Gipfel mit Naabblick
Der Malerwinkelweg führt hoch hinaus

Vom Vogelherd fällt der Blick auf Premberg mit seiner mächtigen Martinskirche. Im ältesten Ort des Landkreises Schwandorf wurde einst Salz umgeladen.
Kultur
Burglengenfeld
29.07.2016
287
0
 
Einfach himmlisch, unter dem Gipfelkreuz die Seele baumeln zu lassen oder zu lesen. Bilder: Held (3)

Er ist ein treuer Begleiter auf dem rund zehn Kilometer langen Rundweg und lässt sich regelmäßig sehen. Nur da, wo sich der Turm der ehemaligen Kaiser- und Herzogburg Lengenfeld von seiner besten Seite zeigen sollte, versteckt er sich. Mit etwas Suche ist er zwischen zwei Ästen auszumachen.

Wer auf diesem Felsvorsprung hoch über der Naab steht, den nimmt der Ausblick gefangen - auf das Flusstal Richtung Saltendorf und Teublitz und die sanften Hügel, die sich an diesem Sommertag am Horizont verlieren. Der Aussichtspunkt, dem sich Blumen, Gräser und kleine Büsche bemächtigen, und an den sich Jugendliche zurückziehen, um unbeobachtet zu sein, heißt Malerwinkel und stand Pate für diesen Weg. Nicht weil ein Stück Naabtal für den Wanderer überschaubar ist, sondern genau von hier aus gab es einst den besten Blick auf die mächtige Burg Lengenfeld. Wer sie malen wollte, saß hier.

Die Maler sind längst verschwunden, ebenso die Burg - hinter Bäumen. Schade vielleicht, aber noch lange kein Grund enttäuscht Richtung Burglengenfeld umzukehren. Denn der Felsvorsprung kann als Ouvertüre zu einer abwechslungsreichen Naturtour verstanden werden, die vergleichsweise hoch hinaus und nahezu eben am Fluss entlang führt. Auf einem schmalen Pfad, den ein aus Altersschwäche umgestürzter oder vom Wind gefällter Baum nicht unüberwindbar versperrt, führt die Tour - eine Pferdekoppel wird im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen - aus dem Wald heraus, an einem Maisfeld am Rand einer sattgrünen Wiese entlang Richtung Premberg.

Der Ort ist der älteste im Landkreis Schwandorf, wurde bereits vor über 1200 Jahren besiedelt und 805 erstmals urkundlich erwähnt. Das heute etwa 350 Einwohner zählende Dorf war einst bedeutend. Hier wurde das wertvolle, auf Schiffen transportierte Salz umgeladen. Ein Blick in die Martinskirche lohnt sich vor dem Anstieg zum Gipfelkreuz. Heißt das Gebiet, auf dem der Mais kräftig wächst Lehmhänge, ist die Flora auf dem Vogelherd als Teil des Oberpfälzer Jura eine völlig andere. Die Magerrasenhänge sind eine Besonderheit dieses Gebietes. Seltene Gräser, Silberdistel, Steinnelke, Ehrenpreis, Wolfsmilch und Küchenschelle gedeihen. Das Juradistl-Lamm findet hier seine Nahrung.

Eigentlich führt die Route nun über die Naab, doch der Abstecher zum Gipfel ist ein Muss. Eine Bank unmittelbar am Kreuz und wiederum herrliche Ausblicke lassen das Naturerlebnis noch intensiver werden. Der Wanderer befindet sich bereits auf dem Höllohe-Rundweg, der Verlängerung des Malerwinkelweges. Wir kehren jedoch zurück, überqueren den Fluss, um unmittelbar danach in den Uferweg einzubiegen. Rechts am Fluss versuchen Angler ihr Glück, in der Naab lassen es sich Entenfamilien an diesem Tag ungestört von Bootswanderern gut gehen. Das Naturfreibad in Saltendorf bietet sich für eine Zwischenstopp mit entsprechender Abkühlung an, bevor die letzten Kilometer - Burglengenfeld mit dem Burghügel fest im Blick - unter die Sohlen genommen werden. Gibt schon der Malerwinkel die Burg nicht mehr frei, ist auch eine Besichtigung der Anlage nicht möglich. Sie befindet sich in Privatbesitz und ist nur an Tagen des offenen Burgtores zu besichtigen. Einer Einkehr steht also nichts mehr im Wege.

Tipps zur Route
Anfahrt

Über die Autobahnausfahrt Teublitz der A 93 auf der B 15 Richtung Burglengenfeld fahren. Wer die Stadt besichtigen oder dort einkehren will, parkt vor der Pithiviersbrücke unmittelbar am Stadteingang und geht zu Fuß über die Brücke. Empfehlenswert ist es gleich nach der Brücke links vor dem Gasthof "Zum Burgblick" das Auto abzustellen.

Wegbeschreibung

Der Malerwinkelweg ist mit einer "5" markiert. Die Höllohe-Runde, "5a", ist eine Verlängerung, die aber wieder auf die 5 trifft. Der knapp zehn kilometerlange Hauptweg ist in zweieinhalb Stunden zu bewältigen, allerdings sollte die Zeit nicht zu knapp bemessen werden, für Pausen zum Beispiel auf dem Malerwinkel und dem Vogelherd oder für einen Badestopp in Saltendorf.

Der von den Burglengenfelder Wanderfreunden betreute Weg ist auch als permanenter Wanderweg ausgewiesen. Im Startlokal "Zum Burgblick" erhalten die Wanderer Unterlagen wie Startkarte und Wegskizze.

Information

Tourismusamt Südliche Naab-Vils, Marktplatz 2-6, 93133 Burglengenfeld. Telefon 09471/7018-20 oder 7018-24. www.burglengenfeld.de

"Burg am langen Feld"

Die Geschichte der Burg beginnt im 10. Jahrhundert. In ihrer heutigen Gestalt entstand die Burg in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Führungen durch die Burg veranstaltet der "Kastelan" Franz Vohburger.

Einkehr

In Burglengenfeld gibt es zahlreiche Cafés, Gasthäuser und Eisdielen. Das Gasthaus "Zum Burgblick" liegt direkt am Beginn/Ende der Runde. Unterwegs bietet der Gasthof in Kuntsdorf Gelegenheit zur Rast.

Kartenmaterial

UK 50-20 des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation. Eine kostenlose Wanderkarte gibt es bei der Tourist-Information in Burglengenfeld. Der Weg ist gut ausgeschildert und auch ohne Karte begehbar.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.