Feuerwehr Fuhramnnsreuth tritt bei Wettkämpfen an
Löschen gegen die Zeit

Die Wettkampfgruppe der Feuerwehr Fuhrmannsreuth in Aktion. Zusätzlich zum Löschaufbau müssen sie noch einen Hindernis-Parcours absolvieren. Körperlich vollbringen sie dabei Höchstleistungen, ein Sportprogramm nach Feierabend ist da nicht mehr notwendig. Bilder: hfz (2)
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08.09.2016
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Carsten Bauer, einer der jüngsten Kommandanten in der Region. Bild: pckl
 
Besonders stolz ist der Kommandant auf die Damenmannschaft, die amtierenden Bayerischen Meisterinnen. Sie schneiden oft besser ab als die Männer.

Jede Sekunde zählt. Schläuche ausrollen, anschließen, Löschangriff starten. Und das innerhalb einer Minute. Für die Wettkampfgruppe der Feuerwehr Fuhrmannsreuth ist das eine sportliche Disziplin, die aber im Ernstfall Leben rettet.

Fuhrmannsreuth. Feuerwehren müssen immer Höchstleistungen bringen, keine Frage. So schnell wie die Wettkampfgruppe der Feuerwehr Fuhrmannsreuth ist jedoch selten eine. "Was eine normale Feuerwehr in fünf Minuten macht, schaffen wir in einer Minute", sagt der Kommandant Carsten Bauer.

Außer dem Löschaufbau müssen sie noch einen Staffellauf mit Hindernissen bewältigen, über Balken laufen, über Wände und durch Rohre klettern. "Vom Start weg hat jede Mannschaft 500 Punkte. Für jede Sekunde im Parcours und jeden Fehler werden Punkte abgezogen." Zum Bestehen muss die Mannschaft noch mindestens 320 haben. Die Fuhrmannsreuther waren noch nie unter dieser Marke.

Das Ganze ist alles andere als ungefährlich. Leichte Blessuren seien Standard, schlimmere Verletzungen sind bei der Mannschaft aber noch nicht vorgekommen.

Für die Wettbewerbe ist eine intensive Vorbereitung notwendig. Zwei- bis dreimal pro Woche trainieren sie, zusätzlich zu den allgemeinen Übungen. Für das Training hat sich die Wettkampfgruppe einen zweiten Satz Ausrüstungsgegenstände zugelegt, "damit wir nicht jedes mal das Auto komplett ausräumen müssen". Eine Einheit dauert ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde, in dieser Zeit schaffen sie zwei bis drei Durchgänge. Mehr wäre nicht drin. Die Anstrengungen seien enorm, erklärt Bauer. "Man bewegt sich nur 100 Meter vorwärts, ist aber danach trotzdem komplett kaputt." Viel Sport ist da nicht mehr nötig, "das hält fit".

Hut ab vor den Mädels


Eine bessere Vorbereitung auf den Ernstfall könnten die Feuerwehrleute gar nicht haben. "Bestimmte Handgriffe beherrscht man natürlich blind nach so viel Übung. Mittlerweile können wir unsere Zeit fast auf die Zehntelsekunde genau einschätzen. Auch Fehler bemerken wir sofort." Denn die Wettbewerbe laufen immer nach dem gleichen Schema ab.

Alles begann 2009 mit einem Wettkampf in Etzenricht. "Wir wollten einfach mal hinfahren, mitmachen und uns anschauen, wie so etwas abläuft", erzählt Bauer. Mit Ach und Krach haben sie damals genug Leute für eine Mannschaft zusammenbekommen. Nach dem Wettbewerb war klar: "Das müssen wir weiter machen." Mittlerweile sind die Feuerwehrleute in ganz Deutschland und sogar international unterwegs. Bis nach Südtirol und Tschechien sind sie schon gefahren. 2011 haben sie dann den ersten eigenen Wettkampf ausgerichtet, und dann gleich die Bayerische Meisterschaft.

Auch andere Feuerwehren in der Gegend nehmen hin und wieder an Wettkämpfen teil, aber die Fuhrmannsreuther sind in einem weiten Umkreis die einzigen, die dauerhaft am Ball (oder Schlauch) bleiben. Mittlerweile ist die Wettkampfgruppe aus dem Steinwald überregional bekannt. Egal, wo sie unterwegs sind, man kennt sie. Und sie sind ernstzunehmende Konkurrenten. Sogar bei der Deutschen Meisterschaft waren sie dabei. Das Regal für die Pokale im Feuerwehrhaus platzt aus allen Nähten - obwohl es erst vor kurzem verlängert wurde.

