Oberpfälzer Volkskundemuseum Burglengenfeld
Sonderausstellung "Klosterküche und Haferbrei"

Gewürze aus fernen Ländern wie Pfeffer, Safran und Zimt waren im Mittelalter begehrt und kostbar. Bild: Wolke
Kultur
Burglengenfeld
29.12.2015
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Eine Sonderausstellung im Oberpfälzer Volkskundemuseum Burglengenfeld beleuchtet die Esskultur im Mittelalter. Überfluss und Hungersnöte stehen sich dabei gegenüber.

Unterschiedlicher geht es kaum: Während die Bauern über Getreidebrei darbten, gestalteten sich die fürstlichen Bankette zu Gelagen des Überflusses. Die Ausstellung "Klosterküche und Haferbrei" in Burglengenfeld beleuchtet beide Seiten mittelalterlicher Ernährungsgewohnheiten.

Die Menschen des Mittelalters schossen den Vogel ab. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Singvögel waren bis zum 15. Jahrhundert ein beliebter Bestandteil des Speiseplans. Für die hungrigen Menschen damals war das naheliegend. Man nahm sich, was die Natur bescherte: Pilze, Beeren, Nüsse - und eben auch Vögel. Finken und Meisen gab es gebraten am Spieß, bei Festmahlen servierte man gerne Schwäne.

Einen Einblick in die Esskultur des Mittelalters gibt derzeit das Oberpfälzer Volkskundemuseum Burglengenfeld. Schnell wird dabei klar: Das Mittelalter war nicht nur düster sondern auch bunt. Zumindest was die Essgelage des Adels betraf. Leuchtend gefärbte Lebensmittel fanden sich dort häufig.

In mehr als sechsgängigen Speisefolgen - unter "Gang" verstand man ursprünglich nichts anderes als den Gang der Diener in die Küche - versuchte man, die Gäste zu überraschen. "Hasenfleisch wurde in Form eines Löwen angerichtet", erfährt man anhand der Texttafeln der Burglengenfelder Ausstellung. Und damit nicht genug: "Ein Pfau wurde nach dem Kochen wieder in seine Haut gefüllt und mit seinen Feder gespickt, inklusive einem aufgeschlagenen Rad", heißt es weiter.

Ungewöhnliche Speisen


Eine zeitgenössische Speisekarte zählt unter anderem auf: Blätterteiggebäck, Kalbspastete, Hasenpfeffer und Koteletts, Braten, Lerchenpastete, Kuchen, Waffeln und Dörrobst. Ein eigenes Gedeck besaß allerdings nur der Fürst. Alle anderen mussten sich Schüsseln und Trinkbecher teilen. Spektakulär waren die Bankette des Adels allemal. Dem Alltag der Allgemeinbevölkerung entsprachen sie aber nicht. Denn während es in Klöstern und an Fürstenhöfen oft riesige Küchen in eigenen Gebäuden gab, existierte in einfachen Haushalten nicht einmal ein Herd.

"Küchenarbeit war Schwerstarbeit", erklärt Kuratorin Dr. Alice Selinger die harte Realität. Und die bedeutete im Mittelalter: Gekocht wurde auf einer offenen Feuerstelle. Diese befand sich in der Mitte des Wohnraums und diente auch als Heizung. Wasser musste aus einem Brunnen oder einer Quelle herbeigeschleppt werden, Brennholz wollte zunächst gehackt werden.

"Die Räume waren voller Rauch", heißt es in der Ausstellung. Und weiter: "Ein Kessel hing über dem Feuer. Er war schwer, voller Ruß und Fett, das Metall rostete und setzte giftigen Grünspan an." Eine Auswahl an Kessel und Mörsern ist in der Schau zu sehen. Es handelt sich dabei um zwei Hauptgeräte der mittelalterlichen Küche. Die üblichen Gerichte wie Suppen, Eintöpfe und Grützen wurden in der breiten Bevölkerung meist in einem einzigen Kessel gekocht - und zwar möglichst lang, weich und kleinpüriert. "Dies hatte hygienische Gründe", so die Erklärung. "Zudem hatten viele Menschen schlechte Zähne."

Auch was die Lebensmittel an sich betrifft, bietet die Ausstellung einen Überblick. Zum Hauptnahrungsmittel wurde im 13. Jahrhundert das Brot. An dessen Beschaffenheit ließ sich nebenbei auch die gesellschaftliche Schicht des Essers ablesen. Die Faustregel dabei lautete: Je heller das Brot desto besser. Eine Einschätzung, die manchen Bäcker zum Betrüger machte: Im Brot fanden sich damals mitunter auch Kreide, Gips und Knochenmehl.

Das hierarchische Weltbild des Mittelalters machte auch vor der Nahrungsaufnahme nicht Halt. Gemüse, das nah am Boden wuchs, galt als minderwertig. Ohnehin schätze man den Wert von Obst und Gemüse als sehr gering ein. "Kraut und Rüben" verachteten die Menschen des Mittelalters als Bauernessen. In der Tat gestaltete sich der Speiseplan der Landbevölkerung recht eintönig. Das Grundnahrungsmittel der Armen war Getreidebrei.

Fastentage und Hungersnot


Bis zu 150 Fastentage im Jahr minimierten die Üppigkeit des Essens zusätzlich. Hinzu kamen Hungersnöte. "Übergewicht kam nur in der Oberschicht vor", informiert die Ausstellung. Ansonsten galt: "Hunger war so häufig, dass er neben Tod, Pest und Krieg als einer der vier apokalyptischen Reiter gesehen wurde." Kein Wunder also, dass die Menschen damals dem Augenblick frönten.

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Die Ausstellung "Klosterküche und Haferbrei" läuft bis zum 10. Januar im Oberpfälzer Volkskundemuseum Burglengenfeld, Berggasse 3. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Rahmenprogramm: Vortrag über Speisegewohnheiten der Waldsassener Mönche im späten Mittelalter am 5. Januar um 18.30 und Mittelalter-Workshop für Kinder ab sechs Jahren am 7. Januar von 15 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: Telefon 09471/602583 und www.burglengenfeld.de
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