Judith Owen macht mit hochkarätiger Band Station im Burglengenfelder Keller 10
Eine Diva, alte Helden und bewegende Songs

Eine ausdrucksstarke Sängerin und Pianistin, ein Sidemen-Doppel von Rang und zwei tolle junge Musiker - Judith Owen und Band rissen das Publikum im komplett ausverkauften Keller 10 regelrecht vom Hocker. Bild: otj
Kultur
Burglengenfeld
14.10.2016
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Leipzig, Stuttgart oder Berlin - mit einem amtlichen Rockstar-Nightliner sind Judith Owen, Band und Crew unterwegs. Der dürfte ähnlich viel Quadratmeter bieten. wie der Keller 10 in Burglengenfeld. Egal: Size doesn't matter. Judith, die Band und das Publikum hatten offensichtlich einen Superabend.

Größe ist ohnehin so ein Thema. Was sich Mrs. Owen da als Sidemen auf die Bühne geholt hat, lässt Kenner mit der Zunge schnalzen. Bassist Leland Sklar und Drummer Russ Kunkel waren mit Größen wie Jackson Browne, Crosby, Stills and Nash, Kris Kristofferson, Hall & Oates, Bob Dylan und vielen mehr im Studio und auf der Bühne. Auch die Cellistin Gabriella Swallow und der Perkussionist Pedro Segundo sind in der Musikwelt keine Unbekanntn.

Exaltiertes Storytelling


Neben solchen Heroen als Frontfrau auf der Bühne glänzen zu können, das verlangt neben musikalischer Qualität auch ein Menge Chuzpe. Und die hat die Lady, die vor Energie nur so strotzt und mit exaltiertem Storytelling auch zwischen den Songs als exzellente Entertainerin überzeugt. Hin und wieder kommt das ganze etwas über die Stränge daher - regelrecht divaesk. Aber egal. Ihre Musik ist so wandlungsfähig wie zitatenreich. Geprägt von ihrem Vater, eines Opernsängers bewegt sie sich in der Tradition großer Singer-Songwriterinnen wie Joni Mitchell, Carole King oder Rickie Lee Jones. Erweitert den Stil aber um das Genres Jazz und Pop. "Das, was ich heute bin, resultiert letztendlich aus jener Musik, mit der ich aufgewachsen bin, mit Oper und Frank Sinatra, mit Joni Mitchell und Stevie Wonder und auch allem dazwischen", hat sie mal in einem Interview gesagt.

Was die Waliserin, die in Los Angeles lebt so unverwechselbar macht, ist ihre wandelbare, warme, kräftige Stimme und ihr akzentuiertes Piano-Spiel. So ironisch und witzig sich die Künstlerin auf der Bühne auch gibt, manchmal vielleicht sogar einen Ticken zu stark - Ihre Songs sind zum Teil eher düster und melancholisch.

Das wird im Titelsong ihres aktuellen Albums deutlich, in dem sie die Geschichte einer in Plastiktüten gehüllten hochschwangeren Obdachlosen erzählt. "Ich traf sie auf der Straße, war verängstigt und lief weg. Aber dann viel mir ein: Auch sie ist ,Somebody's Child'", erzählt die Musikerin. Ihr ganzes Album drehe sich um das Thema, wieder mehr Menschlichkeit zu leben. Auch die tieftraurige Ballade "No More Goodbyes" nimmt einen in Melancholie gefangen. "Den Song habe ich nach dem Tod meines Vaters geschrieben." Es geht darum, ein letztes Mal Abschied zu nehmen und den geliebten Menschen gehen zu lassen. Ein einfühlsamer Song, der Tiefe hat.

Großes Mysterium


In "Mystery" lässt sie die Seelen der Zuhörer entspannen. "Wie zwei Menschen sich in einander verlieben, das ist ein Mysterium. Dass sie über Jahre zusammenbleiben, ist ein noch größeres Mysterium. Dabei geht es nur darum, dass man jemanden liebt, dafür wie er ist und nicht dafür, wie man möchte, dass er ist."

Ihren eigenen Stil behauptet sie auch in vier Coverversionen. Einmal vom Gottvater aller Dandys Bryan Ferry. "More than this" wird zu einer federleichten Piano-Nummer. Und das doch ziemlich abgehörte "Aquarius" aus dem Musical "Hair" bekommt Rückenwind von einer Prise Jazz. Plus "Blackbird" von den Beatles und als Zugabe "Hey Mister, That's Me On Up The Jukebox" von James Taylor.
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