Besonders stolz ist der Kommandant auf die Leistungen der Damenmannschaft. Zweimal hintereinander waren sie Oberpfälzer Meister, auf Anhieb haben sie sogar die Bayerische Meisterschaft gewonnen. "Bei jedem Wettbewerb sind sie vorne mit dabei. Das ist selten. Die Herrenmannschaften sind schon recht dünn gesät, oberpfalzweit gibt es vielleicht zwei oder drei." Von den elf weiblichen Mitgliedern der Feuerwehr sind alle auch in der Wettkampfgruppe, dazu eine Dame von der Feuerwehr Brand. Eine wirklich beachtliche Quote. Insgesamt seien noch recht wenig Frauen bei der Feuerwehr. Dabei machen sie ihren Dienst genauso wie die Männer, und teilweise sogar besser, betont Bauer. Zum Beispiel, wenn es um die Betreuung von Verletzten oder der Kinderfeuerwehr gehe. "Hut ab vor meinen Mädels."

Bauer selbst ist mit seinen 27 Jahren einer der jüngsten Kommandanten in der Region. 2014 hat er den Posten übernommen. Er macht seine Arbeit gern, auch wenn sie oft anstrengend ist. "Da hängt so viel dran, was man als Außenstehender gar nicht mitbekommt."

Nicht zu verbissen


Für die kurze Zeit seit der Gründung haben die Fuhrmannsreuther schon viel erlebt. "Die Fahrten bleiben immer positiv in Erinnerung. Es passiert immer etwas Lustiges." Bei einem Wettkampf in Tschechien trafen sie auf eine slowenische Damenmannschaft, mit der sie den Tag ausklingen ließen. In der Folge beschlossen einige Mitglieder, lieber bei den Ladies zu bleiben, anstatt die Heimfahrt anzutreten. "Wir mussten sie überlisten. Wir haben ihnen erzählt, zu Hause sei Katastrophenalarm."

Eine Feuerwehr-Wettkampfgruppe muss eben viele Herausforderungen bewältigen. Die nächsten Ziele hat Bauer schon vor Augen. Momentan treten die beiden Mannschaften noch in der Bronze-Stufe an. In der Silber-Stufe wird's dann schon komplizierter, die Positionen in der Gruppe sind dann nicht mehr fest vergeben, sondern werden ausgelost. Jeder muss alles perfekt beherrschen. Auch die Punktehürde wird immer höher. "Versuchen wollen wir es auf jeden Fall. Aber wenn es nicht klappt, ist es auch nicht so tragisch." Spaß und Kameradschaft gehören schließlich immer noch dazu. "Man darf das Ganze nicht zu verbissen sehen."

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Weitere Informationen:

www.ffw-fuhrmannsreuth.de/wettkampf.html

Kurz und bündig___

Fünf Fragen an den Kommandanten

Wann wurde die Wettkampfgruppe gegründet?

2009

Wie viele Mitglieder hat die Wettkampfgruppe?

20 (von 40 aktiven Mitgliedern der Feuerwehr)

Warum ist die Wettkampfgruppe etwas ganz Besonderes?

Der besondere Reiz liegt darin, dass es nicht jeder macht. In einem weiten Umkreis sind wir einzigartig.

Wie überzeugt ihr jemanden vom Beitritt?

Die Feuerwehr punktet vor allem durch den Umgang Technik und die enge Kameradschaft.

Was ist das Highlight im Jahr?

Die Wettbewerbe und alle vier Jahre die Deutsche Meisterschaft.

Sommerserie

Nette Leute und ihre Geschichten

Fuhrmannsreuth. Was wäre die Region ohne ihre Vereine, von denen jeder auf seine Weise zum gesellschaftlichen Leben gehört und beiträgt. Überall trifft man auf interessante Leute mit spannenden Geschichten.

"Der neue Tag" erzählt einige dieser Geschichten und stellt in jeder Ferienwoche abseits der üblichen Berichterstattung einen "etwas anderen" Verein aus der Region vor. Das Ziel dieser Sommerserie ist es, die Vielfalt und die Besonderheiten des Vereinslebens im Norden Bayerns zu zeigen. Und vielleicht findet der eine oder andere sogar einen neuen Verein oder ein neues Hobby.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/Unser-Verein
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