Neue CD von Judith Owen
Funkelnder Diamant

Kultur
Burglengenfeld
17.07.2016
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Den inhaltlichen Rahmen der neuen Songs von Judith Owen bestimmt bereits der Album-Titel "Somebody's Child", denn die Texte wurden konkret aus der Perspektive und jener Erkenntnis geschrieben, dass wir allesamt Kinder sind, Kinder von Eltern und auch Kinder dieses Planeten. Bild: Matthew Becker

"Jedermann ist irgendjemande s Kind, so hat das die Natur nun mal für uns Menschen vorgesehen", erklärt Judith Owen den Titel ihres mittlerweile elften Albums "Somebody's Child" mit nahezu grimmigem Unterton in der Stimme.

Dann fügt die walisische Singer/Songwriterin entschlossen hinzu: "Es liegt letztlich an jedem Einzelnen von uns, was ihm diese Erkenntnis zu erzählen weiß. Doch mit der unbeschwerten Leichtigkeit, die man mit der Kindheit verbindet, ist leider nicht selten viel zu früh Schluss. Wir treten frisch, nackt und unschuldig in diesen Planeten ein. Aber dieser paradiesische Umstand ändert sich rasch, meist nicht zum Vorteil des Protagonisten. Stattdessen werden etliche von uns bald mit der stetigen, hässlichen Präsenz von Gewalt, Verfall und Ableben konfrontiert. Nicht sehr schön..."

Zum Nachdenken anregen


Judith Owen wirkt extrem nachdenklich, wenn sie über ihre neue Platte und deren Inhalte spricht. Als Misanthropin oder Esoterikerin möchte die Frau mit dem feuerroten Haarschopf aber unter keinen Umständen verstanden werden, denn "was ist esoterisch daran, wenn man mit zunehmendem Alter immer öfter über den Tod Gedanken verliert", sinniert sie. "Mir geht es viel mehr in meinem Weltbild darin, die Menschen zum Grübeln über Leben und Tod anzuregen. Mich nervt nichts so sehr wie profane Oberflächlichkeit, wie stumpfe Verdrängungsmechanismen. Ich weise voller Empathie darauf hin, dass wir allesamt zerbrechliche Figuren sind, stets von der Unbekannten namens "Tod" umringt.

Doch anstatt sorgsam mit dieser Tatsache umzugehen, statt dass wir uns mit dem unausweichlichen Gevatter Hein anfreunden, rennen wir kopflos durch unser Leben, denken ausschließlich an uns, während wir wie nebenbei unseren Planeten und die Schöpfung zerstören. Wir verleugnen sogar immer öfter die Wurzeln unserer Familien und unserer Herkunft. Dabei bieten genau die jedem Geschöpf den meisten Trost."

Waidwunde Melancholie


Wer nach solchen Aussagen davon ausgeht, dass Judith Owen eine hoffnungslose Miesepeterin ist, liegt alles andere als richtig. Tatsächlich ist "Somebody's Child" (Twanky Records) eine kraftvolle Angelegenheit geworden, ein funkelnder Diamant im weiten Gelände zwischen Folk, Rock, Jazz und Pop. Judith Owen bietet die perfekte Schnittmenge für Anhänger der Klänge von Joni Mitchell, Tori Amos, Carole King oder - als männliches Pendant - Jackson Browne. Ihre Stimme ist von wild wuchernder Verwegenheit und Entschlossenheit, im nächsten Moment dringt Verletzlichkeit und waidwunde Melancholie durch.

"Völlig am Boden zerstört bin ich zum Glück nie", lacht die alterslos wirkende Frau, die ihren Geburtsjahrgang nicht verraten möchte, "um diesen Zustand zu umgehen, habe ich einen fröhlichen Mann an meiner Seite, mit dem ich seit 1993 verheiratet bin. Und dafür habe ich die Musik als beste Freundin, die ich mir vorstellen kann, von der ich permanent Energie abzapfen darf. Musik ist für mich eine "universelle Sprache", mit deren Hilfe es mir gelingt, aus der Welt einen besseren Ort zu gestalten. Weil sie grenzenlos ist. Und wenn sie etwas taugt, kannst du jede deiner Emotionen damit ausdrücken und zum Explodieren bringen."

Vater gewidmet


Wie schon Vorgänger "Ebb & Flow", den Judith Owen ihrem kurz davor verstorbenen, geliebten Vater gewidmet hatte, nahm sie auch die aktuelle Produktion mit amerikanischen Session-Legenden wie Waddy Wachtel an der Gitarre auf, Leland Sklar am Bass und Russ Kunkel am Schlagzeug. Dazu gesellten sich die Cracks Pedro Segundo an der Perkussion und Cellistin Gabriella Swallow.

"Diese Typen", freut sich Owen, "wissen sofort, was sie musikalisch wollen - vor allem aber wissen sie, was ich will, wenn ich ihnen Skizzen meiner Lieder vorgebe. Die werden dann perfekt von ihnen in Windeseile umgesetzt. Ich bin ja schnell gelangweilt von den eigenen Ideen, wenn sie kein Blut und keinen Saft erhalten. Also erwarte ich von meinen Mitstreitern, dass sie zügig handeln. Und das tun sie. Meine Kompositionen klingen nach deren Bearbeitung in der Regel jedes Mal besser als in meinem Hirn, wo ich sie ausbaldowert habe. Das ist echt erstaunlich." Im Herbst geht Judith Owen einmal mehr auf Tour, "und live lasse ich echt die Sau raus", schwärmt sie, "ich hämmere wild auf mein Klavier ein und singe mir die Seele aus dem Leib. Das ist ziemlich anstrengend. Aber mal ehrlich: Wenn Menschen einen Batzen Geld auf den Tisch legen, um mich spielen zu sehen - dann habe ich die verdammte Pflicht, jeden Abend das Äußerste zu geben."

Leland Sklar und Russ Kunkel


Neben den Songs des neuen Albums wird Judith Owen auf der Tournee auch Titel aus ihrem umfangreichen Repertoire und die ein oder andere Coverversion präsentieren. Begleitet wird sie dabei von den Legenden Leland Sklar (b) und Russ Kunkel (dr), die Phil Collins, Sting, Toto, Jackson Browne oder Carole King unterstützten, dem gefragten Perkussionisten Pedro Segundo sowie der Cellistin Gabriella Swallow.

Judith Owen spielt am Donnerstag, 13. Oktober (20 Uhr), im "Keller No. 10" (Kellergasse) in Burglengenfeld. Karten unter Telefon 09471/607062.

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Weitere Informationen:

www.keller10.de www.judithowen.net

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