Ehemaliger Toto-Frontman in Burglengenfeld
Vor Kimball auf der Flucht

Bobby Kimball (69) ist auf der Bühne nur noch ein Schatten seiner selbst. Bild: rid
Kultur
Burglengenfeld
10.05.2016
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Von Wolfgang Houschka

Burglengenfeld. Zwei Stunden lang ist Rock-Rentner Bobby Kimball (US-Band Toto) im Burglengenfelder Veranstaltungszentrum (VAZ) fast schon krampfhaft darum bemüht, gute Laune und Partystimmung zu verbreiten. Also: Klatscht im Takt Leute, auf geht's im Musikantenstadel, der einen vermeintlichen Saurier aus Vinton/Louisiana auf der Bühne sieht.

Früher gute Auftritte


Das eher spärlich erschienene Publikum tut ihm den Gefallen und wird zu Mitwirkenden in einer Show, die durchaus Höhepunkte hat. Nicht wegen des Ex-Frontmanns von Toto. Primär ist das einer famosen Band zu danken, die immer dann für hoch respektable Glanzlichter sorgt, wenn der Meister gerade wieder hinter dem Seitenvorhang abgetaucht ist oder sich den gefühlt 40. Schluck aus seiner Wasserflasche gönnt.

Die Leute im Saal erfahren viel von damals, kommen in Kontakt mit prominenten Namen: Paul McCartney und Elton John gehören dazu. Bobby Kimball, bereits 1984 bei Toto augestiegen, erzählt von Zeitgenossen. Dann legt er los. Furios - und das völlig unbestritten - an den Tasten seines Keyboards. Stimmlich aber schrill und laut, an den einst perfekt getroffenen Tönen oft haaresträubend vorbei.

Kimball macht die Toto-Hits. Erst "Africa", das er einen Mitstreiter singen lässt. Dann "Rosanna" und später "Hold the Line". Der Mann mit den tiefschwarz gefärbten Haaren, dem Schnauzer und Geißbock-Bärtchen, ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Und irgendwann taucht die Frage auf: Warum tut er sich das eigentlich an? Dann kommt nach weiteren Nummern seiner Ex-Gruppe wie "I'll supply the Love" eine Solo-Einlage, die in Little Richards "Good Golly Miss Molly" gipfelt? Ein Stück Entstehungsgeschichte des Rock'n'Roll - in der dargebotenen Fassung zum Davonlaufen. Da sind dann in dieser Nacht die ersten aus dem Auditorium vor Kimball auf der Flucht.

Starke Kollegen


Trotz allem: Kein schlechtes Konzert, dank Akteuren wie dem grandiosen Schlagzeuger Patrick Metzger, dem Kimball zur Seite stehenden Co-Sänger Olaf Senkbeil und dem schon im Vorprogramm aufgetretenem Gitarristen Sascha Gutmann. Exzellente Musiker, die diesen Abend doch irgendwie erträglich gemacht haben.
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