Künstlerischer Spiegel der Gewalt

Kultur
Burglengenfeld
07.09.2016
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Heribert Krotter sieht die Welt nicht durch die politische Brille. Aber wie jeder mitfühlende Mensch geht ihm die Tragödie in Syrien nahe. Als Künstler hat er dazu einen eigenen ästhetischen Zugriff entwickelt. In sechs Bildern setzte er sich nun mit dem Kriegsdrama auseinander.

Im Elfenbeinturm, in dem sich Kreative manchmal verkriechen, mag Krotter nicht wohnen. Doch es nicht ganz einfach für einen Maler, wenn er zu aktuellen Themen einen Standpunkt beziehen will. "Das ist eine Gratwanderung, wenn man nicht zu offensichtlich Parteipolitik machen möchte, wie das zum Beispiel Günther Grass getan hat", räsoniert der 75-Jährige über das scheinbar ewige Thema des Verhältnisses von Künstlern zur Politik. "Wo ist der richtige Weg?"

Dieses Nachdenken bezieht sich natürlich direkt auf die Lösung, die der Burglengenfelder Künstler für sich gefunden hat. Zwischenzeitlich gibt es eine ganze Reihe von Werken von ihm, die auf politische oder krisenhafte Szenarien antworten. Auf den schockierenden Anschlag auf das World Trade Centre hat er zum Beispiel künstlerisch reagiert, indem er die Namen der 3000 Opfer in einem großen Triptychon (drei einzelne Gemälde, die zusammen eine Einheit bilden) in Form stürzender Flächen aufgetragen hat. Dieser Form passt gut in Krotters allgemeinen Ansatz, "da ich mich sehr viel mit Media beschäftige, also mit Buchstaben und Texten". Sie tauchen immer wieder in Bildern auf.

"Aufschrei und Protest"


Auch die blutige Attacke auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris hat Krotter bewegt, auf das eigentlich Unfassliche eine ästhetische Antwort zu geben. Er versteht seine Objekte und Gemälde folglich als "Aufschrei und Protest" - ohne Worte, "denn man kann über manche Dinge nicht viel sagen, sie sind zu schrecklich". Den Krieg in Syrien beobachtet der Künstler aufmerksam. "Es tut sich nichts", klagt er mit Blick auf eine friedliche Lösung, "es gibt nur gegenseitige Schuldzuweisungen, während Palmyra, das einstige Symbol für Kultur und Weltoffenheit des syrischen Staates, zerstört wird und die Menschen in Aleppo verhungern".

Als Maler wollte Krotter bei diesem Thema nicht "vorschnell Gefühle bedienen". Also hat er seine sechs Bilder im Format 80 mal 80 Zentimeter, die als zwei Triptychen angeordnet sind, vollkommen abstrakt gehalten. Die Dramatik kommt über die Farben rot, weiß, schwarz und grün der syrischen Flagge, die in den Bildern auftauchen, und über die Formen, die "symbolisch stehen für das Zerbersten einer Kultur und Nation".

Mit Teppichmesser


Hart und aggressiv ging Krotter bei den Gemälden zu Werke: Sie wurden auf Holzplatten gemalt, die er anschließend mit einem scharfen Teppichmesser malträtiert hat. "Kraft und Zerstörungswut" soll das ausdrücken, das Zusammenkrachen von Gebäuden illustrieren.

Vorarbeiten zu den Gemälden hat Krotter in schwarz-weiß ausgeführt. Auch sie zeigen Zerstörung und Zusammenbruch. Es ist die Antwort eines sensiblen Künstlers auf unmenschliche Zustände. Für ihn ist klar: "Diese Themen gehen einen etwas an und man muss sich Einsetzen für unsere Werte."

Man kann über manche Dinge nicht viel sagen, sie sind zu schrecklich.Heribert Krotter
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