Freude aus ganzem Herzen

Die beiden Organisten (von links) Florian Schuster, Samuel Pinto und Chorleiter Mario Pfister (vorne, von links) sowie der Kammerchor genießen verdientermaßen den Schlussapplaus des Reger-Konzerts. Bild: ld
Vermischtes
Brand
18.05.2016
61
0

"In allen Facetten und Widersprüchen haben die Besucher den Komponisten kennengelernt", meinte Bürgermeister Ludwig König - "auch den ausgeglichenen Reger".

Am Ende des ersten Konzerts des Reger-Jahres, bei dem die Hochschule für Kirchenmusik Regensburg, zu Gast war und das mit einer Zugabe, dem "Nachtlied" von Max Reger, zu Ende gegangen war, stand eine blendende Bilanz. Mit einem fulminanten Liedvortrag des Neuen Kammerchores hatte die Veranstaltung begonnen.

"Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit" aus "Opus 138 - Acht geistliche Gesänge" - hatte das Ganze begonnen. Im ganzen Kirchenschiff, unter den Zuhörern verteilt, stimmte es Chorleiterin Maria Pfister an, erreichte damit eine außergewöhnliche, sehr wohltuende Akustik, ließ jedoch trotz der ungewöhnlichen Aufstellung keinerlei Abstriche bezüglich blitzsauberer Intonation und perfekt ausgefeilter Dynamik zu: Das ist Max Reger. So wie er es wollte. Kompromisslos und ohne Zugeständnisse.

Jung und brillant


Das Aufatmen der Zuhörer nach dem Abschlag durfte man als Lösen der aufgebauten Spannung deuten. Nur Spitzenchöre sind zu derart außergewöhnlichen Vorträgen in der Lage. Dann kommt die romantische Orgel zum Einsatz, die der Gründer dieses Chores, Professor Kunibert Schäfer - beim Konzert als kritischer Zuhörer anwesend - als Fachberater mitkonzipiert hat, zum Einsatz. Zwei ganz junge Künstler, Florian Schuster und Samuel Pinto, wandten sich dem Werk Max Regers zu. "Trio in e-Moll" aus der Suite Opus 16 und "Pastorale" und "Te Deum" aus "12 Stücke Opus 59" standen auf dem Programm und verschafften einen ersten Eindruck vom Können des Florian Schuster, ebenso jedoch in die klanglichen Möglichkeiten der Weimbs-Orgel.

Auch komplexe Chromatik macht einem Spitzenchor keine Probleme, fordert ihn allenfalls und motiviert die Mitglieder zu Höchstleistungen, auch wenn es sich um einen sechsstimmigen Satz handelt. Eindeutige und fein differenzierte Zeichengebung durch den Chorleiter sind Voraussetzung dafür, dass beim "Abendlied" aus Opus 39 sehr feiner Klang in den Frauenstimmen entsteht, getragen von einem lautstärkemäßig genau angepassten Fundament der begleitenden Männerstimmen.

Da darf der Besucher nicht nur zuhören und aufnehmen; er darf sich von diesem wunderbaren Klang einhüllen und mittragen lassen. Eine Toccata und eine Fuge sowie eine Romanze für Orgel stehen dann auf dem Programm und da hat nun auch der 16-füßige Fagott im Pedal seinen großen Auftritt, stellt sich vor, sanft schnarrend, im Duktus eines alten Mannes, sehr sympathisch und weise, wie man das von ihm erwartet. Gern lässt er sich ablösen von weichen Registern, deren Wechsel schnell und unerwartet kommt. Ist das nicht Reger?

Natürlich, und das in Vollendung. Die Schweller, die beide zusammen den Generalschweller ergeben, lässt Samuel Pinto nicht ungenutzt, setzt sie wohlüberlegt ein und erreicht mit dem Spiel der beiden Lautstärkeregler eine starke Differenzierung des ohnehin ausgefeilten regerschen Vortrags. "O Tod, wie bitter bist du" aus "Drei Motetten Opus 110" stand auf dem Programm, äußerst eindrucksvoll dargeboten vom Kammerchor, der den Wunsch des Chorleiters - dreimalige heftige Bewegung mit der Faust etwa, um der Bitterkeit des Todes Ausdruck zu verleihen - konsequent umsetzt und dem Stück eine mächtige Ausstrahlung verleiht bis hin zur thematischen, musikalisch harmonisch klingenden Wende: "O Tod, wie wohl tust du". Sehr beeindruckend dabei die unisono-Stellen, die wirklich solche sind. Von einem Spitzenchor würde man nichts anderes erwarten.

Variationen vom König


Als angenehm empfunden werden Variationen und Fuge über "Heil unserem König, Heil", die durch Wiedererkennen der englischen Nationalhymne auch einen gewissen Unterhaltungswert haben, und eine sehr befreiende Oster-Motette als Schlusschor: "Lasst uns den Herren preisen". Der Applaus kommt spontan und stehend, verbunden mit Bravo-Rufen. Was gibt es Schöneres, als in einer Kirche, in der die Frohe Botschaft verkündet wird, seiner Freude über ein derart schönes Konzert kräftig Ausdruck zu verleihen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Max Reger (111)Reger-Jahr (5)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.