Kult-Songs und anderes von Wolfgang Ambros - Zwei ausverkaufte Konzerte in Burglengenfeld
Die Reblaus und der Zentralfriedhof

Der 62. Geburtstag liegt hinter Wolfgang Ambros, doch auf Tour ist er noch immer. Weil der "Zentralfriedhof" und der "Hofer" einfach Kult sind unter all dem, was österreichische Liedermacher jemals zu Papier gebracht haben. Bild: rid
Kultur
Burglengenfeld
04.11.2014
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Alt ist er geworden, der Wolferl. Schweren Schrittes schleppt er sich auf seinen Stuhl und es dauert einige Zeit, bis die von ihm gewohnte Genialität dieses Konzert in Burglengenfeld beherrscht. Zweimal nacheinander füllte Ambros dort den Saal des Veranstaltungszentrums (VAZ). Das hat vor ihm noch keiner geschafft.

Erst nach der Pause in Fahrt

Zwei völlig unterschiedliche Auftrittshälften beim ersten Konzert. Der Österreicher startet mit Balladen. Die "Wintersunn" geht auf, er macht sein "Langsam wachs' mer z'samm", lässt Georg Danzers "Weiße Pferde" eher müde traben. Wenn er Zwischentexte spricht, wirkt seine Zunge oft schwer. Dabei neigt Wolfgang Ambros zu der Selbsterkenntnis: "Alt bin i worn. Des ist net zu übersehn." Wohl wahr. Und man fragt sich: Was ist passiert mit diesem Mann, der uns über all die Jahre und Jahrzehnte musikalisch so viel gegeben hat? Irgendwie scheint er ausgelaugt.

Pause. Ambros wechselt das Hemd und präsentiert sich völlig anders, als er wieder auf die Bühne kommt. Jetzt ist er endlich der, den man kennt. Unterstützt von seinem Freund Günter Dzikowski, dem grandiosen Musiker am Keyboard, wird nun nicht mehr herumgeredet und langatmig erklärt. Der Mann aus Wien findet zu sich selbst und seinen Wurzeln zurück. Ambros gibt Dolly Partons "Just when I needed you most" mit "Ausg'lacht" eine Fassung, die in solch glaubwürdiger Weise nur er formen kann. Danach ein Song, der ihn legendär gemacht hat: "Zwickt's mi". Der alte Schwung ist wieder da. Es folgt der Höhepunkt dieses Abends. Wolfgang Ambros setzt Hans Mosers legendäre "Reblaus" in Szene. Keine Kopie. Aber eine Version, die schlichtweg faszinierend ist. "Nach mir die Sintflut" singt er dann und erinnert damit an Tom Waits. Auch das geschieht in Augenhöhe.

Gassenhauer als Zugabe

Der Rest ist eine Medley-Zugabe. "Der Hofer" darf aufleben, die "Blume aus dem Gemeindebau" wird gepflückt. Weitere Publikumswünsche? Sie gehen in Erfüllung. Natürlich wird der Kult-Hit vom "Skifoan" serviert und ganz selbstverständlich fehlt der "Zentralfriedhof" nicht. Nur "Der Sandler" darf sich nicht mehr per Blitzeinschlag in Luft auflösen. Aber den hat der Wolferl ja seit vielen Jahren nicht mehr gemacht. Wobei eingefleischte Fans bis heute meinen: Als er Bob Dylans Musik interpretierte, befand sich Wolfgang Ambros im Zenit seines Schaffens.

Dann geht er, der Ambros. Lange wird er wohl, so ist zu befürchten, nicht mehr im Rampenlicht stehen. In Burglengenfeld hat man es gespürt und er selbst hat das auch angedeutet. Alles hat seine Zeit. Manchmal ist es womöglich besser, die Erinnerung zu bemühen. In ihr wird er garantiert für immer bleiben.
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