In der Kita St. Josef kommen Kinder aus der ganzen Welt
Streichelnd Deutsch lernen

Die Buben und Mädchen streichelten das Fell einer Katze. Das fühlt sich nicht nur flauschig an, sondern dient auch dazu, Wörter zu lernen. Bild: mos

Die Kita St. Josef besuchen zurzeit 51 Kinder. Ihre Eltern kommen aus Thailand und Kirgistian oder Syrien und Libyen. Rund 30 Prozent der Buben und Mädchen haben einen ausländischen Hintergrund. Deshalb beschäftigt sich die Einrichtung sehr mit der Vermittlung der Sprache.

Derzeit haben 15 Kinder ihre Wurzeln in europäischen Nachbarländern wie Tschechien, Slowakei, Litauen, Polen oder Rumänien, andere kommen von weiter her: vier aus Syrien und ein Kind aus Libyen. Bei einigen Kindern kommt nur ein Elternteil aus einem anderen Land, etwa aus Thailand oder Kirgisistan. Türkische Eltern leben schon in der zweiten Generation in Bruck. Im September wird ein Kind aus Montenegro aufgenommen.

"Vorkurs Deutsch


Weil Bewegung und Sprache in der kindlichen Entwicklung sehr eng verknüpft sind, haben die Kinder sehr vielfältige Möglichkeiten, sich zu verständigen. Im Kindergartenalter wird für Sprache zunächst die rechte, emotionale Gehirnhälfte genutzt. Erst mit den Jahren "rutscht" der Spracherwerb in die linke, analytische Hirnhälfte. Dann fällt der Fremdsprachenerwerb um einiges schwerer.

In der Kita wird deshalb in enger Zusammenarbeit mit der Schule für Kinder im Vorschulalter der "Vorkurs Deutsch" angeboten. Täglich setzen sich die Buben und Mädchen gezielt in Lernsituationen und im Alltag oder in der Freispielzeit mit der deutschen Sprache auseinander.

Besonders gut entwickelt sich die Merkfähigkeit, wenn die Inhalte mit positiven Emotionen verknüpft sind. Gefühle sind ein starker Lernantrieb, sie sichern das Speichern des Gelernten im Langzeitgedächtnis. Lernen die Kinder unter Druck, werden die Inhalte unter den Begriffen Angst oder Wut gespeichert. Lernen die Kinder jedoch mit Spaß und Freude, werden die positiven Erlebnisse als solche verankert, zum Beispiel beim Streicheln eines Kaninchens oder Meerschweinchens. Neben dem Tier und seinem Namen prägen sich auch weiches Fell, Pfoten, Krallen und Schnurrhaare ein. In einer neuen Situation, etwa beim Streicheln eines Hamsters, feuern die Neuronen im Gehirn mit allen bekannten Inhalten und vernetzen sich. Das Wissen kann kreativ angewandt und verändert werden.

Lebendige Sprache


In der Kindertagesstätte werden zuerst Dinge des Alltags, die man sehen und berühren kann, benannt. Mindestens ebenso wichtig sind Verben. Wenn Kinder fragen: "Darf ich Ball spielen?" wird häufig das letzte Wort weggelassen. "Das ist schade, weil Tunwörter erst unsere Sprache lebendig machen. Deshalb nimmt Bewegung mit verbaler Begleitung bei uns im Kindergarten einen großen zeitlichen Raum ein", erklärte die Kindergartenleiterin Barbara Perras.
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