedeutung. Einnahmequellen entstehen auch aus der Förderung von Erdöl und Erdgas. Hocharabisch ist die eigentliche Amtssprache, ab der ersten Klasse wird Englisch gelehrt.

Gezeigt wurden auch Bilder, die vor dem Krieg aufgenommen wurden, und dem heute herrschenden Zustand gegenüber gestellt wurden. Bedeutende historische Stätten wie Damaskus, Aleppo und Palmyra sind zerstört. Der Vortrag machte betroffen, eine Diskussion im Anschluss wollte nicht aufkommen. Auch kulinarisch stellten sich Syrien und Deutschland vor. Ob landestypisches Gebäck oder deftige Speisen, die Besucher hatten die Wahl. Die Vereine der Gemeinde präsentierten sich auf Schautafeln zur Vereinsarbeit, Mitglieder standen für Auskünfte bereit. Die Kinder belagerten eine Spielecke oder beteiligten sich an einer Blumen- und Kräuterpflanzaktion.

Angeregtes Gespräch


Kontakte wurden geknüpft, beispielsweise zu einer 17-Jährigen, die an diesem Nachmittag ihre Deutschkenntnisse erweitern wollte und sich deshalb angeregt mit ihrer Tischnachbarin unterhielt. Dabei war auch zu erfahren, dass sie den Deutschunterricht seit Oktober 2015 besucht
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