30 Jahre nach dem „WAAhnsinn“ begeistert Anne Haigis in Burglengenfeld
Von Heintje bis Burdon

Mit viel Kraft und Gefühl singt und spielt die Ausnahmekünstlerin Anne Haigis eigene Stücke. Und Coverversionen, die aber immer ihre Handschrift tragen. Bild: Otto
Kultur
Burglengenfeld
22.03.2016
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Es muss sich für Anne Haigis wie ein Heimspiel anfühlen. Vor 30 Jahren war sie Teil des Anti-WAAhnsinns-Festivals - mit 100 000 Zuschauern. Im VAZ sind es am Samstagabend ein paar weniger. Die Sängerin und ihre Fans sind trotzdem bestens aufgelegt.

Zu Beginn kommt sie geografisch ein wenig ins Schwimmen und fragt nach: "Sind wir hier in Franken?". Nun ja, die gebürtige Rottweilerin lebt seit Jahrzehnten im Köln-Bonner Raum. Nach Wolfgang Niedecken hört sich die Haigis dennoch nicht an, sondern schwäbisch. Authentisch. Eins ist schnell klar: Anne Haigis hat mit 60 Jahren nichts verlernt. Ihr Organ hat mächtig Power, rauchig, rockröhrig wie ehedem. Fraglos ist sie eine exzellente Gitarristin. Begleitet wird sie von Ina Boo, an der Gitarre, am Piano und als zweite Stimme.

Ohne Schnick-Schnack


Die Bühne kommt ohne Schnick-Schnack aus. Zwei Stühle, zwei Gitarren, ein E-Piano und einige Kerzen - mehr braucht es nicht für zwei Künstlerinnen, um einen intimen Club auszufüllen. Der vertrauten Kuschelstimmung entsprechend startet Anne Haigis mit zwei Balladen in den Abend. Mit gefühlvoller Stimme und kontrollierter Kraft nimmt die Künstlerin mit den rot wallenden Locken die Zuhörer schnell gefangen. Amüsant: Nach den "Depristücken" ist Zeit für ein paar Frotzeleien gegen das andere Geschlecht. "Männerblues ist einfach gestrickt. Mann wacht auf. Frau ist weg. Er bekommt den Blues." Frauen seien da anders. "Nicht besser. Aber komplizierter", betont sie.

Publikum als Chor


Haigis Song-Repertoire ist enorm vielfältig. So erinnert sich die Sängerin an ihre erste eigene Schallplatte - und zelebriert eine ganz eigene Version von Heintjes "Ich bau dir ein Schloss". Spätestens jetzt hat sie auch das Publikum als Chor im Boot. Es folgen Songs zur Flüchtlingsdebatte, "No Man's Land", den sie schon mit Eric Burdon performt hat. Oder "Waltzing Mathilda" von Tom Waits, bei dem sich die Musikerin von einer fast brüchigen, verletzlichen Seite präsentiert. Anne Haigis eben - eine Frau mit vielen Facetten. Nach zwei Stunden gehen die zwei Musikerinnen von der Bühne - nicht dahinter, sondern auf Tuchfühlung mit ihren Fans.
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