Kultur- und Festspielverein Bruck spielt Slotboom
Zug durch die Geschichte

David und Clara, dargestellt in jungen Jahren durch Rebekka von der Osten und Dieter Marschalt (rechts) und in der Gegenwart von Christa Steiner und Aegid Windl (links) stellen sich im Stück "Der Zug" die bange Frage nach der Zukunft. Bild: sir
Kultur
Bruck in der Oberpfalz
17.10.2016
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Warum fährt der Zug nicht weiter? Das ist nicht die einzige Frage, die im Stück "Der Zug" von Carl Slotboom aufgeworfen wird. Haben die Menschen aus der Geschichte gelernt, lautet eine andere. Die Prognose ist düster.

Der Kultur- und Festspielverein Bruck (KuF) hat sich eines dunklen Kapitels der Geschichte angenommen, einer Problematik, die nicht nur die Deutsche Historie betrifft. Weltweit gibt es Ausgrenzung von Menschen bis hin zum tödlichen Hass. "Nicht verurteilen, sondern beurteilen ist unsere Pflicht", mahnt Dr. Alois Wittmann. Aus der Geschichte könne man nur schwer lernen, weil sich die Bedingungen schnell ändern. Man könne allenfalls Schlüsse daraus ziehen. Die Frage nach dem "Warum?" bleibe, auch im Hinblick auf die Ortsgeschichte und deren Entscheidungsträger, in Bezug auf Karrieredenken.

Geschichte und Gegenwart


"Ja, die Geschichte kann sich wiederholen", betonte der Sprecher vor voll besetzten Reihen im Obergeschoss des Museums, "weil man mehr auf sich achtet als auf das Gemeinwohl". Vorsitzender Robert Feuerer hatte zuvor das Publikum willkommen geheißen, unter ihnen MdL Joachim Hanisch, Bürgermeister Hans Frankl, den Vorstand des Heimat- und Bauernmuseums sowie zahlreich erschienene Schüler der Mittelschule Bruck.

Geschichte und Gegenwart spiegelten sich auf der Bühne wider. Das junge Paar, dargestellt von Rebekka von der Osten und Dieter Marschalt, zeigte die dramatischen Verhältnisse von damals, im Viehwaggon, der aus unerklärlichen Gründen auf freier Strecke Halt machte. Beide trugen sie als Erkennungszeichen gelbe Sterne. David und Clara, inzwischen in die Jahre gekommen, gespielt von Christa Steiner und Aegid Windl, sitzen wieder im Zug. "Wenn ich nur wüsste, warum der Zug hält", Beklemmungen machen sich erneut breit.

Aus den Dialogen brach hervor, was im Alltag kaum mehr spürbar war: Schockstarre, Entsetzen, Ängste bis hin zu aufflackernder Hoffnung. "Ja, verdammt noch mal, ich habe auch Angst und es kommt mir vor, als ob ich keinen festen Boden unter den Füßen habe", gab der junge David zu. Zuvor hatte er es gegenüber Clara abgestritten, um sie nicht noch mehr zu beunruhigen. Doch die meinte: "Es ist besser, miteinander Angst zu haben, sonst kommt man sich so verlassen vor." Auf die aus dem Zug Flüchtenden wurde damals geschossen. Ein Toter lag direkt vor dem Waggon des Paares. "Jeden Tag höre ich diese Schüsse und sehe ihn da liegen", offenbarte der "alte" David.

Menschen verschwinden


Gerüchte von Vernichtungslagern, dem Verschwinden von Menschen bis hin zum Glaube an Gott, all das, was das Paar damals beschäftigte, wurde wieder lebendig in dem nun ebenfalls stehenden Zug, der nach Amsterdam fuhr. Deutlich wurde aber auch die Liebe des Paares, damals, noch jung verheiratet, und jetzt, nach all den Jahren. Etwas Hoffnung gab es doch, auch wenn David meinte, dass die Geschichte sich wiederholt, die Menschen nichts daraus lernten. David setzte ohne Pause hinzu: "Ich werde dich bis ans Lebensende immer lieben". Das Publikum spendete den Darstellern verdienten langanhaltenden Applaus. Im Erdgeschoss hatten die Zuschauer bei einem Imbiss, den der KuF anbot, Gelegenheit zu angeregter Diskussion.

Ja, die Geschichte kann sich wiederholen.Dr. Alois Wittmann
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